Bilder, die beeindruckende Geschichten erzählen

Kultur / 26.01.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unter dem Titel „Bergwelten“ zeigt Mathis in Kressbronn eine Auswahl seiner Fotografien. HV

Faszinierende Fotografien von Peter Mathis aus Hohenems in der Lände Kressbronn.

Kressbronn Auf Umwegen ist der in Kressbronn lebende international tätige holländische Fotograf Kees Tillema auf den Alpinisten und Fotografen Peter Mathis (58) aus Hohenems gestoßen und war sofort von dessen außergewöhnlichen Arbeiten fasziniert. Daher hat er ihm in der kommunalen Galerie in der Lände in Kressbronn eine Ausstellung ausgerichtet. Unter dem Titel „Bergwelten“ zeigt Mathis dort bis 1. März eine Auswahl seiner Fotografien.

Die Lände ist nicht irgendeine Galerie, sondern eine, die mit Siegfried Lauterwasser, Toni Schneiders, Werner Stuhler und Herbert Maeder alle großen Fotografen rund um den See schon gezeigt hat. Zu den dort immer wieder ausgestellten Pionieren der Fotografie zählen auch die zeitweise in Kressbronn lebenden Fotokünstlerinnen Martha Hoepffner und Irm Schoffers. Die Lände ist ein Ort für besondere Fotografie.

Mathis macht seine Bilder im Alpenraum mit einer digitalen  Mittelformatkamera vom Stativ aus, dafür schleppt er seine Ausrüstung  auf beschwerlichen Aufstiegen in die Berge.
Mathis macht seine Bilder im Alpenraum mit einer digitalen Mittelformatkamera vom Stativ aus, dafür schleppt er seine Ausrüstung auf beschwerlichen Aufstiegen in die Berge.

Kurator Kees Tillema bringt das Besondere des Vorarlbergers Peter Mathis auf den Punkt: „Das ist keine Dokumentation, das ist ganz bewusst gestaltete Fotografie, eine neue Wirklichkeit.“ Die erste Überraschung: Alle Bilder sind in Schwarz-Weiß, dazu in monumentalen Größen, die man so nicht kennt, in einem Spezialverfahren mit lichtechter Tinte auf Barytpapier gedruckt. Eigentlich überflüssig, und doch sei es gesagt: alles in einer technischen Perfektion, die staunen lässt. Peter Mathis schmunzelt bei der Frage, wo die Pixel geblieben seien: „Alles eine Frage der Bearbeitung.“ Das sitzt.

Mathis macht seine Bilder aus dem Alpenraum mit einer digitalen Mittelformatkamera vom Stativ aus, dafür schleppt er seine Ausrüstung auf beschwerlichen Aufstiegen hinauf, schläft notfalls in Eis und Schnee im Biwak, um den späten Abend, das frühe Morgenlicht einzufangen. Bloß bei den keck in die Kamera guckenden Steinböcken blieb ihm nicht viel Zeit. Im Erdgeschoß ist die Schönheit der Bergwelt bei jeder Witterung zu erfahren, im Obergeschoß zeigen Fotografien bei aller Ästhetik, wie ungebremster Tourismus und Gewinnstreben der Natur zusetzen: Hänge, die durch Liftanlagen und Lawinenverbauungen zerschnitten werden, überfüllte Parkplätze. Auch hier Bilder, die nicht dokumentieren, sondern gestaltet sind, Geschichten erzählen. „Ich könnte zu jedem Bild eine Geschichte erzählen“, kommentiert Peter Mathis. Auch zu den großartigen Bergbildern im Spiel von Licht und Schatten. Lange vorher sucht er den Standpunkt aus. Ein Glücksfall, wenn dann noch eine ungewöhnliche Wolkenstimmung den Eindruck verstärkt. Manchmal entdeckt das Auge auch Menschen unterwegs, am Steilhang, am schneebedeckten Grat. Das Wagnis, die Leistung ist hier zum Ausdruck geworden. Man kann sich fast nicht sattsehen, will mit den Augen eine Landschaft in Besitz nehmen und spürt neben der Freude eine tiefe Demut vor der großartigen Natur.

Die Ausstellung „Bergwelten“ in der Lände Kressbronn wurde gestern eröffnet und läuft bis 1. März. Führungen mit Peter Mathis am 9. Februar und 1. März.