Lehrlinge fühlen sich nicht richtig anerkannt

Markt / 09.11.2015 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lehrlinge sind mit der Wahl des Ausbildungsweges sehr zufrieden, nicht aber mit ihrem gefühlten Image. Symbolfoto: VN/Hofmeister
Lehrlinge sind mit der Wahl des Ausbildungsweges sehr zufrieden, nicht aber mit ihrem gefühlten Image. Symbolfoto: VN/Hofmeister

Lehre hat Akzeptanzproblem. Das ist das Ergebnis der ersten Lehrlingsstudie.

Schwarzach, Wien. (VN-sca) Im Detail mögen die Ergebnisse etwas abweichen, im Großen und Ganzen sind sie aber für Vorarlberg ebenso repräsentativ wie für ganz Österreich. Lehrlinge fühlen sich nämlich gegenüber Schülern und erst recht Akademikern als „Jugendliche zweiter Klasse“. Das ist das signifikanteste Ergebnis der ersten österreichischen Lehrlingsstudie, die Bernhard Heinzelmaier vom Institut für Jugendkulturforschung nun veröffentlicht hat. Über 300 Jugendliche aus allen Branchen und Bundesländern wurden für die Untersuchung befragt.

Gefragt wurden die angehenden Fachkräfte, wie sie sich innert der Statushierarchie sehen bzw. wie sie in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden glauben. Wissen wollte Studienleiter Heinzelmaier auch, wie sie mit ihrem Lehrbetrieb zufrieden sind und ob sie sich wieder für die duale Ausbildung entscheiden würden. Sie würden. Aber das Ergebnis im Statusbereich erklärt, warum die Lehre gegenüber anderen Ausbildungsformen an Attraktivität verliert.

„Für die Jugendlichen gibt es triftige Gründe, sich gegen die Lehre zu entscheiden“, sagt Heinzelmaier im Gespräch mit den VN. Diese Gründe sind in der Politik im engeren und in der Gesellschaft im weiteren Sinn zu finden. Die Lehrlinge nehmen den Politikern nämlich ihre Sonntagsreden nicht ab, sie fühlen sich von ihnen im Stich gelassen. 60 Prozent der befragten Jugendlichen sind der Meinung, dass sich die Politiker vor allem um Maturanten und Akademiker, nicht aber um Facharbeiter und Lehrlinge kümmern.

Gleichberechtigt

Christoph Jenny, Lehrlingsbeauftragter der Wirtschaftskammer Vorarlberg, glaubt, dass in Vorarlberg die Uhren etwas anders ticken und die Aussagen der Politiker glaubwürdiger wahrgenommen werden, aber grundsätzlich plädiert auch er dafür, dass man den Lehrlingen und der Lehre als Ausbildungsform einen gleichberechtigten Platz mit anderen Qualifizierungsmaßnahmen einräumen muss. „Es nützt nichts, wenn Akademiker arbeitslos sind, weil es ein Überangebot gibt, und Arbeitsplätze in der Sachgüterproduktion nicht besetzt werden können, weil es zu wenige ausgebildete Fachkräfte gibt. Der Fokus auf die Akademisierung sei sinnlos und auch nicht zukunftsorientiert, unterstreicht der Studienautor die Aussage Jennys. So lange aber ein Akademiker ohne Job höheres Ansehen als ein Facharbeiter genieße, werden Eltern alles tun, um ihr Kind Richtung Matura zu drängen.

Das Anerkennungsdefizit stört die Jugendlichen massiv und hält viele von der Lehre ab. Jene, die aber eine Lehre begonnen haben, stellen ihren Ausbildungsbetrieben ein sehr gutes Zeugnis aus. Fast alle würden sich wieder für eine Lehre entscheiden, 86 Prozent sind mit ihrem Arbeitgeber und ihrem Ausbildungsplatz zufrieden. 90 Prozent loben ihre Ausbilder sogar. Ein Ergebnis, das Jenny freut. Er verspricht: „Wir werden weiterhin daran arbeiten, die Ausbildung auf höchstem Niveau zu etablieren, und alles tun, damit das Image passt.“