Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Jobmaschine in Selbstbedienung

Markt / 17.12.2014 • 22:25 Uhr

Arbeitsmarktservice-Mitarbeiter haben bald mehr Zeit für die Beratung. Bisher waren die rund 5000 Mitarbeiter in einem administrativem Käfig gefangen, der den freundlichen Umgang mit den Kunden genannten Arbeitssuchenden nicht unbedingt förderte. Die Angestellten des seit 20 Jahren privatisierten Arbeitsamts konnten sich gar nicht richtig zu Dienstleistern entwickeln, bei all den hoheitlichen Aufgaben, die sie durchführen müssen. Klar, dass sie manchmal unwirsch sind, wenn freche Leistungsempfänger vorstellig werden. Das gilt auch umgekehrt. Es gibt heutzutage mehr Arbeitssuchende, die aggressiv auf ihre Betreuer reagieren.

Das Konfliktpotenzial soll in Zukunft verringert werden: Die Chefs des Arbeitsmarktservice haben sicher in vielen Workshops und Arbeitsgruppen die Vision „AMS 2020“ entwickelt, und die sieht das Heil im World Wide Web. Statt vieler unbefriedigender persönlicher Kontakte soll die Arbeitssuche künftig im Netz stattfinden. Betreuer und Betreute treffen sich nur noch virtuell. Ob ein Job passt oder nicht, entscheidet die Maschine. „Skill Matching“, also die Selektion nach Fähigkeiten, wird dafür sorgen, dass Arbeitnehmer und -geber zusammenfinden, ohne den menschlichen Faktor zu bemühen.

Was dann die hochqualifizierten Mitarbeiter machen, wird bei der Präsentation der AMS-Strategie gelinde gesagt, etwas unpräzise formuliert. Die Arbeitsmarkt-Mitarbeiter sollen sich mit „arbeitsmarktfernen Personen“ beschäftigen, was immer das heißt. Was sind das für Menschen, die arbeitsmarktfern sind? Pensionisten etwa, oder Kinder? Leute, die nicht arbeiten wollen? Oder sind damit  auch jene Menschen benannt, die keinen Internet-Zugang haben, nicht web-affin sind, die keine App auf das nicht vorhandene Smartphone laden können? Immerhin: Schon jetzt gibt AMS-Chef Herbert Buchinger zu, dass für web-ferne Personen ein Nachteil bei der Arbeitssuche bestehen wird.

Ist es das richtige Signal an Menschen, die Ansprache und Beratung in einer schwierigen Situation brauchen, wenn man ihnen mitteilt, dass in Zukunft die Jobvermittlung via Maschine abgewickelt wird? Dass, wer keinen Job findet, selber schuld ist, weil er über die falschen Fertigkeiten verfügt oder sich im Selbsbedienungsjob-Supermarkt nicht auskennt? An wen sollen sie sich wenden, wenn sie sich über all das beklagen wollen: an den Web-Administrator? Werden die AMS-Mitarbeiter gar selbst wegrationalisiert durch die Jobmaschine?

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862