Das Montafon will mehr kaufkräftige Gäste

12.10.2015 • 20:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf zu einer neuen Form der Zusammenarbeit: Manuel Bitschnau, Hannes Jochum und Martin Netzer. Foto: VN/Hofmeister
Auf zu einer neuen Form der Zusammenarbeit: Manuel Bitschnau, Hannes Jochum und Martin Netzer. Foto: VN/Hofmeister

Die Umstrukturierung von Montafon Tourismus ist abgeschlossen: Man will  zur Vorzeigedestination werden.

Tschagguns. (VN-reh) Die Fusion der sechs Tourismusorganisationen im Montafon zu einer zentralen Servicestelle wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, waren sich doch die Tourismusverantwortlichen im Tal teilweise gar nicht „grün“ untereinander. Heute herrscht ein völlig neues Zusammenspiel. Nach der erfolgreichen Umstrukturierung zu Montafon Tourismus, die notwendig wurde, weil man bei 250 verschiedenen Tourismusmarken im Alpenraum mit einer Ortsmarke nicht überleben könne, spricht man mit einer Stimme nach innen und außen. „Es war ein hartes Stück Arbeit, aber jetzt ziehen alle Gesellschafter und Tourismusakteure an einem Strang“, zieht Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, Bilanz. „Wir können wieder sensationell zusammenarbeiten“, sagt auch Hannes Jochum, Geschäftsführer von Illwerke Tourismus und Vize-Aufsichtsratsvorsitzender von Montafon Tourismus.

Ab sofort will man sich als stärkste Tourismusregion Vorarlbergs und als Ganzjahres- und Sportdestination positionieren. Mit dabei bei Montafon Tourismus sind die acht Tourismusgemeinden, vier Bergbahngesellschaften sowie der Stand Montafon. Beschäftigt werden 34 Mitarbeiter, elf Vollzeitkräfte weniger als vor der Fusion. Dadurch habe man 350.000 Euro an Mitteln mehr zur Verfügung, die für die Marktbearbeitung verwendet werden.

Zielgruppe von Montafon Tourismus sind die „etablierten Postmateriellen“, Gäste mit einer hohen Kaufkraft und speziellen Interessen. Die letzten Monate hat man unter anderem an der Schärfung der Ortsprofile gearbeitet, wie Martin Netzer, Aufsichtsratschef und Gaschurner Bürgermeister, erklärt. So steht seine Gemeinde etwa für Silvretta, Energie und Dorfleben. Zudem gibt es ein neues Investorenmarketing, das finanzkräftige Partner im In- und Ausland sucht. Auch weil man längst erkannt hat, dass es dringend neue Betten im Tal braucht. Ein erster Erfolg der Bemühungen sei das 20-Millionen-Euro-Projekt Chalet-Resort-Montafon in St. Gallenkirch.

Bevölkerung einschwören

Nun gilt es, alle darauf einzuschwören. Nicht nur die Touristiker, sondern vor allem die Bevölkerung. Man könne nicht über deren Köpfe hinweg Entscheidungen treffen, sagt Bitschnau. Ein Problem ist die abnehmende Tourismusgesinnung. Viele Montafoner arbeiten außerhalb, die Arbeitsplätze im Tal zu behalten, sei deshalb ein Eckpfeiler. Der Gast soll sich nicht in einer gekünstelten Welt wiederfinden, sondern sich ins normale Leben der Bevölkerung integriert fühlen. Nur im Zusammenspiel, also auch gemeinsam mit Landwirtschaft, Handwerk, Vereinen und Handel, könne man zur Vorzeigedestination werden, sind sich die Verantwortlichen sicher.

Stärker im Fokus sind für Montafon Tourismus dabei die privaten und gewerblichen Gastgeber im Tal. Denn gerade bei den Privatvermietern sei ein Bettenschwund bemerkbar.

Die Privatquartiere stehen aber für 70 Prozent der Betten im Montafon und sind für 50 Prozent der Nächtigungen verantwortlich. Bis in zehn Jahren, so schätzt Bitschnau, seien bis zu einem Drittel davon jedoch nicht mehr auf dem Markt. Man müsse also mehr Gastgeber gewinnen und die bestehenden halten. Unter anderem gibt es nun ein Gastgebercoaching, bei dem versucht wird, die Gastgeber marktfit zu machen oder zu erhalten.

Auch an die Politik gibt es einen Appell. Der Tourismus ist zwar nach der Industrie der zweitstärkste Wirtschaftszweig im Land, aber dennoch unterrepräsentiert. Auch die Bürokratisierung ist ein großes Problem. „Wenn ein Hotel im Tal seine Sterne abgeben muss, weil es keinen Lift hat, geht das eindeutig zu weit“, hofft Bitschnau auf einen höheren Stellenwert für die Branche.