Ein Abend voller berührender Darbietungen

Auf dem Programm standen Werke von Rheinberger, Mendelssohn und Herzogenberg.
Feldkirch In der wunderschönen, lichtdurchfluteten Kapelle der Stella Musikhochschule wurde am Mittwochabend ein Konzert geboten, das nicht auf Effekte zielte, sondern auf Wahrhaftigkeit, auf Klang als gelebtes Gebet. Unter dem programmatischen Titel “Verleih uns Frieden” erklangen geistliche Werke von Rheinberger, Mendelssohn und Herzogenberg – interpretiert von einem beeindruckenden Ensemble aus Chor, Solistinnen und Instrumentalisten, das in seiner klanglichen Ausgewogenheit und inneren Geschlossenheit berührte.

Im Zentrum stand der Chor der Stella Musikhochschule, der gemeinsam mit dem Kammerchor Feldkirch agierte – ein Zusammenschluss, der unter der Leitung von Clau Scherrer eine überzeugende Einheit bildete. Scherrer führte mit ruhiger Hand und präzisem Ausdruck durch den Abend, arbeitete klangliche Ebenen ebenso heraus wie fein differenzierte Spannungsbögen und verband Chor und Instrumentalisten zu einer atmenden, fast organischen Klanggemeinschaft. Die Einstudierung des Kammerchors durch Ulrich Mayr trug sichtbar Früchte: klangliche Homogenität, klare Diktion, sichere Intonation.

Das Programm eröffnete mit Josef Gabriel Rheinbergers Stabat Mater op. 138 – ein Werk voller stiller Innigkeit und romantischer Andacht. Der Chor führte die schmerzensreiche Passionsdichtung mit geradliniger Ausdruckskraft, sensibel begleitet vom Streichquintett und der Orgel (Helmut Binder). Die Streicher agierten klanglich abgestimmt, subtil in der Dynamik, stets dienend dem vokalen Ausdruck. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich Felix Mendelssohn-Bartholdys “Hör mein Bitten”: Sopranistin Sarah Schmidbauer, die zuletzt in Carl Maria von Webers “Der Freischütz” bei den Bregenzer Festspielen auf sich aufmerksam machte, beeindruckte mit einer erstaunlich gereiften Stimme – klar geführt, warm im Timbre, technisch souverän. Ihre Gestaltungskraft verlieh dem Gebet aus Psalm 55 emotionale Tiefe, ohne in Sentimentalität zu verfallen.

Mit Heinrich von Herzogenbergs “Geistlichen Gesängen op. 89 – Gebet, Der Einsiedler und Wanderers Nachtlied” – wurde ein selten zu hörender Schatz romantischer Liedkunst gehoben. Im Zusammenspiel von Saghar Ahmedi (Sopran) und Parsa Kalantari (Violine) entstand ein berührendes Duett, das durch klangliche Zartheit und innere Spannung lebte. Die kluge Programmwahl setzte hier auf stille Kontemplation, auf eine Musik, die mehr flüstert als ruft.

Ein weiteres Glanzlicht setzte Liv Cosima Kircher, Mezzosopran, in Mendelssohns “Drei geistlichen Liedern op. 96”. Ihre Stimme – voll, rund, angenehm im Klang – bewies technische Reife und erzählerisches Gespür. Besonders “Lass, o Herr, mich Hilfe finden” geriet unter ihrer Gestaltung zu einem tief empfundenen Bekenntnis – schlicht, glaubwürdig, berührend.

Mit dem kurzen, eindrucksvollen Chorstück “Verleih uns Frieden” schuf Felix Mendelssohn-Bartholdy eine musikalische Bitte um Frieden, die in ihrer Einfachheit und Eindringlichkeit bis heute berührt. Entstanden 1831 steht das Werk in der Tradition lutherischer Kirchenmusik und ist doch unverkennbar romantisch geprägt. Die Besetzung verleiht dem Werk eine besondere Klangfarbe: Die beiden Celli schaffen ein warmes, grundierendes Fundament, das der Orgel klanglich Tiefe verleiht und dem Chor eine weiche, atmende Basis gibt. Der vierstimmige Chorsatz entfaltet sich ruhig, fast kontemplativ, mit einer Melodie, die sich wie ein stilles Mantra durch das Stück zieht – demütig, hoffend, vertrauend. Kein Pathos, keine musikalische Geste zu viel – stattdessen eine musikalische Bitte um Frieden, getragen von einer Melodie, die sich still in die Herzen legte.