Wohnfläche, Temperatur und Grundstückspreise

Markt / 21.08.2013 • 21:05 Uhr
Handwerkliche Leistungen beim Hausbau sind in Vorarlberg teurer als in vergleichbaren Regionen. Foto: VN/Hartinger
Handwerkliche Leistungen beim Hausbau sind in Vorarlberg teurer als in vergleichbaren Regionen. Foto: VN/Hartinger

Günstiger und trotzdem energieeffizient bauen – geht das denn überhaupt?

Schwarzach. Im Oktober will Landeshauptmann Markus Wallner beim Wohnbau Nägel mit Köpfen machen: Wohnen wird immer teurer, der Traum vom Eigenheim rückt im Land der Häuslebauer in immer weitere Ferne. Das birgt sozialen Sprengstoff, zumal es immer öfter Menschen trifft, die, obwohl sie gut ausgebildet sind und entsprechend verdienen, kein Eigentum schaffen können: weder Wohnung noch Einfamilienhaus. Wallner ist sich mit der Wirtschaft und der Bevölkerung einig, die beide Maßnahmen fordern, die das Wohnen wieder günstiger machen. Für die Sozialpartner Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer war von Anfang an klar, dass die Maßnahmen für mehr Energie­effizienz wesentlich schuld an der Kostenexplosion sind. Trotz dieser Vorgaben meinen die Fachleute, dass eine ganze Reihe weiterer Faktoren für die hohen Preise verantwortlich ist. Aber ist günstiges Bauen trotzdem möglich? Für den Architekten Helmut Krapmeier vom Energieinstitut ist die Antwort klar: Wenn man an den entscheidenden Stellschrauben drehe, funktionere das auch.

Teures Handwerk in Vorarlberg

Die in Vorschriften und Normen gegossenen Bestimmungen sind für ihn solche Stellschrauben: „Der Brandschutz wurde über die Maßen erhöht. Mir ist nicht aufgefallen, dass in den letzten Jahren die Brandgefahr derart höher geworden ist, dass es solche Vorschriften braucht“, sagt er. Und auch die Vorschriften für Barrierefreiheit schießen weit über das Ziel hinaus, stellt er fest. Das ist aber nicht alles: Die Preise für die handwerklichen Leistungen und Produkte seien in Vorarlberg im Vergleich zu anderen Regionen weit teurer, so Krapmeier, der in dieser „geschlossenen Wirtschaft“ zwar Vorteile sieht, aber eben auch ganz objektiv eine Ursache für die hohen Kosten: „Das ist eben auch eine Frage des Marktes“, und der erlaube derzeit solche Preise.

Ein wesentlicher Faktor ist für ihn die Spekulation mit Grund und Boden. Krapmeier ist der Meinung, dass es in Vorarlberg genug gewidmetes Bauland gibt, mit dem allerdings spekuliert werde. „Die Vorarlberger Politik traut sich aber nicht, dieses Thema anzugehen.“ Es sei beispielsweise nicht einzusehen, wieso die Allgemeinheit die Infrastruktur für Grundstücke zahlt, die dann umgewidmet werden und ihren Besitzern ohne Zutun ein Vielfaches an Ertrag bringen. Man könne auch Grundstücke zurückwidmen, wenn sie nicht bebaut werden. Natürlich können durch eine höhere Baunutzungszahl auch die Kosten reduziert werden, aber auch Krapmeier weiß, dass viele Menschen lieber im Einfamilienhaus leben und nicht im „Wohnblock“. Damit die verdichtete Bauweise beliebter wird, schlägt er vor, das Dachgeschoß als gemeinsame Freizeitzone für die Bewohner zu gestalten und das Erdgeschoß für Fahrrad- und Hobbyräume sowie die Hausinfrastruktur zu nutzen. „Dann könnte ein ähnliches Wohngefühl aufkommen wie im Einfamilienhaus.“

Und wie spart man langfristig Energiekosten? Kleinere Häuser, niedrigere Raumtemperaturen, kleine statt riesiger Fensterflächen. Das seien einfach umzusetzende Maßnahmen – so der mehrfach ausgezeichnete Passivhaus-Experte gegenüber den VN.

Mir ist nicht aufgefallen, dass die Brandgefahr in den letzten Jahren viel höher geworden ist.

Architekt helmut Krapmeier

Zur Person

Helmut Krapmeier

Architekt

» Seit 1990 Mitarbeiter des Energieinstituts Vorarlberg, maßgeblich beteiligt an der Realisierung der ersten Passivhäuser in Vorarlberg.

» 1993 Entwicklung und Durchführung der ersten Passivhaus-Sommerseminarreihe.

» Mitentwicklung des certified european passive house designer course und des Praxiskurses energieeffizientes Bauen.

» Gastprofessor an der Donauuniversität Krems und Dozent an der Kunstuniversität Linz.

» Europäischer Solarpreis für Architektur und Städtebau.

» Österreichischer Umweltpreis.