Olympische Spiele und das IOC

Leserbriefe / 09.02.2022 • 18:03 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Mit Olympia ist es wie mit allen großen Ideen: Oft ist es vernünftiger, die Botschaft vom Botschafter zu trennen, das gilt für die Kirche wie für Parteien oder Organisationen wie das IOC. Es ist kein ganz falscher Gedanke, mit einer Botschaft dorthin zu gehen, wo diese Werte einen schweren Stand haben. Es ist ja auch sinnvoller, vor Sündern zu predigen als vor Heiligen. So könnte Olympia ein Begegnungsraum sein, der politische und ideologische Konflikte ausklammern und einen Beitrag zum wechselseitigen Verständnis leisten könnte. In diesem Spannungsfeld hat sich das IOC für einen anderen Weg entschieden. Die gnadenlose Vermarktung der olympischen Idee hat die Vergabe in ein Meistbieterverfahren verwandelt. Und das sind heutzutage verlässlich jene, die mit ihrer Investition noch mehr Gewinn anstreben, oder eben anderweitige, zuvorderst politische Ziele verfolgen. Und weil das so ist, müssen die gigantischen Investitionen für China eben eine politische Prestigerendite abwerfen. Boykotte ändern daran wenig bis nichts, weil die Veranstalter auf die Kraft der Sportbilder vertrauen können. Spätestens wenn es um Gold, Silber, Bronze oder Blech geht, denken die Zuschauer vor den Mediengeräten nicht mehr an Politik oder Geld. China nutzt derzeit nur die Bühne, die das IOC um viel Geld vermietet.

Dr. Günter Felder, Dornbirn