“Es gibt nur Licht oder Schatten”

Markt / 11.08.2014 • 22:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
   
   

Organisationen wie die Krebshilfe wollen eine Art Krankenteilzeit.

Wien. Viele Menschen in Österreich werden im Berufsleben von chronischen oder schweren Krankheiten wie Krebs getroffen. Der rasche Tod der Parlamentspräsidentin Barbara Prammer hat das Thema jetzt wieder stärker in die öffentliche Debatte gebracht. Es geht darum, inwieweit Beruf und Krankheit miteinander vereinbar sein können. Organisationen wie die Krebshilfe wollen eine Art Krankenteilzeit.

Derzeit gibt es hierzulande quasi nur Licht oder Schatten – gesund oder krank; arbeitsfähig oder nicht arbeitsfähig. Im Herbst sollen nun aber Gespräche unter den Sozialpartnern starten, mit dem Sozialministerium, denn andere Länder sind schon weiter als Österreich.

So gibt es etwa in Schweden einen Teilzeit-Krankenstand, in dem man ergo Teilzeit-arbeitsfähig ist. „Da kann man zum Beispiel die Arbeitszeit auf 75, auf 50 oder 25 Prozent verringern“, erklärte Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im ORF-Radio „Ö1“. „Das heißt, man geht Teilzeit arbeiten, bekommt einen Teil des Lohns vom Arbeitgeber bezahlt und den Rest über das Krankengeld vom Sozialversicherungssystem.“ Das Ganze geht bis zu einem Jahr lang. Ähnliche Möglichkeiten gibt es in Norwegen, Dänemark, Finnland und der Schweiz.

Stufenweise Eingliederung

In Deutschland sind Firmen seit 2004 bei langen Krankenständen von Mitarbeitern verpflichtet, sich um deren Wiedereinstieg zu kümmern. „Nach sechs Wochen Krankenstand muss der Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer zugehen und ihm ein Angebot unterbreiten, um seine Rückkehr zu unterstützen“, so Leoni. „Und hier kommt oft ein Modell zur stufenweisen Wiedereingliederung zum Einsatz. Der Beschäftigte arbeitet auf Basis eines Stufenplans, von wenigen Stunden beginnend, immer mehr.“ Dabei gilt der Mitarbeiter weiterhin offiziell als krank – er kann, muss aber nicht arbeiten und kostet das Unternehmen selbst nichts. Umgekehrt in den Niederlanden: Dort kann die Fortzahlung der Firmen bis auf zwei Jahre ausgedehnt werden.

Was nun in Österreich anwendbar ist? Das müsse sehr eingehend geprüft und diskutiert werden, so der Wifo-Experte. Ein Modell eines anderen Staates eins zu eins zu übernehmen, sei nicht möglich. Vor allem ist in Österreich die Frage spannend, ab welcher Krankenstanddauer ein Teilkrankenstand eingesetzt werden könnte. In Österreich läuft die Lohnfortzahlung länger als in den meisten anderen Ländern. Spannend auch die Frage, wer über einen Teilkrankenstand entscheiden würde – Arzt oder Behörde – bzw. ob die Teilnahme verpflichtend oder freiwillig ausfallen solle.

Ein Modell eins zu eins zu übernehmen ist nicht möglich.

Thomas Leoni, WIFO

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