Frische, Tiefe, Eleganz und Witz

Kultur / 01.06.2026 • 13:00 Uhr
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Die vier Münchner Vollblut-Musiker bilden seit 2009 das Goldmund-Quartett.Schubertiade Hohenems

Das Goldmund-Quartett begeistert mit Darbietung von Haydn, Schubert und Brahms.

Hohenems Der erste Eindruck: vier schwarzgekleidete bärtige junge Männer, die wirklich jung aussehen. Dann nehmen sie ihre Instrumente zur Hand. Und schon mit den ersten Tönen ist klar: Das sind Musiker bis in die Haarspitzen. Die vier Münchner, die sich seit der Schulzeit kennen, bilden seit 2009 das Goldmund-Quartett. Nach ihrem überzeugenden Schubertiade-Debut 2025 war die Vorfreude groß, auch weil sie das einzige Quartett sind, bei dem alle auf Instrumenten von Antonio Stradivari spielen.

Zum Auftakt des Konzertes letzten Freitag in Hohenems wählten sie Haydns humorvolles Quartett in Es-Dur, op. 33/2, genannt „Der Scherz“. Schon wie er das erste Thema des Allegro cantabile spielte, faszinierte der Primarius Florian Schötz: delikat phrasiert, mit feinen dynamischen Abstufungen und lebendig pulsierendem Tempo, nie starr. Der gesangliche Duktus blieb über den ganzen Satz erhalten, bis zum sanften Schluss. Das entschieden artikulierte übermütige Scherzo kontrastierte mit dem Trio, in dem die erste Geige mit vielen Portamenti einen fast parodistischen Ländler hinlegte. Im Largo mit seinen starken Kontrasten verströmte Christoph Vandory an der Bratsche satten Wohlklang. Dramatisch wurde es im moll-Teil mit Synkopen und fortissimo-Akkorden, bis dann Pinchas Adt an der zweiten Geige das Thema übernahm. Im quirligen Presto-Finale mit seinem überraschenden „Scherz“-Schluss ging das Publikum nicht in die Falle und klatschte wirklich erst nach der letzten, fast beiläufigen Phrase, dafür umso begeisterter.

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Schubertiade Hohenems

Zu einem Höhepunkt wurde das Streichquartett in g-Moll, D 173, des achtzehnjährigen Schubert. Das Allegro con brio wurde kontrastreich artikuliert: Nach dem schroffen Gestus des Beginns modulierte es nach Dur, wo das Cello von Raphael Paratore durch klangvolles Pizzicato auffiel. Die vier Musiker stürzten sich in die Melodramatik dieses Satzes, wirkten teils wie von einem Furor ergriffen, dann wieder zögernd. In atmendem, lebendigem Zusammenspiel gelang das scheinbar biedermeierliche, aber unheilvoll unterwanderte Andantino mit Schmelz im Geigenklang. Wie eine von grellen Blitzen durchzuckte dunkle Landschaft wirkte das Menuetto, das Rondo huschte wie ein gespenstischer Elfentanz vorbei. Das Goldmund-Quartett spielte das alles mit technischer Präzision und mit tiefen Emotionen, aufregend wie eine Expedition in ein unbekanntes Klangreich. Nach einer intensiven Steigerung am Schluss brach dann auch der Beifall mit Bravo-Rufen los. Besonders sympathisch wirkte es, dass man den Musikern die Freude am Spielen auch ansah.

Wegen seiner sehr dichten Kompositionsweise weniger eingängig, aber nicht weniger eindrucksvoll ist das a-Moll-Streichquartett, op. 51/2, von Johannes Brahms. Nach dem schauerromantischen Moll bei Schubert klang dieses Werk eher elegisch. Hier gelang eine sehr durchsichtige, elegante Interpretation von höchster Intensität. Besonders schön im ersten Satz das zweite Thema, das nach der dunklen Einleitung entfernt an Wiener Heurigenmusik erinnerte. Sehr ausdrucksvoll die Cellokantilene im Andante moderato mit seinem dramatischen Mittelteil. Zuerst tastend, dann im Trio mit spritzigen Sechzehnteln das Quasi Minuetto, bevor im rastlosen Finale mit plastischen Einzelstimmen und stellenweise intensivem Piano das Stück seinem zerfahrenen Schluss zueilte. Als Zugabe erklatschte das Publikum ein Arrangement von Herbert Pixners „Augenstern“ aus der neuen CD des Quartetts „Dahoam“, das Wiener Klassik mit Volksmusik kombiniert.  

Ulrike Längle