Es hat wichtige Prozesse ausgelöst

Kultur / 09.04.2021 • 19:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die aktuelle Sonderausstellung „Die letzten Europäer“ im Jüdischen Museum, versteht sich auch als Aufforderung, sich mit der Zukunft Europas zu beschäftigen. walser, gisinger
Die aktuelle Sonderausstellung „Die letzten Europäer“ im Jüdischen Museum, versteht sich auch als Aufforderung, sich mit der Zukunft Europas zu beschäftigen. walser, gisinger

Das Jüdische Museum Hohenems wurde auch als politischer Ort am 10. April vor dreißig Jahren eröffnet.

Hohenems Dieses Museumsprojekt habe Prozesse ausgelöst und müsse das auch weiterhin tun – um Wahrheit, Würde und Gerechtigkeit ringend. Wer die Eröffnungsrede des damaligen Landeshauptmanns Martin Purtscher heute liest, erfährt, dass die Diskussionen im Vorfeld letztlich dazu geführt haben, dass den Verantwortlichen bewusst war, dass hier auch ein politischer Ort entstehen soll. Er stellt zudem fest, dass sich erfüllt hat, was man vorausschauend vor hatte. Am 10. April 1991, vor dreißig Jahren, wurde das Jüdische Museum in Hohenems in der Villa Heimann-Rosenthal eröffnet. Es war der Wohnort von Clara Heimann-Rosenthal, die 1940 nach Wien zwangsumgesiedelt wurde und zwei Jahre später im KZ Theresienstadt ums Leben kam. Zur Hochzeit, Jahrzehnte zuvor, erhielt sie Telegramme aus vielen Ländern. Sie dokumentieren die internationale Vernetzung der Familie. Dieses Thema behandelt auch die aktuelle, im Museum zu sehende Ausstellung „Die letzten Europäer“ mit Verweisen auf die Netzwerke, die jüdische Gemeinden in Europa aufbauten, und der Aufforderung, sich angesichts aktueller Strömungen mit der Zukunft Europas zu beschäftigen.

Zu Beginn, unter der Leitung von Eva Grabherr, ging es darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass es im Land eine jüdische Minderheit gab, die eine Rolle spielte. „Wir hatten es einfacher“, erklärt Hanno Loewy, seit 2004 Direktor des Museums, „wir konnten schon erzählen, was es bedeutete, als Jude in Vorarlberg zu leben und internationale Netzwerke zu knüpfen.“

Haus mit Wirkung

Ausstellungsprojekte, die in Hohen­ems konzipiert wurden, werden mittlerweile an Institutionen in verschiedenen Ländern weitergeleitet. Die ehemalige Synagoge wurde zum Veranstaltungssaal umgebaut und erinnert an den aus Hohenems stammenden Kantor Salomon Sulzer, verschiedene Gebäude im Jüdischen Viertel wurden saniert, derzeit ist die Errichtung eines Literaturhauses in der ehemaligen Villa von Franziska und Iwan Rosenthal im Gange, von dem sich Loewy weiteren Input erwartet. Ein Archiv wurde errichtet, die Nachkommentreffen wie auch eine Sommeruniversität oder überhaupt notwendig gewordene Ausbaupläne hat die Pandemie vorerst gestoppt. Diskussionsveranstaltungen werden derzeit online abgehalten, über die Wirkung dieses Museums und weitere, mittlerweile geschaffener Einrichtungen wie etwa das KUB lässt sich trotzdem sprechen. Vorarlberg biete neben Wien laut Indikatoren vielleicht den urbansten Raum, so Loewy. Bei der Bildung hinke es hinterher. Wenn es nicht am erreichten Niveau stagnieren oder gar abstürzen wolle, brauche es eine Universität. Vor Stillstand hatte schon Martin Purtscher gewarnt.

„Es fehlt im Land die intellektuelle Freiheit, die es braucht, um Innovationen anzustoßen.“

Die 1864 errichtete Villa Heimann-Rosenthal, das Hauptgebäude des Jüdischen Museums, vor der Sanierung. Gnaiger
Die 1864 errichtete Villa Heimann-Rosenthal, das Hauptgebäude des Jüdischen Museums, vor der Sanierung. Gnaiger
Zurzeit behindert, sonst im Fokus: Vermittlungsprogramme.

Zurzeit behindert, sonst im Fokus: Vermittlungsprogramme.

Es hat wichtige Prozesse ausgelöst