Fürstliche Vergnügungen mit Hölzernem Glachter

Kultur / 07.06.2026 • 10:26 Uhr
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Concerto Stella Matutina beleuchtete das musikalisches Erbe der Esterházy-Dynastie.Martin Gallez

CSM bringt Musik vom Hof der Esterházys zum Klingen

Götzis Die Esterházys waren das mächtigste ungarische Fürstengeschlecht in der Donaumonarchie und selbst sehr musikliebend und musikalisch. Zum Großteil selten gehörte Werke von Komponisten „Im Dienste Esterházys“ standen auf dem Programm des dritten, ebenso vergnüglichen wie interessanten Abokonzertes von Concerto Stella Matutina letzten Freitag im Kulturzentrum AmBach in Götzis. Der Bogen reichte von Pál Esterházy, einem komponierenden Angehörigen des Adelsgeschlechts, über eine Reihe von virtuosen Orchestermusikern aus dem Esterházy‘schen Orchester, die auch komponierten, bis zum großen Joseph Haydn.

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Wunderbare Klangwelten und meisterhafte Musiker: Ein Abend voller Überraschungen.Martin Gallez

Einleitend erklang ein Jugendwerk von Franz Schubert (der in seine Klavierschülerin Karoline von Esterházy verliebt war, wie Thomas Platzgummer in seiner wie immer humorvollen Moderation erwähnte), die Ouverture in B-Dur, D 470, von dem mit rund 30 Musikern besetzten Orchester schwungvoll vorgetragen. Pál Esterházys Suite aus der „Harmonia caelestis“, mit festlichem Beginn mit Pauken und Trompeten, dann in abwechslungsreicher Streicherbesetzung, entführte in frühbarocke Klangwelten. Vom komponierenden Konzertmeister des Esterházy-Orchesters und Freund Haydns, Luigi Tomasini, stammte ein Barytontrio in e-Moll, in dessen stürmischem Allegro-Satz Lucia Krommer dieses Lieblingsinstrument von Fürst Nikolaus I. zum Klingen brachte; in einer kleinen Zugabe hörte man auch noch die Resonanzsaiten, die gezupft werden.

Rasantes Finale

Zum ersten Höhepunkt geriet das selten gespielte Cellokonzert in C-Dur, op. 4, des Cellisten Anton Kraft, für den Haydn sein D-Dur-Cellokonzert schrieb. Die Schweizer Cellistin und Komponistin Ursina Maria Braun, international gefragte Solistin und Solocellistin beim Concentus Musicus, von der das SOV 2025 ein Violinkonzert aufgeführt hat, spielte den hochvirtuosen Part zupackend und mit stupender Leichtigkeit, vom heroischen Beginn mit dem aufsteigenden, verzierten C-Dur-Dreiklang an über die fast schon romantische Romanze mit weichen Hörnern bis zum rasanten Finale. Fantastisch, wie präzis und flexibel das Orchester begleitete. Spontan brach schon nach dem 1. Satz der Applaus los, am Schluss kannte der Jubel keine Grenzen.

Nach der festlichen Ouverture zu Joseph Weigls Singspiel „La Principessa d’Amalfi“ konnte man in Paul Wranitzkys kurios und abwechslungsreich instrumentierten Variationen über „O du lieber Augustin“, einer absoluten Rarität, neben zwei Geigen, Trommel, Braun am Cello und Platzgummer an den Tschinellen, auch das Volksmusikinstrument Hölzernes Glachter erleben, eine Art Xylophon, das von Bertram Brugger gespielt wurde. Haydns Symphonie Nr. 102 in B-Dur, Hob. I:102, eine der großen Londoner Symphonien, geriet dann unter dem Dirigat von Platzgummer wie aus einem Guss: quicklebendig im Detail und mit großen Spannungsbögen musiziert, im langsamen Satz mit solistischen Verzierungen von Braun am 1. Cellopult, klangvollen Holzbläsern im Trio des Menuetts und federnden Streichern im Finale.  Und als wäre das nicht genug, bringt die Zugabe noch einmal eine Steigerung und eine Probe von Haydns genialem Witz: ein schwungvoller Beginn, dann eine geradezu avantgardistisch anmutende Kakophonie, denn das Orchester stimmt plötzlich seine Instrumente neu, dann geht es rasend dem effektvollen Schluss zu. Es ist dies der 6. Satz aus Haydns Symphonie in C-Dur, Hob. I:6, „Il Distratto“ („Der Zerstreute“), genauso vom Meister gewollt. Begeisterter Applaus nach einem Konzert, das einen voll neuer Energie in die Nacht entließ. 

Ulrike Längle