Widerstand als Gewissensfrage

“Carl Lampert – Das erste Gebet” wird am Samstag im Landestheater uraufgeführt.
Bregenz Am Samstag, dem 17. Jänner 2026, feiert im Großen Haus des Vorarlberger Landestheaters die Uraufführung von „Carl Lampert – Das erste Gebet“ von Peter Mair und Kirsten Ossoinig Premiere. Das Stück widmet sich einer der eindrucksvollsten Gestalten der jüngeren Vorarlberger Geschichte. Auch in dieser Spielzeit setzt das Landestheater seine Auseinandersetzung mit regionalen Biografien fort, die weit über ihre geografische Herkunft hinausweisen, indem sie existentielle Fragen nach Haltung, Verantwortung und persönlicher Konsequenz stellen, und wählt dafür eine Erzählstruktur, die drei Lebenslinien miteinander verschränkt und ihre Resonanzen sichtbar macht. Im Zentrum stehen zwei jugendliche Straftäterinnen, die in Haft versuchen, ihrer Angst, ihrer Verzweiflung und ihrem inneren Stillstand durch einen Podcast über den seligen Priester Carl Lampert zu entkommen, und dabei unvermittelt auf ein Schicksal stoßen, das sie zwingt, das eigene Leben, das eigene Handeln und die eigenen Entscheidungen neu zu betrachten.

Carl Lampert, 1894 in Göfis geboren, entschied sich früh für das Priestertum und galt als kluger Denker, als Mann des Volkes und als kompromissloser Diener seines Glaubens, Eigenschaften, die ihn rasch in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen ließen und schließlich zum Provikar der Diözese Innsbruck machten. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und der Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft begann jedoch eine Zeit wachsender Bedrohung, in der Lampert die systematische Unterdrückung der Kirche, die Verfolgung Andersdenkender und die moralische Verwüstung seiner Umwelt mit zunehmender Klarheit wahrnahm. Er schwieg nicht, sondern bezog öffentlich Stellung gegen das Regime, wurde von der Gestapo überwacht, mehrfach verhaftet und mit perfiden Angeboten konfrontiert, die ihm Freiheit und ein bürgerliches Leben versprachen, sofern er seinem Glauben abschwöre. Lampert blieb unbeugsam, wurde nach Dachau und Sachsenhausen deportiert, geriet in die Mühlen der nationalsozialistischen Willkürjustiz und wurde schließlich in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. Am 13. November 1944 wurde er in Halle durch das Fallbeil hingerichtet.
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Das Stück zeichnet dieses Leben nicht als Heiligenlegende, sondern als spannungsreiche Innenerzählung eines Menschen, der Zweifel kannte, Angst ertrug und dennoch nicht bereit war, Unrecht hinzunehmen, und stellt seine Geschichte in einen Dialog mit der Gegenwart, in der Fragen nach Zivilcourage und moralischer Verantwortung erneut drängend werden. Inszeniert wird „Carl Lampert – Das erste Gebet“ vom Innsbrucker Hermann Weiskopf, der in Rom seine Ausbildung absolvierte und sich nach einer internationalen Filmkarriere mit vielfach ausgezeichneten Arbeiten, darunter Filme über die Reichspogromnacht in Innsbruck und über den Priester Otto Neururer, nun erstmals als Theaterregisseur am Landestheater Vorarlberg vorstellt. Auf der Bühne stehen Paula Futscher, Rebecca Hammermüller, Stefan Pohl, Nico Raschner, Sebastian Reusse und Josepha Yen, unterstützt vom Bürger:innen Chor und vom T Chor, während Matthias Strahm für Bühne und Kostüm, Oliver Rath für die Musik, Simon Tamerl für das Licht und Juliane Schotte für die Dramaturgie verantwortlich zeichnen.