Geplantes 11er-Hochregallager ist Gemeinde Nenzing zu hoch

Markt / 17.11.2015 • 22:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Produktionsstandort von 11er Nahrungsmittel fehlen Lagerkapazitäten. Foto: VN/Hofmeister
Am Produktionsstandort von 11er Nahrungsmittel fehlen Lagerkapazitäten. Foto: VN/Hofmeister

11er Nahrungsmittel will am Firmenstandort expandieren. Gemeinde bremst.

Nenzing. (VN-sca) Rund 80.000 Tonnen Rohkartoffeln verarbeitet der Hersteller von Tiefkühlkartoffelspezialitäten 11er Nahrungsmittel GmbH in Nenzing-Heimat jährlich. 250 Mitarbeiter werden am Standort beschäftigt, rund 70 Millionen Euro wurden 2014 mit den Premium-Produkten vor allem am äußerst preissensiblen deutschen Markt umgesetzt.

Fünf Meter, sechs Millionen

Dieser Hauptmarkt zwingt die Produzenten dazu, jeden Cent zwei Mal umzudrehen, bevor er ausgegeben wird. 11er gibt derzeit viel Geld für die Lagerung der Pommes und Rösti, Kroketten und Kartoffeltaschen aus, weil sie in angemieteten Tiefkühllagern deponiert sind. Deshalb soll ein Hochregallager am Standort den Hersteller unabhängig machen. Die Crux: Das Gebäude soll 35 Meter hoch werden, 15 Meter höher als die Walgau-Gemeinde zu bauen erlaubt. „Wir brauchen diese Höhe aber“, versichert 11er-Geschäftsführer Thomas Schwarz (44) im Gespräch mit den VN. Wäre das Gebäude nur fünf Meter niedriger, rechnet er vor, koste das das Unternehmen über einen Zeitraum von zwanzig Jahren sechs Millionen Euro. „Dann müssen wir nämlich erst wieder externen Lagerraum anmieten.“ Zwölf Millionen Euro sind für den Bau veranschlagt. Gebaut würde, sollte die Genehmigung eintreffen, ab 2017.

Die Gemeinde Nenzing indes will die Höhe von Gebäuden bei 20 Meter deckeln, sagt Bürgermeister Florian Florian Kasseroler (53), allerdings sei man in intensiven Gesprächen mit dem Bauwerber. Grundsätzlich stellt sich der Bürgermeister vor, dass sich das neue Gebäude an der Höhe der bestehenden Bauten orientiert. So sei es auch im Bebauungsplan für das Gewerbegebiet zwischen der Galina und 11er vorgesehen. Es habe bereits zwei Präsentationen von 11er in der Gemeindevertretung der Walgaugemeinde gegeben und er könne sich persönlich vorstellen, dass man schlussendlich einen Kompromiss finde: „Aber die Entscheidung liegt letztendlich bei jedem Gemeindevertreter.“

Technische Gründe

Für die fährt Schwarz ein ganzes Arsenal an Argumenten auf, die für das Lager sprechen. Man habe bereits eine Sichtbarkeitsstudie machen lassen, die zeige, dass man das Lager kaum wahrnehme, da es hinter den jetzigen Firmengebäuden und in keinerlei Nachbarschaft zu Wohnhäusern stehe, ganz im Gegensatz zum Lager von Rondo Ganahl auf der anderen Seite der Bundesstraße, das mitten im Wohngebiet errichtet werde. Allerdings in Frastanz und nicht in Nenzing. Auch wenn 11er wollte, aus technischen Gründen könne man nicht in die Tiefe gehen, weil ein Tiefkühlhochregallager vom Boden her beheizt werden muss, da es sonst unter dem Gebäude zur Eisbildung kommt. Ein weiteres Argument: Der Pommes-Fabrikant muss kein Geld in den Grundstückskauf stecken, weil das Gebäude auf dem Firmengelände Platz findet. „Wir können uns keine Alternative in Vorarlberg leisten, die Grundststückspreise sind im Land einfach zu hoch“, stellt Schwarz klar. Zum Plan B, den es sehr wohl gibt, wollte Schwarz allerdings noch nicht dezidiert Auskunft geben, da er durchaus Chancen für eine Einigung sieht.

Wertschöpfung im Land

Gegen eine Ablehnung in der Nenzinger Gemeindevertretung, bei der jetzt der Ball liegt, werde man jedenfalls nicht berufen, so der Geschäftsführer, der allerdings bei den beiden Präsentationen im Rathaus auch Fürsprecher fand. „Wenn es darum geht, dass von der Gemeinde eine besondere Fassadengestaltung gewünscht wird, dann werden wir das natürlich machen.“ Er appelliert an die Politik, auch an die Wertschöpfung im Land zu denken, denn die Bauarbeiten würden von Vorarlberger Firmen umgesetzt.

Die Grundstückspreise in Vorarlberg sind einfach zu hoch.

Thomas Schwarz

Kennzahlen

» Umsatz 2014: 70 Millionen Euro

» Mitarbeiter: 250

» Produkte: Tiefkühlprodukte aus Kartoffeln im Premiumbereich

» Umsatz 2014: 70 Millionen Euro

» Verarbeitungskapazität: rund 80.0000 Tonnen pro Jahr