Ein Fest der Musizierfreude

Kultur / 17.03.2025 • 13:37 Uhr
Concerto Stella Matutina
Die Chorakademie Vorarlberg und das Barockorchester Concerto Stella Matutina feierten das 20-jährige Bestehen des Orchesters mit einer beeindruckenden Aufführung. privat

Händels Oratorium „Alexander’s Feast“ vertreibt die düsteren Wolken.


Götzis Was geschah 1736, als Händels „Alexander’s Feast“ in London uraufgeführt wurde, in der Welt? Der Krieg des mit Russland verbündeten Österreich gegen die Türken begann; Russland marschierte in der Krim ein. In Nordamerika gab es bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Kolonialmächten England und Frankreich, in Südamerika zwischen Spanien und Portugal. Friedlich war die Welt auch damals nicht. Heute wäre ein so optimistisches Werk, das die Macht der Musik und der Liebe über Krieg und Ehrgeiz besingt, undenkbar. Umso wohler tat es, dass die Chorakademie Vorarlberg just dieses Oratorium auf das Programm ihrer heurigen Konzerte gesetzt hat, am Samstag in Feldkirch und am Sonntag in Götzis.

Concerto Stella Matutina
Bei diesem Konzert wurde von allen Beteiligten Großartiges geleistet. conny bickel

Ein Grund zum Feiern war auch, neben Händels 340. Geburtstag, das zwanzigjährige Bestehen des Barockorchesters Concerto Stella Matutina, mit dem die Chorakademie immer wieder zusammengearbeitet hat, wie der Dirigent Markus Landerer in seiner Begrüßung betonte. Die folgenden knapp zwei Stunden wurden tatsächlich zu einem Fest, bei dem alle Beteiligten in einem nur durch eine kurze Stimmpause unterbrochenen Spannungsbogen Großartiges leisteten. So lebendig und differenziert hat man Händels Oratorium wohl selten gehört.

Concerto Stella Matutina
Markus Landerer hat mit diesem Konzert eindrucksvoll die Macht der Musik demonstriert. conny bickel

Es ist immer wieder erstaunlich, wie Landerer, Domkapellmeister an St. Stephan in Wien, in relativ kurzer konzentrierter Probenarbeit die rund sechzig Sängerinnen und Sänger zu einem homogenen Ensemble formt. Der Chorklang ist leicht und federnd, die vielen Fugen mit den Einzeleinsätzen der Stimmen klappen bestens, die Balance zwischen den Stimmgruppen ist dank erfreulich vieler Männer ausgewogen. Die Textverständlichkeit war auch in der herausfordernden englischen Originalsprache sehr gut. Das Schönste war aber, mitzuerleben, mit welch sichtlichem Vergnügen alle bei der Sache waren.
GAuch das hochkarätige Solistenterzett trug zum Gelingen bei, allen voran Daniel Johannsen, der derzeit wohl gefragteste Bach-Evangelist, der mit spielerischer Leichtigkeit und intensiv gerolltem R Händels Verzierungen aus der Kehle schüttelte, hell und leicht im Stimmklang und fast deutlicher als der im Programmheft abgedruckte Text.

Concerto Stella Matutina
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Landerer die rund sechzig Sängerinnen und Sänger zu einem homogenen Ensemble formt. conny bickel

Cornelia Horaks leuchtender Sopran ist etwas dramatischer. Sie gestaltete besonders die Moll-Arie „He chose a mournful Muse“ mit intensivem Ausdruck, lediglich in Piano-Höhen klang die Stimme manchmal angestrengt. Daniel Ochoa sang die Bass-Partie kraftvoll und farbig, etwa in der Arie „Revenge, Timotheus cries“ zuerst heroisch, dann in fahlen Tönen. Schon von den ersten Takten an bestach das Spiel von Concerto Stella Matutina durch Schwung, Präzision, sprechende Artikulation und schöne gesangliche Linien in den lyrischen Partien. Auch solistische Klippen wurden mit Bravour umschifft, etwa von den Hörnern in der Arie „Bacchus, ever fair and young“, vom Cello in „Softly sweet“ oder den Blockflöten und einer Bratsche bei „Thus long ago“. In der Continuo-Gruppe sorgten Barockgitarre und Laute für zusätzliche zarte Zupftöne.

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Der das alles einstudierte und höchst farbig und abwechslungsreich gestaltete, der manchmal mit fast rockiger Körpersprache dirigierende Markus Landerer, hat mit diesem Konzert eindrucksvoll die Macht der Musik demonstriert. Mit dem prachtvollen Chor „The many rend the sky“ als Zugabe nach stehenden Ovationen wurde das Publikum trotz kaltem Regen und düsterer Weltlage nunmehr glücklich in den weiteren Sonntag entlassen.