Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Weniger ist nicht mehr

Kultur / 30.12.2022 • 17:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Eine doch einigermaßen erfreuliche Mitteilung kommt aus Wien. Das Kunstministerium unter Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) teilte mit, dass die Künstlerinnen- und Künstlerstipendien im kommenden Jahr angehoben werden. Statt bisher 1400 Euro pro Monat wird die Mindesthöhe eines Stipendiums auf 1500 Euro erhöht. Das ist nicht wirklich viel, immerhin aber sind es gut sieben Prozent, womit zwar nicht die gesamte, aber doch ein großer Teil der Inflation abgedeckt wird. Am Ende ist es aber immer noch eine minimale Kürzung und keine Steigerung. Allerdings: Gegen die „Steigerung“ des Kulturbudgets in Vorarlberg um gut zwei Prozent ist das fast großartig. Denn im Land ergibt das – angesichts der Inflationsrate – eine heftige Verschlechterung für die Kunst um sechs bis acht Prozent. Und da hilft es auch nichts, wenn der Kultursprecher der ÖVP im Landtag, Christoph Thoma, fast schon zynisch meint, dass „weniger auch mehr sein kann“. Thoma hat unrecht: Weniger kann nicht mehr sein, zumindest nicht, wenn es sich um Beträge im Budget handelt.

Weniger im Budget bedeutet schlicht weniger Angebote, weniger Angebote bedeuten weniger Aufträge für Künstlerinnen und Künstler, weniger Engagements für Schauspielerinnen und Schauspieler, weniger Angestellte im Kulturbetrieb. Und das alles bedeutet, dass die ohnehin schon an der Grenze zur Armut arbeitenden Kulturmenschen endgültig in die Armutsfalle tappen. Einmal ganz abgesehen davon, dass man auch davon sprechen darf, dass weniger Angebote eine Verarmung des kulturellen Lebens darstellen – und das kann und sollte doch nicht das Ziel der Kulturpolitik der ÖVP sein. Auch wenn Christoph Thoma, der als Kultursprecher seiner Fraktion eigentlich als Anwalt für die Kunst und Kultur auftreten sollte, wiederholt in dieses Horn des „weniger ist mehr“ bläst – die Sache wird deshalb nicht besser. Sie wird, im Gegenteil, noch schlimmer.

Denn man darf doch noch einmal darauf aufmerksam machen, dass über das Land Vorarlberg heuer ganz überraschend ein Füllhorn an Geld ausgeschüttet wurde. Fast hundert Millionen Euro kamen unerwartet aus höheren Anteilen vom Bundesbudget und an Zuwendungen des landeseigenen Energieunternehmens illwerke vkw. Aus diesem großen Topf hätte man ohne Probleme einige Millionen für die größten Baustellen im Budget, für Soziales und Kultur, einsetzen dürfen. Man hätte damit Not gelindert und kulturelles Leben gerettet. Und man hätte nicht, wie Christoph Thoma verlangt hatte, einige Produktionen weniger machen müssen. Das ist nämlich inzwischen auch in den großen Häusern geschehen und wird schlicht zu einem Schandfleck in Vorarlbergs Kulturpolitik. Aber Thoma hat leicht reden: Neben seinem Landtagsjob ist er nun auch Direktor des krisengeschüttelten ÖVP-Wirtschaftsbundes. Dort lernt man wohl, mit öffentlichem Geld etwas lockerer umzugehen.

„Weniger kann nicht mehr sein, zumindest nicht, wenn es sich um Beträge im Budget handelt.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

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