Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Es gibt Vorurteile, die stimmen fast

Markt / 26.06.2013 • 21:21 Uhr

Die OECD-Studie zum österreichischen Bildungssystem bestätigt die Vorurteile, die Schulgeschädigte schon bisher gehegt haben: Die österreichischen Lehrer, so der Vergleich mit den anderen OECD-Ländern, arbeiten wenig und verdienen viel. Genau die richtige Meldung zur erbitterten Diskussion ums Lehrerdienstrecht. Und die Studie hat recht. Zählt sie doch nur auf, was ist.

Das Vorurteil lässt sich untermauern. Zeit müssen die Lehrer wirklich genug haben, denn fast jeder von uns kennt eine Lehrperson, die neben ihrer Tätigkeit im Klassenzimmer einen Nebenjob hat, sei es Erwachsenenbildner oder Reiseführer, Skilehrer oder Journalist. Als junge Lehrperson ist das Zubrot wahrscheinlich notwendig. Denn die Lehrervertreter haben recht, wenn sie zu niedrige Einstiegsgehälter kritisieren. Die
Lehrer geben aber auch dann den Nebenjob nicht auf, wenn sie in Gehaltshöhen sind, die für Angestellte der
Privatwirtschaft nur schwer zu erklimmen sind. Und sie müssen sich nicht einmal mehr um die Lehrmittel kümmern. Denn die werden in den ersten – mageren – Berufsjahren erstellt.

Die Lehrer haben kein gutes Image in der Bevölkerung. Sie dürfen sich aber auch nicht wundern, wenn die soignierten Herren Funktionäre zu allem erst einmal Nein sagen, was von irgendwem in der dringend zu führenden Bildungsdebatte vorgeschlagen wird. So verweigern sie auch diese Analyse der OECD und reagieren, wie sie immer reagieren – mit Verunglimpfung und Negierung der Tatsachen.

Im Gegenteil: Sie haben bereits eine eigene Studie, die beweisen soll, dass sie abseits von Schul- und Konferenzzimmer – im eigenen Kämmerlein also – viel mehr arbeiten als alle Kollegen im großen OECD-Reich. Und sie legen nach: Assistenten sollen ihnen zur Hand gehen, um den Unterricht zu organisieren.

Die Debatte um Bildung in Österreich und die Diskussion ums Lehrerdienstrecht sind notwendig und sollen auch geführt werden. Aber von jenen, die für unsere Zukunft stehen: Die jungen Lehrpersonen sollen formulieren, wie sie sich das Bildungssystem vorstellen, nicht die satten Funktionäre, die in Wahrheit ihre Privilegien schützen und die Zukunft verbauen – die Zukunft der Schüler und der Lehrer.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862