Ein Drittel verdient nichts

Markt / 02.02.2018 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der stationäre Vorarlberger Einzelhandel punktete im vergangenen Jahr mit Beratung bei den Kunden. Doch der Onlinehandel macht den Kaufleuten weiter Sorgen. 
Der stationäre Vorarlberger Einzelhandel punktete im vergangenen Jahr mit Beratung bei den Kunden. Doch der Onlinehandel macht den Kaufleuten weiter Sorgen. 

Vorarlberger Einzelhandel 2017: Mehr Umsatz, weniger Mitarbeiter.

Dornbirn Vorarlberg ist anders – während im Osten der Republik der Handel darbt, hat sich im Vorarlberger Einzelhandel auch 2017 der Umsatz nominell um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. „Damit liegt die konjunkturelle Entwicklung in Vorarlberg über dem österreichweiten Wachstum von zwei Prozent“, so die Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, Theresia Fröwis. Absolut beträgt der stationäre Einzelhandelsumsatz im Gesamtjahr 2017 in Vorarlberg rund 2,6 Milliarden Euro (netto, exkl. USt.) bzw. rund 3 Milliarden Euro (brutto, inkl. USt.). Dass Vorarlbergs Handel wieder zugelegt hat, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Branche hart gerungen wurde und dass sie vor großen Aufgaben steht, denn die richtigen Antworten auf den zunehmenden Onlinehandel haben auch die Vorarlberger Händler bislang nicht wirklich gefunden.

Geringe Umsatzrendite

In der von der KMU-Forschung Austria durchgeführten Bilanzanalyse ist auch nachzulesen, dass die Umsatzrendite mit 2,6 Prozent weit unter der anderer Branchen liegt. Handelsforscher Ernst Gittenberger: „Umsatzzuwachs heißt nicht gleichzeitig Gewinnzuwachs.“ Zwar erzielen 66 Prozent der Vorarlberger Einzelhändler Gewinne, doch 34 Prozent der Händler im Land machten im vergangenen Jahr Verluste. Besonders zu kämpfen hatten, so Gittenberger, der Elektro- und der Spielwarenhandel. „Aber es kommt auf mehr Faktoren an, etwa die Lage oder das Geschäftsmodell von Firmen“, so Gittenberger. Der Lebensmittelhandel florierte das ganze Jahr, auch Schuh-, Sport- und Lederhandel konnten im letzten Quartal 2017 punkten – wohl deshalb, weil der termingerechte Schneefall für entscheidende Kauf­anreize sorgte.

Die besten Geschäfte hat der Handel übrigens nicht im letzten Quartal 2017 gemacht, wie man wegen des Weihnachtsgeschäfts annehmen könnte, sondern im zweiten Quartal. Ostern fiel günstig, während im dritten Quartal zwei Einkaufstage fehlten, erklärt Handelsforscher Gittenberger die Ergebnisse. Der Handel beschäftigt in Vorarlberg 14.700 Mitarbeiter, 77 Prozent sind Frauen, 28 Prozent haben einen Migrationshintergrund, wie Fröwis betont. Und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet Teilzeit, „für viele Frauen ist das die Möglichkeit zum Wiedereinstieg ins Berufsleben“, weiß die Spartenobfrau. Die Mitarbeiterzahl ist im vergangenen Jahr um 0,1 Prozent zurückgegangen, doch das liege auch daran, dass in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr Mitarbeiter im Vorarlberger Handel eingestellt wurden als im österreichischen Schnitt. Ausgebildet werden derzeit 821 Lehrlinge. „Das wird sich nicht erhöhen“, mutmaßt Fröwis und nennt zwei Gründe dafür: die Bevölkerungsentwicklung und der Bewerb aller Branchen um die besten Lehrlinge.

Ausbildung für E-Commerce

Doch einen Trumpf im Werben um jugendlichen Nachwuchs hat der Vorarlberger Handel in der Hinterhand. Im Herbst startet die neue Lehre  „E-Commerce“. Die Absolventen – Fröwis, hofft mit einer Berufsschulklasse starten zu können – werden mit Fertigkeiten in Verkauf, IT, Logistik und Marketing ausgerüstet und seien, so Handelsgeschäftsführer Michael Tagwerker, im Einzel-, Groß- und Außenhandel einsetzbar. VN-sca

Handel in Zahlen

3,0 Milliarden Euro betrug im vergangenen Jahr der Umsatz des stationären Vorarlberger Einzelhandels.

2,6 Prozent betrug im vergangenen Jahr die Umsatzrendite der Händler im Land (andere Branchen: 6,7 %).

1,7 Prozent betrug die Erhöhung der Preise im Einzelhandel. Die Inflationsrate betrug 2017 2,1 Prozent.