Feier der Liebe und Literatur

Kultur / 07.08.2026 • 11:56 Uhr
Feier der Liebe und Literatur

VN-Kommentar von Walter Fink.

Vergangene Woche erschien in dieser Zeitung der letzte Kommentar einer für Monika Helfer typischen Serie: „Morgenland – eine Geschichte in zehn Teilen.“ Es war nicht nur der letzte Kommentar dieser Serie, es war der letzte, der allerletzte von vielen hundert, den Monika Helfer nach vielen Jahrzehnten für die VN schrieb. Wir werden uns nie mehr an einem ihrer kleinen Wortkunstwerke in der Zeitung erfreuen, nie mehr uns wundern, wie man aus einem eigentlich nichtssagenden Ereignis ein solch literarisches Ereignis machen kann. Monika wird keinen Kommentar mehr schreiben, sie wird nie mehr etwas schreiben. Sie wird heute in Hohenems an der Seite ihrer vor mehr als zwanzig Jahren verunglückten Tochter Paula, der gemeinsamen Tochter mit Michael Köhlmeier, in Hohenems begraben.

Fast fünfzig Jahre ist es her, dass Monika Helfer ihren ersten Roman veröffentlicht hat. „Eigentlich bin ich im Schnee geboren“, ein Titel, der anders nicht hätte sein können, der geradezu für sie erfunden war. Viel hat sie geschrieben, beständig veröffentlicht – und plötzlich explodiert alles. Mit dem Familienroman „Die Bagage“ schreibt sie sich endgültig nicht nur in die erste, sondern auch in die erfolgreichste Liga deutschsprachiger Dichterinnen. Es folgen „Vati“ und „Löwenherz“ – und Monika Helfer ist in kürzester Zeit der Star am Dichterinnenhimmel. Sie steht nicht mehr im Schatten ihres Mannes Michael Köhlmeier, sie ist Anfang der zwanziger Jahre noch erfolgreicher als er, sammelt Preise ein wie andere Briefmarken.

Der Erfolg, der ungeheuerliche Erfolg hat Monika nicht verändert. Er hat auch den Bestsellerautor Michael nicht verändert. Sie waren beide nach wie vor Eins, sind es immer geblieben. Ich habe nie ein Paar kennengelernt, das so nur zu zweit lebte, das nie ohne einander war. Wenn ich an Monika dachte, schob sich immer Michael ins Bild, wenn ich an ihn dachte, dann sie. Allein waren sie für mich unvorstellbar. Bis vor ein paar Tagen. Denn nun muss Michael auch seinen literarischen Weg, der bisher immer ein gemeinsamer war, allein gehen. Aber wie, wie kann das gehen?

Vielleicht gibt es einen Hinweis in der Vorarlberger Literatur. Als im Jahre 1868 Nanni, die Frau von Franz Michael Felder starb, riet der Leipziger Germanist Rudolf Hildebrand seinem Freund Felder, er möge doch – damals gerade 29 Jahre alt – seine Biographie, die ja auch eine Geschichte der Liebe mit seiner Frau sei, schreiben. Felder folgte diesem Rat, woraus sein wichtigstes Werk, „Aus meinem Leben“, entstand. Michael Köhlmeier könnte seine Autobiographie schreiben, er könnte seiner wunderbaren Monika damit ein Liebesdenkmal, ein literarisches Denkmal setzen. Denn wer könnte das außer ihm? Und wer hätte sich das so verdient wie Monika Helfer? So könnte die Symbiose dieser zwei literarischen Herzen weiter geführt werden, nichts ginge verloren. Und Michael könnte sich, so würde ich hoffen, an der Erinnerung und Aufarbeitung dieser einmaligen Liebesgeschichte, die auch eine Literaturgeschichte war, aufrichten. Zu seiner Genesung, zur Feier der Liebe und der Literatur.