Vom Reiz der exakten Berechnung

Kultur / 12.07.2021 • 21:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die jüngsten Arbeiten von Walter Kölbl sind nicht nur von Proportionssystemen oder schnellen Autos inspiriert. Stiplovsek
Die jüngsten Arbeiten von Walter Kölbl sind nicht nur von Proportionssystemen oder schnellen Autos inspiriert. Stiplovsek

Bildhauer Walter Kölbl setzt im Millennium Park die Bregenzer Sommerausstellung fort.

Lustenau Arbeiten, die in der Galerie des Gebäudes 2226 im Millennium Park in Lustenau, dem Sitz des Architekturbüros Baumschlager Eberle, ausgestellt werden, standen oft im Kontext zur Architektur, das Ineinanderwirken gestaltete sich aber selten so augenscheinlich wie es nun bei den Werken von Walter Kölbl der Fall ist. Dem Vorarlberger Bildhauer, der sich trotz seiner sich schon in frühester Jugend manifestierenden Faszination für Mathematik für ein Kunststudium entschied, gelingt damit eine Fortführung jener Schau, die vor drei Jahren als Sommerausstellung der Stadt Bregenz im Palais Thurn und Taxis stattfand.

Komprimiert auf kleinerer Ausstellungsfläche, nimmt sich die Präsenz von Arbeiten jüngeren Datums nicht weniger vielfältig aus. Sprich: Was Kölbl ausmacht, nämlich seine in jeder Hinsicht präzise Positionierung innerhalb der konstruktiven und konkreten Kunst, lässt sich bestens erfahren. Ein Rundgang regt aber nicht nur zum Denken oder Nachrechnen an, der ästhetische Genuss, den der Vorarlberger bietet, enthält einige Aufforderungen zum Schmunzeln. Nicht jeder hat intus, dass es das Ferrari-Rot der zum Triptychon geordneten Werke in Abweichungen gibt, so ist das Rot für die namensgebende Serie „Ferrari Rosso Scuderia“ nicht mit jenem Rosso Corsa ident, mit dem die Rennwagen lackiert sind. Während man sich eventuell in Berechnungen ergeht, wieviel PS angesichts der Aluminium-Lack-Arbeiten an der Wand hängen, wären die Dimensionen der einzelnen Bildträger zueinander zu erkunden. Darin liegt nämlich der springende Punkt: Ob die Fibonacci-Folge ausschlaggebend ist oder das Maß eines Würfels, das in seinem Ursprung von einem Bauklötzchen-Set für Kinder inspiriert war und beim Aufbau einer Cortenstahl-Stele jeweils halbiert, verdoppelt oder in der Position weitergerückt wird – Zahlen und Fakten bilden konsequent das Grundgerüst.

Kein humorloser Rechner

Wenn Kölbl angesichts des Bugatti-Blaus von jener Marchesa Casati erzählt, die sich mit dem Erbe aus der Vorarlberger Unternehmerfamilie, aus der sie stammte, in Italien des frühen 20. Jahrhunderts ein ausschweifendes Leben gönnte, dann sind das erheiternde Anfügungen, die die „Bugatti Veyron“-Arbeiten vielleicht noch etwas mehr glitzern lassen. Erheblich ist das Abschweifen in die Dekadenz nicht, lediglich das Wissen darum macht Spaß und verdeutlicht, dass die Vertreter der konkreten Kunst doch nicht nur humorlose Rechner sind.

Bei Kölbl wäre der Rückschluss ohnehin verfehlt, hob der geerdete Experte für Materialverhalten doch für die neuesten Arbeiten ab. „Saturn II“ lautet der Titel von zwei Kugeln aus Hartgummi, die sich bei Berührung in Bewegung setzen würden, und die Fertigung einer Großskulptur aus Aluminium in der Dimension à la Fibonacci hat er sich privat gegönnt, nachdem er damit der Zweitgereihte beim Wettbewerb für die FH Dornbirn war.

Vom Reiz der exakten Berechnung

Zur Person

Walter Kölbl

Geboren 1948 in Hard

Ausbildung Hochschule für Angewandte Kunst in Wien

Werdegang Universitätsassistent, freischaffender Bildhauer, zahlreiche Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum

Wohnort Wien, Hard

Die Ausstellung mit Arbeiten von Walter Kölbl in Lustenau (Millennium Park 20, Haus 2226) ist bis Ende September, Mo bis Fr, 8.30 bis 18 Uhr geöffnet.