Der Kontrabass: Ein Musiker im Abseits

Kultur / 28.09.2026 • 15:09 Uhr
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Helmut Thiele hat den “Kontrabass” mehr als 350-mal auf die Bühne gebracht.Theater Kosmos

Thiele spielt Süskinds Tragikomödie am 2. und 3. Oktober im Theater Kosmos.

bregenz Ein Kontrabass, ein Bier und ein Abend, an dem endlich alles gesagt werden kann: Mehr braucht Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ nicht, um aus der Selbstbetrachtung eines Orchestermusikers ein komisches und bitteres Porträt zu machen. Am 2. und 3. Oktober spielt Helmut Thiele den Theaterklassiker jeweils um 20 Uhr im Theater Kosmos in Bregenz. Regie führt Detlev Meierjohann.

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Der namenlose Musiker sitzt im Orchester hinten. Tag für Tag spielt er seinen Part, zuverlässig und unbeachtet. Sein Instrument ist ständiger Begleiter, zu dem er ein widersprüchliches Verhältnis hat: Er liebt den Kontrabass, verachtet ihn und kann doch nicht ohne ihn. Für vieles, was in seinem Leben anders gekommen ist als erhofft, macht er das große, schwerfällige Instrument verantwortlich.
Auch in der Liebe bleibt der Mann auf Distanz. Er hat sich in eine junge Sopranistin verliebt, die für alles zu stehen scheint, was ihm fehlt: Schönheit, Erfolg und Aufmerksamkeit. Doch wie soll sie ihn wahrnehmen, wenn er als Kontrabassist buchstäblich in der hintersten Reihe sitzt? Während er über Musik, Musiker und die Stellung seines Instruments im Orchester räsoniert, wird die komische Abrechnung zum Bericht eines einsamen Menschen. Er sehnt sich nach Anerkennung und Nähe, steht sich aber selbst im Weg.

Verletzlichkeit eines Menschen

Aus Sprachwitz, Selbstironie und Selbsterkenntnis gewinnt Süskinds Monolog seine Wirkung. Der Kontrabassist bringt zum Lachen, doch hinter seinen Tiraden zeigt sich die Verletzlichkeit eines Menschen, der gesehen werden möchte und keinen Ausweg aus seiner Rolle findet. Das Stück erzählt von der Sehnsucht nach einem anderen Leben und von der Schwierigkeit, es zu beginnen. Helmut Thiele verkörpert die Figur seit fast vier Jahrzehnten und hat das Stück mehr als 350-mal auf die Bühne gebracht. Nach Engagements in Linz, Coburg, Osnabrück und Celle arbeitet er seit 2002 freischaffend. In Bregenz bringt er seine Erfahrung in einen Monolog ein, der von komödiantischer Präzision und verletzlichen Momenten lebt.