Wirtschaftsbarometer mehr wolkig als heiter

14.10.2015 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Stimmung im Land im dritten Quartal eingetrübt, Angst vor Arbeitslosigkeit. Konsumiert wird trotzdem.

Linz, Schwarzach. (VN-reh) Die Zinsen sind so gut wie nicht mehr vorhanden, das konjunkturelle Klima ist trübe. Dafür erlebt der private Konsum eine – wenn auch nur vorsichtige – Wiederbelebung. Denn das private Konsumklima in Österreich zeigt im dritten Quartal 2015 eher positive als negative Tendenzen. Die Bevölkerung legt also eine recht ausgeprägte Konsumlust an den Tag. Das zeigt das aktuelle Wirtschaftsbarometer, das von Spectra-Marktforschung exklusiv für die Vorarlberger Nachrichten und die anderen Bundesländerzeitungen erhoben wurde.

Der Anteil der Österreicher, die beim Geldausgeben zurückhaltend agieren, ging im dritten Quartal zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil der Konsumfreudigen. Genauso zeigt sich der Trend auch in Vorarlberg. Zudem sagen zwei Drittel, dass sie sich gleich viel leisten können wie im Vorquartal, 14 Prozent sogar noch mehr.

Somit ist das private Konsumverhalten nicht vom Einbruch bei der allgemeinen Wirtschaftsstimmung betroffen. Denn hier ist der Anteil der Pessimisten in Österreich in Relation zum Vorquartal von 35 auf 40 Prozent gestiegen, auf den höchsten Wert seit der Krise 2009. In Vorarlberg ist der Anteil der Pessimisten mit 47 Prozent sogar noch größer. Nur vier Prozent glauben, dass es aufwärts geht.

Einbruch im September

Wobei die Stimmung im Juli und August noch gut war und erst im September eingebrochen ist. „Mit dem Anschwellen des Flüchtlingsstroms und der dabei sichtbar gewordenen Hilf- und Ratlosigkeit von regionaler, nationaler und internationaler Politik ist ein Pessimismusschub ausgelöst worden, der in dieser Intensität nur selten zu beobachten ist“, ist Spectra-Chef Peter Brückmüller überzeugt. Dass trotzdem gekauft und konsumiert wird, sei dabei wohl dem Umstand geschuldet, dass das Flüchtlingsthema und seine Probleme bisher nur vereinzelt und punktuell auf die privaten Umstände des Einzelnen durchgegriffen hätten.

Ausblick mit Sorge

Parallel dazu verleitet auch der Ausblick auf die nächsten zwölf Monate nicht zu Optimismus. 28 Prozent der Vorarlberger und 41 Prozent der Österreicher, jeweils um sechs Prozent mehr als noch im zweiten Quartal, blicken mit Sorge auf die nächsten Monate. Grund dafür bietet vor allem der Arbeitsmarkt. Zwei Drittel der Vorarlberger gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten zwölf Monaten weiter zunehmen wird. Nur zwei Prozent rechnen mit einem Rückgang.

Beliebteste Unternehmer

Teil der Spectra-Umfrage sind auch die Imagewerte der österreichischen Unternehmer. Dabei bleibt Red-Bull-Chef Didi Mateschitz der beliebteste Unternehmer der Republik. 54 Prozent der Österreicher und sogar 78 Prozent der Vorarlberger haben von ihm eine gute Meinung. Dahinter folgen Hannes Androsch und Christoph Leitl. Vorarlbergs beliebtester Unternehmer ist auch weiterhin Michael Doppelmayr. 61 Prozent der Vorarlberger haben eine gute Meinung vom Wolfurter Seilbahnbauer. Dahinter folgen Beschläge-Spezialist Gerhard Blum und Alpla-Chef Günther Lehner.

Es wurde ein Pessimismusschub ausgelöst, der in dieser Intensität nur selten zu beobachten ist.

Peter Bruckmüller