Förderung verteuert Bau

Markt / 04.07.2013 • 20:29 Uhr
Bauen wird durch Vorschriften immer teurer. Die Förderung sei zum Regelungsinstrument geworden, stellen Sozialpartner fest. Foto: Einwaller
Bauen wird durch Vorschriften immer teurer. Die Förderung sei zum Regelungsinstrument geworden, stellen Sozialpartner fest. Foto: Einwaller

Wohnbauförderung wurde zum Regelungsinstrument, statt Bauen leistbar zu machen.

Schwarzach. Vergangene Woche hat Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein Alarm geschlagen, beim Holzbaupreis sprach Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser davon, dass bei den Richtlinien für die Wohnbauförderung „über das Ziel hinausgeschossen wurde“. Nun meldet sich auch die Arbeiterkammer zu Wort. Die Sozialpartner sind sich einig: Die Wohnbauförderung soll wieder werden, was sie war – ein Instrument, um leistbaren Wohnraum zu schaffen. In den letzten Jahren sei sie zu einem Regelungsinstrument geworden, das Kosten verursacht, so Arbeiterkammer-Direktor Rainer Keckeis im Gespräch mit den VN .

Zurück zu den Ursprüngen

Einen Befreiungsschlag erhoffen sich Bauwirtschaft und Konsumentenvertreter von den derzeitigen Verhandlungen über die Förderrichtlinien 2014. Erst am Mittwoch trafen sich im Landhaus die Vertreter von Wirtschaftskammer und Land. Außen vor bleibt traditionell die Arbeiterkammer, die vehement Sitz und Stimme als Vertreter der privaten Häuslebauer fordert. Auch die Zimmerleute drängen darauf, in die Verhandlungen eingebunden zu werden. Die Baumeister hoffen indes, dass das Land heuer auf die Ratgeber aus dem Energieinstitut verzichten. Denn die seien es gewesen, die für überbordende Richtlinien und technische Standards gesorgt haben, die Bauen für viele nicht mehr leistbar mache. „Wir konnten zwar viele Forderungen abbiegen, aber über die Jahre hat sich doch alles in eine falsche Richtung bewegt“, stellt Bauinnungs-Geschäftsführer Thomas Peter auf VN-Anfrage fest.

3500 Euro pro Quadratmeter

Derzeit ist im Lande ein Einfamilienhaus kaum unter 400.000 Euro zu bekommen, 3500 Euro kostet der Quadratmeter Wohnraum. Natürlich sind die Preise auch den explodierenden Grundstückpreisen geschuldet, die Preisspirale werde aber von verschiedenen Seiten in Bewegung gebracht, sagt Innungsmeister Franz Drexel. „Viele Einzelmaßnahmen entstehen an den Schreibtischen von Behörden und Institutionen und wirken in ihrer Summe als enorme Kostenerhöhung – und sie sind in der Praxis nicht nachvollziehbar.“ Die Beispiele reichen von Energie–Maßnahmen bis zur Barrierefreiheit oder Sicherheitsmaßnahmen. Dazu komme der bürokratische Aufwand. Man bezahlt für immer mehr Sachverständige – vom Energieberater bis zum Sonderplaner.

Die Basiswohnbauförderung reiche für ökologisch sinnvolles Bauen, so Keckeis. Alle weiteren Förderstufen seien Luxus, die in Anspruch nehmen könne, wer wolle. Forderung der Sozialpartner ist es, die Basisförderung kräftig anzuheben. Damit würde Wohnen wieder leistbarer. Die Vorarlberger Bauherrschaften sind kühle Rechner, das wird auch von den Banken betätigt. Immer mehr von ihnen verzichten auf die Landesförderung, weil dieses Geld mit den damit verbundenen Anforderungen mehr kostet als es bringt, bestätigt auch AK-Direktor Keckeis.

Entschlacken und vereinfachen

„Die Förderung ist nach wie vor sehr attraktiv, die Nachfrage groß“, verteidigt Statthalter Rüdisser das Instrument. Allerdings: Nur jeder zweite Wohnbau im Land wird gefördert, 50 Prozent verzichten auf das Geld vom Land und damit auch auf viele Vorschriften. Man sei derzeit auf einem guten Weg, die Wohnbauförderung zu entschlacken und wieder einfacher zu gestalten, so Rüdisser gegenüber den VN. Die Gespräche werden ohne Energieinstitut geführt, bestätigt er. Und man sei bereit, alle Normen und Vorschriften zu hinterfragen. „Wir haben in den letzten Jahren schon einiges geleistet.“ Beispiele seien etwa Vorschriften für barrierefreie Zugänge in Kleinwohnanlagen oder die mechanische Belüftung kleiner Tiefgaragen.

Die Chancen, dass Bauen wieder einfacher und damit höher gefördert wird, stehen gut. Die Hausbesitzer und Häuslebauer sind eine zu wichtige Wählergruppe, um sie vor den Landtagswahlen 2014 zu verprellen.

Kostensteigerung

In den letzten 10 Jahren ist die Kostenschere weit auseinandergeklafft.

» Verbraucherpreisindex: +24 %

» Baukostenindex: + 37,8 %

» Basis in der Wohnbauförderung
z. B. in der Stufe ÖKO 1 2002 auf die Förderstufe 3 im Jahr 2012 nur im Schnitt: + 9 % bis + 14 %

» Wohnbauförderung 2012:
135 Millionen Euro