Gar nichts dem Zufall überlassen

16.11.2015 • 17:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
18 Bildschirme wecken beim Einkaufen Emotionen.
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Jürgen Albrecht ließ sich von Mom in Budapest oder Gum in Moskau inspirieren.

Feldkirch. (cro) Die Analyse der Bedürfnisse basiert auf der langjährigen Erfahrung, die die Familie Albrecht hat. Jürgen Albrecht wurde ins Geschäftsleben hineingeboren und ist im wahrsten Sinne des Wortes ins Kaufmannsein hineingewachsen, ja praktisch sogar mitgewachsen. „Für mich kam nie etwas anderes in Frage, als in die Fußstapfen meiner Eltern zu treten“, sagt der 44-Jährige, der inzwischen selbst Vater von zwei Kindern ist. Dass er sich nach all den Jahren zutraute, die Planung und Konzeption seines neuen Marktes selbst in die Hand zu nehmen, schien naheliegend. Das Ergebnis, das am Standort Feldkirch-Tisis entstehen sollte, hatte er schon längst vor Augen. „Ich wollte einen Markt entwickeln, der sich von den anderen Läden in Vorarlberg abhebt“, sagte er und zeigt auf ein Bild, das seine Uroma Isabella Müller und das Team im Jahr 1980 zeigt. Daneben zieren weitere „Schätze“ die Wand. Ein 42 Jahre altes Flugblatt hinter Glas, eine Fotografie aus den 50er-Jahren, leicht vergilbt und dennoch, was das Wachstum betrifft, sehr aussagekräftig, und natürlich Bilder von heuer, die die Baustelle zeigen. Wie damals mit 15 Jahren, wusste der 44-Jährige auch jetzt genau, was er wollte. Inspiration sammelte er nicht nur bei erfolgreichen Marktleitern in Österreich, er reiste nach Budapest, um den Mom-Park zu besuchen, er flog nach Moskau und besichtigte das traditionsreiche Gum, und er fuhr nach Zürich ins Luxuskaufhaus Globus.

Individualität bei Umsetzung

Alle Eindrücke fasste er gemeinsam mit den Architekten Markus Mitiska von Mitiska-Wäger in Bludenz zusammen und mixte sie mit eigenen Ideen zum neuen Spar Albrecht Markt zusammen. Dabei legte er großen Wert auf Wohlfühlatmosphäre. Bewusst wählte er dabei die Farben Schwarz und Weiß, um den eigentlichen, sehr bunten Produkten – also den Lebensmitteln – nicht die Show zu stehlen. Trotz Spar im Hintergrund setzte er beim Ladenbau in erster Linie auf Individualität. „In der Offenheit, vom Eingang bis ganz hinten zur Warenanlieferung, kann der Kunde alles überblicken“, zeigt er, „hier sind die Regale ganz bewusst nur 1,20 Meter hoch.“ Nichts Beengendes mehr, sondern Offenheit und Großzügigkeit ist die Botschaft.

48 Arbeitsplätze

Gleich am Eingang befindet sich auch das Bistro, das im Sommer auf sogenannten Sunset-Stufen auch eine
Relaxzone im Freien bietet. Mit Wlan versteht sich. An der angrenzenden Feinkosttheke, in der zur Kühlung der Getränke mit Crashed-Ice gearbeitet wird, sowie an der Brot- und Fleischtheke wird Beratung durch die Mitarbeiter großgeschrieben. 48 Mitarbeiter, vor allem Frauen, haben seit der Neueröffnung einen Arbeitsplatz gefunden. Doppelt so viele wie vorher.

3,5 Millionen investiert

Jürgen Albrecht hat für den gesamten Umbau 3,5 Millionen Euro investiert. Mit gutem Gewissen, denn der Kaufmann will seinen beiden Kindern Nadine und Stefan nicht nur die Tradition erhalten, sondern etwas weitergeben, das ihnen Zukunft bietet. Ganz so, wie es bei ihm selbst war. „Es ist schließlich nicht selbstverständlich, so ein tolles Unternehmen übernehmen zu können“, sagt er und drückt damit auch die Wertschätzung gegenüber seinen Eltern aus. „Ich weiß das zu schätzen und meine Kinder wissen es auch.“

Spar Albrecht in Tisis

» 1928 Die Urgroßmutter des derzeitigen Geschäftsführers Jürgen Albrecht, Isabella Müller, beginnt mit einem kleinen „Krämer-Laden”.

» 1954 Rudolf Müller, Großvater von Jürgen Albrecht, eröffnet einen der ersten Selbstbedienungsmärkte Vorarlbergs in Feldkirch.

» 1984 Martin Albrecht, Vater von Jürgen Albrecht, übernimmt das Geschäft.

» 1990 Jürgen Albrecht tritt in den elterlichen Betrieb ein.

» 1995 Ein 312 m2 großer SPAR-Einkaufsmarkt wird mit acht Mitarbeitern eröffnet.

» 2006 Das benachbarte Grundstück kann erworben werden. Der Architekt Markus Mitiska vom Architekturbüro Mitiska-Wäger wird mit der Planung des neuen Einkaufsmarktes beauftragt.