Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Das Ende der „großen Drei“

Kultur / 19.01.2020 • 08:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor etwa 700 Jahren erlebte Vorarlberg die erste Einwanderungswelle. Die Walser, die massenweise aus dem Oberwallis auszogen und im ganzen Alpenbogen neue Siedlungen gründeten, kamen über Jahrzehnte nach Vorarlberg. Sie waren bei den Feudalherren gern gesehen, waren sie doch dafür bekannt, dass sie sich in äußerst schwierigen, steilen, hochgelegenen, auch gefährlichen Gegenden niederließen und so neues Siedlungsgebiet erschlossen. Deshalb wurden ihnen oft ganz besondere Rechte, zum Beispiel Steuerfreiheit, zugestanden. Weite Landesteile wurden in Vorarlberg – um nur die größten zu nennen – von den Walsern besiedelt: Großes Walsertal, Kleines Walsertal, Tannberg mit Schröcken, Lech und Warth, Laternsertal, Damüls und Silbertal. Ursprünglich waren das arme, mühsam zu bewirtschaftende Täler, dann aber kam der Tourismus und aus den Armenhäusern wurden mit die reichsten Regionen des Landes. Dass Bewusstsein, dass sie Walser sind, haben sie aber nie verloren. Und es gab einige herausragende Persönlichkeiten, die diese Erbe, die Geschichte, Sprache und auch die Musik, ganz besonders pflegten.
Im Großen Walsertal war das der ehemalige Schulleiter (fast alle Heimatforscher waren Lehrer) Eugen Dobler, der vor allem durch die Aufarbeitung der Lawinenkatastrophe im Jahr 1954 mit seinem Buch „Leusorg“ Aufsehen erregte. Darüber hinaus war Dobler auch einer der Initiatoren des Walsermuseums. Im Kleinen Walsertal war es vor allem die Familie Fritz mit ihrem Ahnvater Wilhelm, natürlich auch Schulleiter, der sich um die Musik der Walser besonders verdient gemacht hat. Schließlich hat sich im dritten großen Walsergebiet, am Tannberg und Arlberg, mit Herbert Sauerwein ein weiterer Schulleiter größte Verdienste um das Walsertum erworben. Vor wenigen Tagen ist Herbert Sauerwein mit 97 Jahren gestorben.

Und schließlich hat sich im dritten großen Walsergebiet, am Tannberg und Arlberg, mit Herbert Sauerwein ein weiterer Schulleiter größte Verdienste um das Walsertum erworben.

Interessant bei den Walsern ist ja, dass sie, obschon seit Jahrhunderten in Vorarlberg, immer noch ihren alten Walser Dialekt behalten haben, dass sie ihre Lieder in dieser Mundart singen und auch so sprechen. Heute sind solche Eigenheiten natürlich gefährdet, Leute wie Herbert Sauerwein aber haben versucht, diese Traditionen hochzuhalten. Er war einer der Gründer der Vorarlberger Walservereinigung, er hat viel über die Walser Geschichte veröffentlicht, hat aber neben der Tradition auch die zeitgemäße Heimatpflege wie das großartige Festival „Walserherbst“ hoch geschätzt. Er war der Letzte der großen Drei, eine besondere Zeit ist damit zu Ende, aber die Jungen, die ihnen folgen, sind schon bereit.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.