Die Kunst der Vielfalt

Kultur / 26.03.2026 • 13:40 Uhr
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„Hundertwasser – Die Kunst der Vielfalt“ wird am Freitag, 27. März um 19 Uhr bei freiem Eintritt eröffnet. Christian Flemming

Das Kunstforum Hundertwasser in Lindau startet in seine zweite Ausstellungssaison.

Lindau Mit „Hundertwasser – Die Kunst der Vielfalt“ startet das Kunstforum Hundertwasser in Lindau in seine zweite Ausstellungssaison. Vom 28. März 2026 bis zum 10. Januar 2027 widmet sich die Einrichtung erneut dem Werk Friedensreich Hundertwassers und rückt diesmal die Originalgrafik des Künstlers in den Mittelpunkt. Die Schau verspricht einen ungewöhnlich tiefen Einblick in ein Schaffen, das in seiner technischen Raffinesse, seiner Farbenlust und seinem Drang nach Individualität bis heute fasziniert.

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Christian Flemming

Das Kunstforum Hundertwasser versteht sich als Ort, an dem Hundertwasser nicht nur als Maler, sondern als Visionär, Utopist, Architekt, ökologischer Aktivist und Liebhaber der Natur erlebbar wird. Genau diese Vielschichtigkeit greift auch die neue Ausstellung auf. Rund 100 Werke werden in Lindau zu sehen sein und veranschaulichen, wie meisterhaft Hundertwasser mit Techniken wie Lithografie, Siebdruck, Radierung und japanischem Farbholzschnitt umging. Dabei zeigt die Ausstellung nicht nur die Beherrschung klassischer druckgrafischer Verfahren, sondern vor allem Hundertwassers Drang, diese Verfahren immer weiter zu verändern, zu verfeinern und auszudehnen.

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Christian Flemming

Gemeinsam mit Druckern aus aller Welt entwickelte er aufwendige Methoden mit zahlreichen Farbauszügen. Er experimentierte mit Metallpigmenten, phosphoreszierenden und fluoreszierenden Farben, mit reflektierenden Glasstaubauflagen und elektrostatischer Beflockung. So entstanden Grafiken von außergewöhnlicher Leuchtkraft und mit einer Fülle an reizvollen Farbeffekten.

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Gruener Janura AG, GlarusCH

Im Zentrum steht dabei Hundertwassers Wunsch, innerhalb einer Auflage jedes einzelne Blatt zu einem unverwechselbaren Original zu machen. Wie konsequent er dieses Ziel verfolgte, zeigt die Mixed-Media-Grafik „10002 NIGHTS HOMO HUMUS COME VA HOW DO YOU DO“ aus dem Jahr 1983, von der in Lindau gleich sechs Varianten präsentiert werden. Gerade in solchen Werkgruppen wird sichtbar, wie sehr Hundertwasser das Serielle als Möglichkeit verstand, Individualität hervorzubringen. Um auch den Weg der Entstehung nachvollziehbar zu machen, zeigt die Ausstellung erstmals japanische Druckstöcke und Druckplatten, Probedrucke, dokumentarische Fotografien sowie originale Werkzeuge der beteiligten Holzschneider und Drucker. Diese Leihgaben stammen aus dem Nachlass und aus dem Hundertwasser Archiv in Wien.

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Christian Flemming

Ergänzt wird die Präsentation durch einen eigens produzierten Film, der den kreativen Prozess des Künstlers anschaulich macht und die komplexen, mehrstufigen Druckverfahren erläutert. Kuratorin Sophie Sümmermann spricht von einer Entdeckungsreise, die deutlich gemacht habe, mit welcher Experimentierfreude, Präzision und Ausdauer Hundertwasser gerade in der Druckgrafik gearbeitet habe. Seine Originalgrafik, so wird in der Ausstellung deutlich, war keineswegs bloß ein Nebenwerk, sondern ein lebendiger Raum der Vielfalt.

Feierliche Eröffnung

Dass Hundertwassers Kunst in Lindau auf großes Interesse stößt, hat bereits die erste Ausstellung bewiesen, die im vergangenen Jahr rund 100.000 Besucherinnen und Besucher anzog. Für Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn ist das ein Zeichen dafür, dass von Hundertwassers Werk gerade in bewegten Zeiten eine besondere Kraft ausgeht.

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Stadt Lindau

Feierlich eröffnet wird „Hundertwasser – Die Kunst der Vielfalt“ am Freitag, 27. März, um 19 Uhr. Der Eintritt zur Eröffnungsparty sowie ein erster Ausstellungsbesuch sind an diesem Abend kostenfrei. Gefeiert wird in der Eilguthalle direkt am See, während im Kunstforum bis 23 Uhr die neue Schau besucht werden kann. Ab Samstag ist die Ausstellung dann täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.