Alle können irren

Leserbriefe / 08.01.2020 • 19:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief von Sylvia Albrecht und Bernhard Kaufmann:

Als Kind dachte ich wie ein Kind, als Erwachsener denke ich wie ein Erwachsener. Als Kind glaubte ich alles, was mir über Eucharistie und Priestertum gesagt wurde. Meine katholische Kirche hatte immer recht. Daran zu zweifeln, wurde bereits als Sünde deklariert. Als Erwachsener denke ich: Alle können in einer bestimmten Frage recht haben, aber auch alle können irren. Wie weiß ich in Glaubensfragen, wer recht hat und wer irrt? In Fragen, zu denen Jesus Stellung nahm, vertraue ich ihm. In anderen Fragen, die es zur Zeit Jesu gar nicht oder in dieser Form nicht gab, frage ich: Welche Lösung entspricht am ehesten dem Geiste Jesu? Manchmal kann also ein einzelner Gläubiger oder eine Gläubige, manchmal eine Gruppe von Menschen und manchmal eine Kirche recht haben. Angewendet auf die Frage des Priestertums: Im Einsetzungsbericht der Eucharistie sehe ich kein einziges Wörtchen einer Priesterweihe. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ sagte Jesus wohl zu der Gemeinschaft, die er vor sich hatte. Dieser Auftrag gilt für alle im Namen Jesu sich versammelnden Gemeinden. Ist die katholische Lehre vom Priestertum im Geiste Jesu? Mit vielen andern sage ich: Nein, denn sie schafft eine Ungleichheit unter den Gläubigen, die diesem Geiste widerspricht.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn