Ein weiblich dominierter, vielgestaltiger Mix

Kultur / 24.01.2022 • 21:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Installation von Anna-Amanda Steurer.

Installation von Anna-Amanda Steurer.

13 neue Berufsvereinigungs-Mitglieder stellen sich im Künstlerhaus vor.

BREGENZ Gleich 13 Kunstschaffende, davon nicht weniger als zehn weibliche Positionen, wurden im vergangenen Jahr in die Berufsvereinigung bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs aufgenommen. In guter alter Tradition bekommen die Neuaufnahmen zu Beginn des Ausstellungsjahres die Möglichkeit, sich mit einem Schaffensausschnitt im Keller des Künstlerhauses vorzustellen, und ebenso traditionell präsentiert sich die Schau als vielgestaltiger Mix aus bekannten und (bisher noch) weniger bekannten Namen.

„Ich möchte ein Wandbild sein“ postuliert Bella Angora in Foto und Video und zeigt mit dem Verschmelzen mit der Wand und der Haut als Grenze zwischen Innen und Außen eine Arbeit, die exemplarisch für ihr medienübergreifendes, auf der Perfomance basierendes Schaffen steht. 1986 in Bregenz geboren, ist die jüngst mit dem Ehrenpreis für Kunst des Landes Vorarlberg bedachte Künstlerin auch kuratorisch international tätig. Im existenziell-radikalen Befragen und Demontieren von Werten, Wahrheiten und gesellschaftlichen Strukturen findet und erfährt sich Sandra Dorner, so ihr bürgerlicher Name, als Frau und Künstlerin. Auch Julia Fuchs (geb. 1978) hinterfragt Rollen- und Geschlechterklischees aus einem ganz spezifischen Blickwinkel, indem sie sich mit der Betrachtung und Darstellung des menschlichen Körpers in der Kunst befasst. Der anderen Betrachtung von männlichen und weiblichen Körpern, vor allem in der Vergangenheit, setzt sie in der Reihe „Frauenakte“ nachgestellte ikonische Werke gegenüber, während sie für Bregenz einen weiblichen Akt unter einer transparenten Kunststofffolie porträtiert.

Peitschenschwingend

Mit Daniela Peter (geb. 1971) und ihren konzeptionell angelegten Serien sowie Grid Marrisonie (geb. 1951) sind zwei weitere fotografische Positionen zusehen, wobei sich Letztere neben ihrem Fokus auf feine Details auch intensiv mit Wörtern und Texten auseinandersetzt, die sich in ihren Installationen materialisieren. Maria Mäser (geb. 1984) ordnet Archivaufnahmen mit historischen Gebirgsszenerien jeweils einer Decalcomanie (Farbabklatsch) zu, während sich Ina Fasching (*1989) malerisch auf großen Papierbahnen austobt, die sich bei näherem Hinschauen als Dialog zwischen Zeichnung, Form und Abstraktion entpuppen. Unverhohlen figurativ, materialaufwendig und symbolträchtig zeigt sich die monumentale Installation „Im Wandel“ von Andrea Maria Bauer (geb. 1979) aus Gusseisen, Beton, Lehm, Heu u.a., während Anna-Amanda Steurer (geb. 1994), von der derzeit eine Installation im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen zu sehen ist, in ihrem „Mobile“ auf Bewegung und die ebenso Raum schaffende Leichtigkeit und Transparenz von Textil setzt. Kontrastreich und doch sehr stimmig finden in einem Raum die Spitzfederzeichnungen von Gabriele Bösch (geb. 1964) und die Digitaldrucke auf Netzplane von Isabel Sandner (geb. 1963) zusammen. Erstere richtet ihren unbestechlichen Blick auf kleinste Elemente aus der Natur, wie Piniennadeln oder Muscheln, um sie in der Reihung und Wiederholung zu Zeichen einer neuen Grammatik zu arrangieren. Die unbedingte Präzision und Schärfe dieser den Blick verlangsamenden Darstellungen wird von der Unschärfe und Farbe der computergenerierten, mehrteiligen Arbeiten von Isabel Sandner konterkariert. Sandner frönt ihrem Faible für Italo-Western und lässt Klaus K. (Kinski) peitschenschwingend auftreten.

Grüße von anderswo

Voller Ironie grüßt Jan Klamm bzw. Klammer (geb. 1989) aus dem Internet. Wer sich die Mühe macht, den Konzeptkünstler und Bühnenbildner zu suchen, wird den gezeigten und offensichtlich gefälschten Eintrag auf Wikipedia vergebens suchen. Klamm grüßt in der perfekten Vorstellung seiner Person, die übrigens für 7,66 Euro zu erwerben ist, nicht nur aus dem World Wide Web, sondern auch vom stillen Örtchen und gibt Dinge über sein Geschäftsgebaren preis, die man weder zu fragen wagte, noch wissen wollte. Der in Spanien geborene Victor Olmos (geb. 1962) ist Architekt, was sich mit Feldkircher Stadtansichten unübersehbar in den Motiven der Malerei, der er sich zugewendet hat, niederschlägt. Der dritte Mann unter den neuen Mitgliedern, Danilo Ortiz (geb.1962), beschäftige sich mit Porträts, hat aber auf seinen Auftritt verzichtet.

Arbeit von Bella Angora.

Arbeit von Bella Angora.

Objekt von Andrea Maria Bauer.

Objekt von Andrea Maria Bauer.

Arbeit von Isabel Sandner.

Arbeit von Isabel Sandner.

Fotoarbeit von Grid Marrisonie.

Fotoarbeit von Grid Marrisonie.

Malerei von Victor Olmos. AG
Malerei von Victor Olmos. AG

Geöffnet im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz, Gallusstraße 10, bis 6. März, Mi bis Sa, 14 bis 18 Uhr, sowie So und Feiertage von 11 bis 17 Uhr.

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