Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Lang, lang ist’s her

Kultur / 09.01.2022 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ja, es ist tatsächlich lange her, dass ich meinen ersten Kommentar für die Vorarlberger Nachrichten geschrieben habe.

Es war der 2. Januar 1992, also vor ziemlich genau dreißig Jahren, als das erste Mal mein Name unter einer Kolumne auf der Kulturseite dieser Zeitung stand. Erstes Thema war – wie seit damals so oft – das Kulturbudget des Landes Vorarlberg. Vieles war im Vergleich zur heutigen Zeit noch unüblich. So gab es – und gibt es bis heute – keinen Vertrag, der diese Tätigkeit absichert. Es war einzig ein Handschlag zwischen Herausgeber Eugen A. Russ und mir, der am Anfang dieser Arbeit stand und mich zu einem Kommentar für jeden Samstag verpflichtete. Der Zeit entsprechend natürlich noch auf einer Schreibmaschine getippt, Computer gab es noch nicht. Das beschriebene Blatt wurde dann in den VN in der Kirchstraße 35, dem damaligen Sitz der Redaktion, abgegeben, etwas später wechselte der Abgabeort nach Schwarzach zur heutigen Zentrale von Russmedia. Konstant blieb die Adressatin der Schriftstücke: Schon damals war Christa Dietrich Kulturchefin der Zeitung (übrigens auch eine unglaubliche Leistung in dieser Branche).

„Geblieben ist bei mir die Freude am Tun, an der Auseinandersetzung mit der Kultur, der Politik und mit sonstigen Gegebenheiten in diesem Land.“

Dann hielt der Computer Einzug, wobei mir dieses elektronische Gerät am Anfang nicht viel Freude bereitete. Zu sehr war ich mit meiner Schreibmaschine eins geworden. Aber immerhin: Durch die damals revolutionäre Übermittlung durch Mail sparte ich mir erstens die Fahrt nach Schwarzach und zweitens war die Möglichkeit der Textkorrektur mehr als nur angenehm. Ein kleines Zahlenspiel sei zum besonderen Anlass erlaubt. Über die dreißig Jahre – etwa zwanzig Jahre davon habe ich zweimal wöchentlich, am Mittwoch und am Samstag, geschrieben – sind etwa 2500 Kommentare entstanden, das sind doch immerhin fast sieben Millionen Anschläge auf Schreibmaschine oder heute Laptop. Ein Wunder, dass die Finger dabei nicht kürzer geworden sind.

Was bleibt zu so einem Anlass? Natürlich: Dank zu sagen. Zuerst an den Herausgeber und die Chefredaktion, meine Schreiberei, die ja nicht immer leicht zu ertragen war, so lange ausgehalten zu haben. Vor allem aber auch den Leserinnen und Lesern, die mir über drei Jahrzehnte die Treue gehalten haben, sei es in verbindendem Zorn über vertretene Meinungen in den Kommentaren oder sei es auch in ebenso verbindender Zustimmung zum Geschriebenen. Beides war wichtig: die Kritik mindestens ebenso wie die Anerkennung. Geblieben ist bei mir die Freude am Tun, an der Auseinandersetzung mit der Kultur, der Politik und mit sonstigen Gegebenheiten in diesem Land. So, und bevor das alles zu einem Abgesang wird, sei noch der Hinweis erlaubt, dass ich mich als Kolumnist der VN noch nicht verabschiede. Zumindest dann nicht, wenn sich Herausgeber und Chefredaktion dieser Zeitung und vor allem deren Leserinnen und Leser noch weiter über mich ärgern oder sich an mir freuen wollen.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.