Urbaner Lebensraum mitten im Dorf

Markt / 30.10.2015 • 20:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mitten in Götzis ist der Garnmarkt eine urbane Einkaufsstraße, auf der auch regelmäßig Marktstände zu finden sind.  Foto: VN/Stiplovsek
Mitten in Götzis ist der Garnmarkt eine urbane Einkaufsstraße, auf der auch regelmäßig Marktstände zu finden sind. Foto: VN/Stiplovsek

Der Garnmarkt ist ein Musterbeispiel gelungener innerdörflicher Gestaltung mit urbanem Touch.

Götzis. (cro) Die Tiefgarage ist derzeit noch der Gradmesser für die Frequenz. Meistens ist sie ziemlich voll. Ein gutes Zeichen, dass der Garnmarkt angenommen wird. Um das Ganze auch in Zahlen fassen zu können, will Joe Welte, Prokurist und Standortmanager der Prisma Unternehmensgruppe, die tatsächliche Frequenz erheben lassen. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis? „Die Mischung macht es aus“, ist Prisma-Vorstand und Unternehmensgründer Bernhard Ölz überzeugt. Im Vordergrund stehen zwar die drei Grundbedürfnisse Einkaufen, Arbeiten und Wohnen. Zu den Geschäften, Büros und Ordinationen gibt es jedoch ein gastronomisches und kulturelles Angebot sowie Bildungseinrichtungen, eine Bibliothek und so weiter. Die Flanierzone ist einladend gestaltet, Bänke laden zum konsumfreien Verweilen ein, im letzten Winter amüsierte sich der Nachwuchs auf der temporären Eislauffläche. Das Gemeindeentwicklungsprojekt „Am Garnmarkt“ ist österreichweit gesehen ein Musterbeispiel gelungener innerdörflicher Gestaltung mit urbanem Touch.

450 Arbeitsplätze

Etwa 40.000 Quadratmeter betrug die Fläche des ehemaligen Traditionsunternehmens Huber Trikot mitten im Zentrum von Götzis. Vor mehr als zehn Jahren führte Ölz erste Gespräche, um eine adäquate Nachnutzung des Areals zu finden. Seine Vision, einen urbanen Lebensraum mitten im Dorf zu schaffen, ließ aufhorchen. Heute befinden sich darauf 23 Gebäude, die ein attraktives Zusammenspiel an Nutzungsmöglichkeiten bieten. „Zum einen haben sowohl Handelsketten wie Fussl Modestraße oder Müller, aber auch gutsortierte Fachgeschäfte und regionale Anbieter wie Berchtold Sport & Fashion oder der Bio-Laden hier Platz gefunden“, so der Prisma-Geschäftsführer.

Vor Kurzem kam noch ein Baby-Ausstatter dazu und außerdem wird demnächst ein Themencafé eröffnen. 450 Menschen haben hier einen Arbeitsplatz gefunden. Auch die rund 180 Miet- und Eigentumswohnungen inklusive betreutem Wohnen stießen auf großes Interesse. Die Idee, ein attraktives Zusammenspiel der Nutzungen zu schaffen, ging voll auf und hat sich bewährt.

Am Ball bleiben

Zu Ende ist die Sache damit aber nicht. „Veränderungen passieren heute schnell“, sagt der Prisma-Gründer, „da muss selbst ein Projekt, das über so einen langen Zeitraum entsteht, immer wieder neu erfunden werden.“ Das galt für die Bauphasen, gilt aber auch jetzt für das Standortmanagement. „Das heißt für uns dranbleiben“, betont Standortmanager Joe Welte. Denn Einkaufen ist heute mehr als nur Waren in die Tasche zu packen. Shopping ist Erlebnis, und dazu zählen beispielsweise die Events, die am Garnmarkt etwa zwei Mal im Monat fix eingeplant sind. Wie etwa der Schnäppchen-Markt, Modenächte, Konzerte oder im Advent der Besuch des Coca-Cola-Trucks.

Das Areal hat sich mittlerweile in Vorarlberg als Marke etabliert. Wer hier aktiv ist, ist kein Einzelkämpfer, sondern die Summe vieler Teile, deren Stärke darin besteht, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Das Symbol der Einheit zeigt sich bereits in der Architektur, die auf geschickte Weise Gewesenes und Neues derart verschmelzen lässt, dass eine Zuordnung nicht mehr möglich ist. Dort wo sich nun der Eurospar befindet, produzierten einst die Mitarbeiter der Firma Huber Trikot bis zu zwanzig Tonnen Stoff täglich. Oder die alte Villa im Jugendstil, die seit einem Jahr das Einrichtungshaus „Ediths“ beherbergt. Der Garnmarkt – ein städtebauliches Chamäleon, dessen sichtbare Atmosphäre in einer ausgeklügelten Strategie des Sich-unsichtbar-Machens steckt. Und der sich fast unbemerkt weiter öffnet. So sollen im Norden auf 3000 bis 4000 Quadratmetern neue Handels- und Büroflächen entstehen. Keine Sorge: Auch die Tiefgarage hat Erweiterungspotenzial.