Verkauf ist „hypo“-thetisch

Markt / 12.07.2013 • 19:11 Uhr
Im Mittelpunkt des Interesses: Die Hypo Landesbank Vorarlberg. Foto: VN
Im Mittelpunkt des Interesses: Die Hypo Landesbank Vorarlberg. Foto: VN

Verkaufen die LBBW und die L-Bank ihre Hypo-Anteile? Wenn ja, zu welchem Preis?

Bregenz. Wollen oder müssen sie verkaufen? Kann Vorarlberg sein Vorkaufsrecht wahrnehmen? Wer soll die Anteile bezahlen? Die VN berichteten bereits im Herbst 2012 über einen möglichen Verkauf der Anteile der Austria-Beteiligungsgesellschaft, die seit nunmehr 15 Jahren 23,97 Prozent an der Vorarlberger Hypothekenbank hält. Mit realem Hintergrund: Die Europäische Bankaufsichtsbehörde stellte nämlich fest, dass nur noch solche Finanzanteile zum sogenannten harten Kernkapital zählen, die an möglichen Verlusten beteiligt sind. Sie forderte die Eigentümer der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ebenso wie die Eigentümer anderer Banken auf, ihre stillen Einlagen in haftendes Eigenkapital umzuwandeln.

Ende April verkündete der Vorstandvorsitzende der Bank, Hans Jörg Vetter, signifikant bessere Zahlen: „Der Konzerngewinn nach Steuern erhöhte sich im vergangenen Jahr auf 398 Millionen Euro (Vorjahr: 66 Millionen Euro). Der operative Gewinn konnte auf 694 Millionen Euro nach 392 Millionen Euro gesteigert werden.“ Die Rating-Agenturen belohnten das Ergebnis mit „Triple A“.

Vetter weiter: „Die Bank trennte sich im Jahr 2012 von weiteren Beteiligungen, darunter die Anteile an der SV Sparkassen-Versicherung, der Wüstenrot & Württembergischen AG, der Universal-Investment-Gesellschaft, der Nationale Suisse und der LBBW Immobilien GmbH mit ihren rund 21.000 Wohnungen.“ Damit seien die Beteiligungsverkäufe weitgehend abgeschlossen, so Vetter bei der Bilanzpräsentation.

Spielraum für Interpretationen

Die Formulierung „weitgehend“ lässt freilich Interpretationsspielraum, und das Statement von Unternehmenssprecher Alexander Braun hilft da auch nicht weiter: „Zu den Plänen mit unseren Beteiligungen sagen wir grundsätzlich nichts.“ Im Gleichklang mit ihm ist die L-Bank-Sprecherin Cordula Bräuninger: „No comment“ auch von ihr. Die L-Bank des Landes Baden-Württemberg, zweiter Gesellschafter der Austria-Beteiligungsgesellschaft, steht ebenso solide da. Triple A von Moody’s sowie Standard & Poor’s. Vom Branchendienst „Global Finance“ im Ranking der 50 sichersten Banken der Welt wurde die L-Bank auf Platz sechs gereiht. Bilanzsumme 2012: 70 Milliarden, drei Milliarden mehr als im Jahr zuvor. Der Jahresüberschuss betrug 147 Millionen Euro.

Die Turbulenzen der Bankenkrise haben sich gelegt. Und der Vorstandsvorsitzende der Vorarlberger Hypo, Michael Grahammer, hat schon vergangene Woche gegenüber den VN festgestellt, dass der Druck zu verkaufen für die Baden-Württemberger derzeit nicht allzu groß ist. Auch bei der L-Bank hüllt man sich in Schweigen. Im Beteiligungsportfolio der beiden Banken findet sich die Vorarlberger Landes-Hypo unter „ferner liefen“. Deshalb, so Branchenkenner, fällt die Beteiligung strategisch für die Schwaben nicht ins Gewicht. Zu hören ist in Stuttgart aber, dass die in Vorarlberg losgetretene Debatte um die Übernahme der Austria-Anteile nicht die feine Art sei mit Partnern umzugehen. Überhaupt scheut das Bankgewerbe traditionell das grelle Scheinwerferlicht.

Das Schweigen der Banker

Für den Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner ist das Schweigen der Banker eher den Preisverhandlungen geschuldet. Dass die Beteiligung zum Verkauf stehe, sei daran zu erkennen, dass ein sogenannter Teaser, also ein Prospekt, mit den Kennzahlen der Landeshypo an potenzielle Übernehmer versendet worden sei. „Es ist klar, dass die Banken sich bedeckt geben. Wenn es heißt, sie müssen verkaufen, sinkt auch der Preis“, so LH Wallner. Und auch wenn es länger geht, bis aus Stuttgart entsprechende Nachrichten kommen: Ist es dann so weit, habe er einen Verhandlungauftrag, der von den Vorarlbergern getragen werde, stellt er fest.

Wenn der Verkauf derzeit also eher „hypothetisch“ ist, vermutet ein Vorarlberger Equity-Manager vor allem hinter der Rückkaufsforderung der Grünen eine „unüberlegte Preistreiberei, die das Land gut 20 Millionen Euro kostet“. Ob daran allerdings nur die Grünen schuld sein werden ist fraglich, haben doch auch die anderen Parteien inklusive Sozialpartner ihren Segen für den Rückkauf gegeben. Spekuliert – und anders kann man es nicht nennen – wird mit einer Summe von 100 Millionen Euro. Die könnte die Hypo Vorarlberg selbst aufbringen, das habe man bereits ausgerechnet, so der Landeshauptmann. Die Hypo hält es übrigens wie ihre Gesellschafter. Aus der Bank selbst gibt es derzeit keine Kommentare zur „Causa prima“.

Wenn die Anteile verkauft werden, sind wir bereit.

LH markus Wallner

Hypo & Teilhaber

Austria BeteiligungsgesmbH (hält 25 % an der Hypo Vorarlberg)

» Landesbank Baden-Württemberg, (LBBW) 66,66 %; L-Bank 33,34 %

» Vertreter im Hypo-Aufsichtsrat: Michael Horn , LBBW; Christian Brand, L-Bank

LBBW in Zahlen

» Bilanzsumme 2012: 336 Mrd. Euro

» Konzernergebnis2012 nach Steuern: 399 Millionen Euro

» Kernkapitalquote: 15,3 %

» Gesamtkennziffer: 19,7 %

L-Bank in Zahlen

» Bilanzsumme 2012: 71 Mrd. Euro

» Konzernergebnis 2012 nach Steuern: 147,35 Mill. Euro

» Kernkapitalquote: 14,15 %

» Gesamtkennziffer: 19,07 %

Hypo Vorarlberg in Zahlen:

» Bilanzsumme 2012: 14,5 Mrd. Euro

» Konzernergebnis 2012 nach Steuern: 112 Mill. Euro (inkl. einmaligem Ergebnisbeitrag aus dem Rückkauf von Tier-1-Kapital in Höhe von 39,8 Mill. Euro)