24 Stunden unter Strom

28.10.2015 • 21:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Metaller einigen sich auf 1,5 Prozent mehr Lohn, Freizeitoption und Flexibilisierung.

Wien. (VN-reh) 24 Stunden wurde durchverhandelt – ein neuer Rekord in der Geschichte der traditionellen Herbstlohnrunde der Metaller. Nur vor zehn Jahren hatte es mit 23 Stunden schon einmal einen ähnlich langen Sitzungsmarathon gegeben. Mit dem Ergebnis für die 120.000 Beschäftigten der Maschinen- und Metallwarenindustrie, nämlich 1,5 Prozent mehr Lohn und der 31. Dezember zur Gänze arbeitsfrei, zeigen sich am Ende Gewerkschaft und Arbeitgeber mehr oder weniger zufrieden. „Es hat sich ausgezahlt“, sagt Gewerkschaftsverhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge). „Es waren harte Verhandlungen“, ergänzt Rudolf Wagner (Gpa-djp). Für die Arbeitgeberseite ist es trotz der schwierigen Marktlage ein vertretbares Ergebnis.

Vorarlbergs Gewerkschaftschef Norbert Loacker war die 24 Stunden in Wien dabei. Der Verhandlungsmarathon sei heavy gewesen, auch weil beide Seiten unter Strom standen, ein Ergebnis zuwege zu bringen. Das Lohnplus ist für ihn vertretbar, auch wenn die Erwartungen grundsätzlich höher waren.

Freizeitoption kommt

Richtig glücklich und zufrieden ist er darüber, dass die von ihm mit aller Vehemenz geforderte Freizeitoption, also mehr Freizeit anstelle der KV-Erhöhung, erfolgreich verhandelt wurde. Seit Mai trommelte er für deren Einführung, investierte viel Zeit und Herzblut und drohte zuletzt sogar damit, den Verhandlungstisch zu verlassen, wenn sie nicht kommt. Das musste er nicht. Die Freizeitoption ist für ihn jedenfalls ein Schritt in die Zukunft. Das hätten am Ende auch die Spitzengewerkschafter in Wien mitbekommen, zeigt er sich im VN-Gespräch froh.

Ebenfalls umgesetzt wird ein neues dreistufiges Arbeitszeitmodell mit einem Zeitkonto mit maximal 167 Stunden. Dort können Minus- und Überstunden für ein Jahr angesammelt werden. Für die Gewerkschaft ist es „sehr innovativ“, für die Arbeitgeber „ganz gut“. Sie hatten in den vergangenen Jahren vehement auf eine Flexibilisierung der Arbeitszeit gedrängt. Mit dem neuen Arbeitszeitmodell könnten die Unternehmen Spitzen- oder Unterauslastung besser abdecken und Schwankungen besser ausgleichen. Für Loacker ist das Modell ein Kompromiss, mit dem man leben könne. Auch wenn er davon überzeugt ist, dass die Umsetzung in die Praxis wohl zur Herausforderung für die Personalbüros wird.

Keine sechste Urlaubswoche

Nicht einigen konnten sich die Verhandlungspartner indes auf eine sechste Urlaubswoche für alle Beschäftigten nach 25 Jahren. Loacker ist froh, dass diese „peanuts“, wie er sagt, vom Tisch sind. Damit habe man Dinge, die einfach unrealistisch sind, begraben.

Das Fazit: Es gab im Vorfeld viele Tabus. Geworden ist es letztlich ein Kompromiss, mit dem beide Seiten gut leben können. Oder wie es Gewerkschafter Rudolf Wagner kürzlich im VN-Gespräch erklärte: „Es geht ja nicht ums Gewinnen oder Verlieren.“

Die Freizeit­option ist für mich ein Schritt in die Zukunft.

Norbert Loacker