Vorarlberg ist schwieriger Standort für Kunsthandel

Der internationale Kunstmarkt boomt. In Vorarlberg sind die Galeristen bescheidener.
Schwarzach. In Basel beginnt am 13. Juni die wichtigste Kunstmesse der Welt: die Art Basel. Bis zum 16. Juni zeigen über 300 Galerien Werke von rund 4000 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Basel ist nur knapp 200 Kilometer von Vorarlberg entfernt und doch Welten entfernt von Vorarlbergs Kunstmarkt. Auch wenn die bildende Kunst im Ländle in zahlreichen Ausstellungsräumen ein Zuhause hat, sind es doch nur ganz wenige, die damit ihr Brot verdienen.
Die Vorarlberger Galeristen und Kunsthändler stellen zwar die von ihnen betreuten Künstler ins Rampenlicht, sie selbst bleiben aber meist im Dunkel. Nicht einmal ihre Interessenvertretung kann Zahlen zu den Galerien nennen. Die fließen nämlich in die gemeinsamen Statistiken der Fachgruppe des Juwelen-, Uhren-, Kunst-, Antiquitäten- und Briefmarkenhandels ein, erklärt der Geschäftsführer dieser sehr bunten Gruppe, Michael Hollersbacher.
Seit 35 Jahren im Kunstgeschäft ist Herbert Alber von der Galerie Arthouse: „Um in dieser Branche in einer ländlichen Umgebung – und das ist Vorarlberg – zu überleben, muss man sehr breit aufgestellt sein“, erzählt er über seine Profession. Der Mix zwischen arrivierten Künstlern, Gebrauchskunst und jungen Entdeckungen sei wichtig. Auch bei den Techniken müsse man flexibel sein. Die Vorarlberger seien, so die Erfahrung des Galeristen, auch bei der Kunst kühle Rechner. Das Preisniveau sei niedrig, was zu teuer erscheint, wird auch nicht erworben.
Junge Vorarlberger ins Ausland
Seit vielen Jahren kämpft die Bregenzer Galeristin Lisi Hämmerle um ihr geschäftliches Auskommen und ist froh über jede Unterstützung, die ihr ambitioniertes Programm bekommt. Erst kürzlich hat das Casino Bregenz die Partnerschaft verlängert. „Mit Familie könnte ich nicht überleben“, stellt sie fest, „aber ich mache das ja aus eigenen Stücken.“ Sie ist seit 1985 Unternehmerin und wird nächste Woche auch in Basel präsent sein, beim „Solo Project“, in dem junge Talente präsentiert werden. Sie stellt ihre Künstler auch in Wien aus und hat damit gute Erfahrungen gemacht. „Dabei habe ich für die jungen Vorarlberger Künstler, die ich außerhalb des Landes präsentierte, schon sehr gute Sammler gefunden“, erzählt sie. Ähnlich wie Hämmerle ist auch der junge Maximilian Hutz von Kunst fasziniert: Er hat in kurzer Zeit das Vertrauen von Künstlern und etlichen Sammlern gewonnen. Und ist fest entschlossen, seinen beruflichen Weg in dieser interessanten aber schwierigen Branche zu bestreiten.
Es ist für meine Vorarlberger Künstler besser, wenn ich sie in Basel oder in Wien präsentiere.
Lisi Hämmerle, Galeristin
Die teuersten Bilder der Welt
» Jackson Pollock: „No.5“ (1948); Preis: 140 Millionen Dollar
» Willem de Kooning: „Woman III” (1953); Preis: 137,5 Millionen Dollar
» Gustav Klimt: „Adele Bloch-Bauer I” (1907); Preis 135 Millionen Dollar
» Edvard Munch: „Der Schrei“ (1895); Preis: 119,9 Millionen Dollar
» Pablo Picasso: „Akt mit grünen Blättern und Brüste“ (Auch: „Nackte, grüne Blätter und Büste“) (1932); Preis: 106,5 Millionen Dollar
Und Vorarlberg? (nur drei willkürlich ausgewählte Beispiele)
» Rudolf Wacker: Preise bis ca. 70.000 Euro
» Gottfried Bechtold: Z. B. „Rien ne va plus! Nichts geht mehr! Keine Treppe für Fortuna“, vom Dorotheum im Mai 2013 um 35.000 Euro ausgerufen
» Tone Fink in der Galerie Lang in Wien: „Rotkopfneujahrsbaby“, 1986, Mischtechnik auf Papier um 3520 Euro