Standortdiskussion wegen Bank-Austria-Kahlschlag

Markt / 12.11.2015 • 22:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Norbert Loacker fordert bessere Rahmenbedingungen. Hofmeister
Norbert Loacker fordert bessere Rahmenbedingungen. Hofmeister

Bei Kündigungen muss Bank Austria Geld in die Hand nehmen, sagt die Gewerkschaft.

Schwarzach. (VN-sca) Seit Mittwoch ist es fix: Rund 800 Mitarbeiter der Bank Austria verlieren ihren Job sicher, Tausende weitere Jobs sind bedroht, sollte das Privatkundengeschäft eingestellt werden. Auch die Zukunft der über 100 Mitarbeiter (die Angaben von Firmenleitung und Gewerkschaft divergieren) in Vorarlberg ist ungewiss. Wie viele tatsächlich gefährdet sind, ist ungewiss, denn immerhin ist die Bank Austria Platzhirsch in der Unternehmensfinanzierung im Land und ein Geschäft, das auch weiterhin für Gewinn sorgen soll.

Dass erst im Dezember bekannt gegeben werden soll, wie es in der Bank weitergeht, ist für Gewerkschafter Bernhard Heinzle nicht tragbar. Man könne die Menschen nicht so lange auf die Folter spannen, es gehe um Existenzen. Auf jeden Fall fordert der Gewerkschafter eine Stiftung, denn es sei absehbar, dass die bisherigen Bankangestellten in der Branche keine Arbeit mehr finden. Das Privatkundengeschäft ist bei allen Instituten im Keller, Insider befürchten, dass die Unicredit-Ankündigung nur der Auftakt für die anderen Banken ist, ihre Struktur zu bereinigen. Sprich: Mitarbeiter zu kündigen.

Stellung genommen haben am Donnerstag auch Gewerkschaftsvorsitzender Norbert Loacker und Industriellenvereinigungspräsident Martin Ohneberg. Die aktuellen Diskussionen im Bankensektor kommen für Ohneberg und Loacker nicht überraschend, diese Entwicklung habe sich schon lange abgezeichnet. „Zuerst plagen wir Banken mit abstrus wettbewerbsverzerrenden Bankenabgaben, die zehn Mal höher als in Deutschland sind, und dann schreien wir auf, wenn die Unternehmen Personalabbauprogramme betreiben müssen, damit sie weiterhin konkurrenzfähig bleiben. Kein Unternehmen entlässt gerne Mitarbeiter, aber wenn es die Rahmenbedingungen nicht mehr zulassen, muss gehandelt werden“, so Ohneberg.

Loacker fordert von den Gewerkschaften Mäßigung und stellt Forderungen, wie eine 35-Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich, in Frage. „Wichtiger etwa im Bankenbereich wäre mir eine Finanztransaktionssteuer auf europäischer Ebene.“ Gemeinsam fordern die Spitzen der freiwilligen Interessenvertretungen auch auf Landesebene Taten:  „Eine entscheidende Zukunftsfrage für den Standort Vorarlberg ist die Weiterentwicklung starker Regionalbanken.“