Die Lust auf Lesungen wieder wecken

Kultur / 11.10.2022 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Literaturtage 2022 in Feldkirch versprechen spannend zu werden. Patricia Keckeis
Die Literaturtage 2022 in Feldkirch versprechen spannend zu werden. Patricia Keckeis

Vom 13. bis 15. Oktober finden die Literaturtage in der Villa Müller in Feldkirch statt.

Feldkirch Ein bisschen erinnert das Szenario an Agatha Christie. Eine Villa, vier Autorinnen und vier Autoren, der leicht morbide Charme der 60er-Jahre und … nein, kein Mord. Auch nicht auf den insgesamt 1403 Seiten der jüngsten Veröffentlichungen. Spannend versprechen die Literaturtage in der Feldkircher Villa Müller dennoch zu werden, denn wenn sich abends gegen 19 Uhr die Haustür öffnet, findet man sich in einer ungezwungenen Sesselrunde wieder – quasi auf Tuchfühlung mit dem Autor – ohne Bühne, Podest oder sonstige Barriere. Bei Kamillentee, hausgemachter Kräuterlimo oder Gin Basil Smash ergeben sich überraschende Begegnungen mit literarischen Stimmen Österreichs, wie unter anderem Iris Blauensteiner.

Vertonte Literatur

Ihr jüngstes Werk „Atemhaut“ ist für den Österreichischen Buchpreis nominiert. Ein Roman, der den Austausch zwischen Menschen und Maschine thematisiert und die damit verbundene Veränderung aus dem Takt geratener Identitäten. „Im Text habe ich sehr viel über Geräusche, Ton, Stimmen, Atmosphären geschrieben“, sagt die 36-Jährige, wie die Idee zum Soundtrack und die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Rojin Sharafi entstand. Die Wienerin mit iranischen Wurzeln hat ihn komponiert, während Blauensteiner noch geschrieben hat.

Erinnerungsspuren hüpfen

Eine humorvolle wie poetisch-berührende Doppelconférence aus der Perspektive zweier Kinder ist die Lesung von Hamed Abboud und Christian Futscher. Das Buch des Vorarlberger Autors „Mein Vater, der Vogel“ inspirierte den in Wien lebenden Schriftsteller zu eigenen absurd-witzigen Texten über seine Kindheit in Syrien. „In Erinnerungsspuren hüpfen“ nennt Abboud dieses neue Projekt: „Ich hatte mehrere Väter in einem. Einen kannte ich nur von den wenigen Bildern, die ich als Kind in Koffern fand. Darauf war mein Vater jung, schlank und cool. […] Einem anderen Vater begegnete ich in unserer Bäckerei in meiner Heimatstadt.“ Futscher und Abboud lernten sich übrigens vor einem Jahr in der Villa Müller kennen. Damals entstand auch die Idee, gemeinsam etwas ins Leben zu rufen. Also unbedingt vorbeischauen – die Spontaneität führt bestimmt auch dieses Mal wieder Regie. Nicht umsonst heißt es „durchs reda kummand Lüt zäm!“ Und wer eine Idee hat, bringt sich ein.

Für Kurator und Autor Florian Gantner ist das auch die Essenz von Veranstaltungen dieser Art. „Die Idee, den Austausch zwischen Autoren aber auch zwischen Autoren und Publikum zu etablieren, macht den Unterschied“, sagt der gebürtige Salzburger, dessen Ziel es ist, die Lust, Lesungen zu besuchen aus dem Coronaschlaf zu wecken. Nicht mit Küssen, aber mit Atmosphäre, Flying Dinner, Getränken und Musik. „Die Räumlichkeiten der Villa Müller sind dafür perfekt“, so Gantner: „Man liest vor einer Bücherwand in einem schönen, großen Zimmer mit Blick auf die Lichter der Stadt und die Schattenburg.“ Einziehen werden in das Pop-Up-Literaturhaus außerdem auch Magdalena Schrefel, Barbi Markovic, Martin Peichl und Magdalena Schrefel, im Gepäck ein durchgeknalltes Rollenspiel und Geister, die im Falle von schlaflosen Nächten zu zählen wären. Oder einfach ein gutes Buch lesen – davon gibt es in der Villa genug. CRO

Hamed Abboud, geboren 1987 in Deir al-Zor in Syrien, lebt seit 2014 in Österreich. Frauke Kühn
Hamed Abboud, geboren 1987 in Deir al-Zor in Syrien, lebt seit 2014 in Österreich. Frauke Kühn

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