Mit Kranen hoch hinaus

14.10.2015 • 17:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mag. Günter Bischof: Seit 2004 erfolgreicher Geschäftsführer der Weltfirma Künz .  Fotos:tm-hechenberger
Mag. Günter Bischof: Seit 2004 erfolgreicher Geschäftsführer der Weltfirma Künz . Fotos:tm-hechenberger

Die Hightechkrane aus dem Hause Künz bewegen täglich Hunderttausende Tonnen.

Hard. (tmh) In einem der größten Häfen der Welt, dem größten Europas, in Rotterdam, oder in Hamburg, wo jährlich 140 Millionen Tonnen Güter be- und entladen werden sind sie allgegenwärtig: Die Containerkrane der Firma Künz, die Lasten von bis zu 40 Tonnen aufnehmen, in Rekordgeschwindigkeit transportieren und zentimetergenau wieder absetzen können.

Ihre anspruchsvollsten Bestandteile werden in Hard gefertigt: Bis ins Detail geplant von hochqualifizierten Technikern und umgesetzt von Facharbeitern, welche hier diese Wunderwerke der Technik fertigen. Die erlaubten Toleranzen liegen in Bruchteilen von Millimetern.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von Künz im Jahr 1932. Hans Künz gründete damals seine Schlosserei, die sich rasch zu einem bedeutenden Anlagen- und Maschinenbauunternehmen entwickelte. Schon früh hatte der geniale Schlosser und Konstrukteur den Bedarf und das Potenzial von Hochbaukranen erkannt.

Rasanter Aufstieg

Heute beschäftigt das Unternehmen 400 Mitarbeiter in der nach wie vor in Hard situierten Zentrale, sowie an drei weiteren Standorten in der Steiermark, der Slowakei und in den USA.

Im Kranbau hat man sich seit Mitte der 70er-Jahre mit Containerkranen beschäftigt: Beim damaligen Neubau des Güterbahnhofs in Wolfurt realisierte man die erste Anlage dieser Art in Österreich.

„Die Krane von damals haben mit den aktuellen High-techmodellen nicht mehr viel gemeinsam“, berichtet Mag. Günter Bischof. Der 49-jährige studierte Betriebswirt aus Bregenz ist seit 1999 bei Künz, seit 2004 leitet er die Weltfirma als Geschäftsführer.

Der technische Fortschritt ist enorm, und nicht zuletzt sind es die Techniker aus Hard, die den Markt mit immer neuen Innovationen verblüffen und gleichzeitig die Konkurrenz unter Druck setzen.

Patentierte Verfahren, wie zum Beispiel ein Kranfahrwerk, das den Verschleiß von Laufrädern verringert, oder ein Containerhubwerk, das die mechanische Belastung der Zugseile minimiert, bringen jene Wettbewerbsvorteile, mit denen man trotz vergleichbar hoher Personalkosten bei internationalen Ausschreibungen immer wieder entscheidende Pluspunkte sammelt. Bei schienengebundenen Intermodalkranen hat Künz damit in Europa und Nordamerika die Marktführerschaft erreicht, bei vollautomatischen Elektrolysekranen ist man Weltmarktführer.

Die Spitzenposition will man auch in Zukunft halten und weiter ausbauen. „Die Auftragsbücher sind gut gefüllt“, freuen sich Günter Bischof und Technik-Geschäftsführer Ing. Georg Schuch.

Die Schweißarbeiten an den Künz-Stahlmonstern erfordern höchste Präzision
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Technikerkarriere bei Künz: Frauen und Männer sind gefragt.
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Künz-Weltzentrale in Hard.
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Dr. Helmut Steurer
Dr. Helmut Steurer

Drei Fragen – Drei Antworten. WKV-Direktor Dr. Helmut Steurer

Welche Faktoren machen Deutschland als Exportmarkt so attraktiv?

Steurer: Unsere deutschen Nachbarn erleben derzeit ein außergewöhnliches Wirtschaftswachstum. Im vergangenen Jahr stieg das Bruttosozialprodukt zwischen Lindau und Kiel mit durchschnittlich 1,6 Prozent vier Mal so stark wie jenes in Österreich. In der Folge führen Reallohnwachstum und Nullzinsen zu einem starken Konsum.

Dazu kommt ein Innovationsschub. Wie innovativ zeigt sich die BRD?

Steurer: Bei den Patent­anmeldungen sind sie die Nummer eins in Europa. Dazu kommt ein unglaublicher Boom bei den Start-ups. Alle 20 Stunden entsteht etwa in Berlin aufgrund verhältnismäßig günstiger Voraussetzungen ein neues Unternehmen. Auch im Bereich Industrie 4.0 gilt Deutschland europaweit als Vorreiter.

Hat Deutschland, obwohl schon wichtigster Handelspartner, noch Poten­zial?

Steurer: Natürlich liegt unser Fokus in erster Linie auf Süddeutschland. Im Norden und Osten, wohin gerade einmal 17 Prozent der österreichischen Direktexporte gehen, liegt aber noch beträchtliches Potenzial, zumal unsere Unternehmen aufgrund ihrer Zuverlässigkeit und Kompetenz ein hervorragendes Ansehen genießen.