Ein Bodensee-Thriller, der unter die Haut geht

Kultur / 18.03.2026 • 13:02 Uhr
Bodensee-Thriller-Autorin Rebekka Moser wohnt in Bregenz, ist politisch sehr interessiert und Vielleserin. (Foto: Privat))
Bodensee-Thriller-Autorin Rebekka Moser wohnt in Bregenz, ist politisch sehr interessiert und Vielleserin. privat

Autorin Rebekka Moser wirft in “Tief” gesellschaftlich relevante Fragen auf.

Bregenz Rebekka Moser liest am Donnerstag, 9. April, um 19.30 Uhr in der Vorarlberger Landesbibliothek aus ihrem brandaktuellen Bodensee-Thriller. “Tief” ist nach “Unten” ihr zweites Buch, das eine erschütternde Flucht- und Familientragödie thematisiert. Schonungslos und mit einer Prise schwarzem Humor erzählt die 56-jährige Bregenzerin von brutalen Verbrechen, bei denen das Tatwerkzeug ausgerechnet Wasser ist.

Was bedeutet Ihnen der Bodensee?

Moser: Ich bin ein absoluter See-Fan. Wenn ich an meine Heimat denke, dann plätschert der See durch viele meiner Erinnerungen. Hier habe ich schwimmen gelernt, hier habe ich hunderte Würstle gegrillt, Lieder an Lagerfeuern gesungen und bin zum ersten Mal geküsst worden.

Ihr erster Thriller erschien im Jahr 2022 und trug den Titel „Unten“. Ihr neues Buch heißt „Tief“. Haben Sie von vornherein eine Reihe konzipiert?

Moser: Eigentlich nicht. Aber ich lese selbst gerne Reihen rund um Ermittler-Teams und ich bin nach “Unten” immer wieder darauf angesprochen worden, wann Heinzle wieder ermittelt. Außerdem habe ich es auch in der Realität nicht so mit Loslassen. Mein Kommissar war mir sympathisch und ich konnte ihn nicht sterben lassen.

Ihre Thriller sind auch immer mit Gesellschaftskritik gewürzt. Möchten Sie den Lesenden eine Botschaft mit auf den Weg geben?

Moser: Botschaft ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich schreibe politisch und sozialkritisch, weil ich finde, dass die Fronten in allen Diskussionen rund um Migration und Integration sehr verhärtet sind. Man ist sofort ein „Nazi“ oder ein „linker Träumer“. Die Mitte geht uns verloren, dagegen möchte ich anschreiben. Wenn man die eigene Position auch nur ein bisschen genauer betrachtet, dann schlägt mein Autorinnen-Herz schon höher. Einer meiner Ermittler steuert eine gute Brise schwarzen Humors bei, was die Identifikation mit seinem Standpunkt deutlich einfacher macht.

Was inspiriert Sie zum Schreiben? Woher stammen Ihre Ideen?

Moser: Mein Alltag. Ich arbeite seit vielen Jahren als Ehrenamtliche bei der Caritas. Da hört man Geschichten von Geflüchteten, die einem den Schlaf rauben können. Ich habe aber auch persönliche Erfahrungen mit Menschen gemacht, die extremeres islamistisches Gedankengut vertreten. Mit meinem Roman möchte ich solche Echokammern hinterfragen und auch die fragilen Gefüge von Zugehörigkeit und Identität. Mein Schreiben ist eine Auseinandersetzung mit allem, was jeden Tag auf uns hereinbricht, wenn wir Nachrichten sehen.

Zu welchem Autorinnen-Typ gehören Sie: einfach drauflosschreiben – oder lieber genau planen?

Moser: Da bin ich eine Mischung mit leider größerem chaotischen Anteil.

Arbeiten Sie bereits an Band 3?

Moser: Ich bin eine langsame Schreiberin, weil mir die Recherche als ehemalige Journalistin sehr wichtig ist. Die Idee ist da, jetzt lasse ich sie reifen.

Am Donnerstag, 9. April, präsentieren Sie „Tief“ in der Vorarlberger Landesbibliothek. Worauf dürfen sich die Besuchenden der Lesung freuen?

Moser: Auf spannende Diskussionen mit Moderator Jürgen Thaler, auf Gänsehautmomente und auch viel Menschliches.