Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Gang durch die Geschichte

Kultur / 09.02.2020 • 08:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es war ein seltsames Erlebnis, als ich zum ersten Mal durch die Ausstellung „Reinhold Luger – Grafische Provokation“ im vorarlberg museum gegangen bin. Irgendwie kam es mir nämlich vor, als würde ich durch mein Leben wandern. Überall Plakate mit Hinweisen auf Veranstaltungen, die ich damals, vor vielen Jahren, entweder besucht, darüber berichtet oder sie sogar veranstaltet hatte. Damals, in den Siebziger- und Achtzigerjahren, kamen alle, die in der alternativen Kultur Werbung für ein Konzert oder eine Lesung machen wollten, zu Reinhold Luger, genannt Nolde, denn er war nicht nur der beste Grafiker, er stellte auch keine Rechnung. Und das war für die Veranstalter, die ohnehin immer zu wenig bis gar kein Geld hatten, ein wesentlicher Punkt. Aber meistens mussten sie gar nicht zu Nolde kommen, meist war er ohnehin bei den verschiedensten Aktionen an vorderer Front mit dabei, gehörte zum inneren Kreis jener, die sich für Politisches und Kulturelles einsetzten.

„Wenn es in Vorarlberg einen Grafiker gibt, der für den kulturellen Aufbruch der siebziger Jahre steht, dann ist das Reinhold Luger.“

Wenn es in Vorarlberg einen Grafiker gibt, der für den kulturellen Aufbruch der Siebzigerjahre steht, dann ist das Reinhold Luger. Er war mit dabei bei Flint, er hat alle Plakate der Randspiele entworfen, ebenso für die Wäldertage, natürlich für das Kabarett „Wühlmäuse“, er stand für die Jugendbewegung des Offenen Hauses in Dornbirn, er zeichnete für die Titel der Bücher verantwortlich, die sich damals erstmalig mit Zeitgeschichte und damit auch mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Vorarlberg befassten. Allein das würde ihn schon als wichtigen Zeugen unserer Gegenwart ausweisen.

Erscheinungsbild der Festspiele

Aber es gibt ja noch viel mehr. Denn Reinhold Luger wurde von Intendant Alfred Wopmann auch für das größte Kulturereignis Vorarlbergs, für die Bregenzer Festspiele, gewonnen. Er hat mit seinen künstlerischen Plakaten für zwanzig Jahre das Erscheinungsbild des Festivals bestimmt. Inzwischen haben sich diese Plakate wieder auf übliches Niveau gesenkt – einmal abgesehen vom klaren, aussagekräftigen Luger-Logo, das dem neuen, etwas verschwommenen Logo für die Festspiele weichen musste. Und schließlich hat er natürlich auch für die Wirtschaft gearbeitet – und das Erscheinungsbild von Landbus und Stadtbussen stammt auch von ihm. Ein unglaublich breites Spektrum also.
Es ist eine sehenswerte Ausstellung im Museum, dazu gibt es einen höchst informativen Katalog. Nicht zuletzt ist Nolde eine Veranstaltung auf dem Spielboden gewidmet. Am kommenden Freitag heißt es „Ein Abend für Nolde“, mit dabei sind Mitstreiter von damals, zum Beispiel Michael Köhlmeier oder “The Gamblers“.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.