Kasachischer Minister holt Tipps in Vorarlberg

Markt / 30.09.2015 • 19:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Energieminister Vladimir Shkolnik (M.) und Botschafter Kairat Sarybai (r.) zu Besuch bei Unternehmer Hubert Bertsch.  Foto: VN/Steurer
Energieminister Vladimir Shkolnik (M.) und Botschafter Kairat Sarybai (r.) zu Besuch bei Unternehmer Hubert Bertsch. Foto: VN/Steurer

Zu einem Blitzbesuch weilte der kasachische Energieminister Vladimir Shkolnik in Vorarlberg.

Bludenz. (VN-sca) Kasachstan ist ein Land, das sich um Energie keine Sorgen machen muss: In den 90er-Jahren wurden im Kaspischen Meer und in der kasachischen Steppe die größten Erdölreserven der letzten 30 Jahre gefunden. Experten schätzen sie auf rund neun Milliarden Barrel. Das Land ist der größte Lieferant von Uran, rund 40 Prozent der geförderten Mengen stammen aus dem größten Binnenstaat der Erde. Auch Steinkohle gibt es im Überfluss. Und dennoch: „Wir sehen unsere  Zukunft in der grünen Energie“, versicherte der Minister für Energie, Vladimir Shkolnik (66), bei seinem Kurzbesuch in Vorarlberg.

Mit Energie haushalten

Er nutzte einen Aufenthalt in Österreich, um sich im Energie-Effizienz-Musterland Vorarlberg anzusehen, wie man ohne große Rohstoffvorkommen mit der Energie haushaltet, und ob sich die Ideen der Vorarlberger wohl auch in seinem Land umsetzen ließen. Bei illwerke vkw und bei Bertsch Energy zeigte man ihm Beispiele dafür, wie man aus den Ressourcen das Optimum herausholen kann. Der mächtige Mann, Physiker von Beruf und langjährig im Energiesektor von Amts wegen, aber auch unternehmerisch tätig, war, so sein Fazit im Gespräch mit den VN, beeindruckt von der Energiestrategie des Landes Vorarlberg, die ihm Landesrat Erich Schwärzler (62) vorstellte. Auch ein Besuch in der illwerke-vkw-Zentrale im Montafon sowie des Kavernenkraftwerks Kops standen auf dem Programm. Im Gespräch mit illwerke-Vorstand Christoph Germann (53) ließ er sich die moderne Kraftwerkstechnik erklären. Die Energiestrategie sei klug, sagt er anerkennend, nicht ohne darauf zu verweisen, dass auch der Präsident Kasaschstans, Nursulant Nasarbajew, seine Gedanken zu diesem Thema in einem Buch niedergeschrieben hat. „Unser Präsident und Landesrat Schwärzler könnten verwandt sein“, schließt er nach einem Vergleich der beiden Konzepte.

Alternative Energien stehen, so Shkolnik im Gespräch mit den VN, in Kasachstan trotz des Rohstoffreichtums im Fokus. Deshalb interessieren ihn auch die Abluft- und Abhitzekraftwerke der Bludenzer Bertsch Group, deren Werk in Nüziders ebenfalls auf dem Programm der Tagesvisite stand. „Die Technik ist für uns sehr interessant, das Qualitätsniveau der Anlagen hoch“, sagte er nach dem Besuch und kann sich vorstellen, mit dem Vorarlberger Unternehmen ins Geschäft zu kommen. Mit der Lebensmittelsparte ist Bertsch bereits in Kasachstan vertreten, deshalb rechnet sich Firmenchef Hubert Bertsch (59) gute Chancen aus, auch im Energiebereich zu reüssieren.

Die Verbindungen zwischen den Ländern Vorarlberg und Kasachstan werden nun auch mit einem eigenen Konsulat aufgewertet. Hanno Ulmer (58), Vorstand beim Wolfurter Seilbahnhersteller Doppelmayr, wird als Honorarkonsul das Land vertreten, so der Botschafter Kasaschstans, Kairat Sarybai, der den Energieminister auf seiner Stippvisite nach Vorarlberg begleitet hat.

Zur Person

Vladimir Shkolnik

Geboren: 17. Februar 1949 in
Serpukhov, Moskau Oblast

Ausbildung: Doktor der Physik und Mathematik, graduierte 1973 im Institut für Technik und Physik Moskau mit der Spezialisierung “Physikalische Kraftwerke“. Von 1992 bis 1994 Generaldirektor der Atomenergiebehörde der Republik Kasachstan. Von 1994 bis 2009 Minister in verschiedenen Funktionen. 2009 bis 2014 Vorstandsvorsitzender des nationalen Atomunternehmens.