Taten statt nur schöner Worte

12.02.2018 • 18:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

AK sieht bei Kinderbetreuung Politik und Wirtschaft in der Pflicht.

Feldkirch Nächste Runde in der Diskussion um die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Vorarlberg. Das Angebot ist nicht ausreichend, die Öffnungszeiten stimmen nicht mit den Anforderungen berufstätiger Eltern zusammen, sagen die Vertreter der heimischen Industrie. „Die Bilanz in der Kleinkindbetreuung lässt sich zeigen“, sagt Landesrätin Katharina Wiesflecker und plädiert für Kooperationsmodelle von Land, Gemeinden und Betrieben. Während die Industrie also bei der Politik Handlungsbedarf sieht, nimmt die Politik die Betriebe in die Pflicht. Wo die Wahrheit liegt? In den letzten Jahren wurde zwar viel in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert, es gibt allerdings noch viel zu tun, damit Eltern Familie und Beruf wirklich vereinen können. Das zeigt jede Recherche bezüglich Einrichtungen und deren Öffnungszeiten.

Für die Arbeiterkammer müssen jedenfalls beide Seiten – Wirtschaft und Politik – aktiv werden. Präsident Hubert Hämmerle freut sich zumindest darüber, „dass nun endlich klar ist, dass der unzureichende Ausbau der Ganztagesbetreuung in Vorarlberg ein Wachstumshemmnis ist und Familien mit Kindern benachteiligt“. Damit und durch den strukturellen Mangel an attraktiven, familienfreundlichen Erwerbsmöglichkeiten würden dem Land Wohlstand und den Familien entsprechende Einkommensmöglichkeiten entgehen. Hämmerle fordert deshalb: „Den schönen Worten müssen nun Taten folgen.“

Derzeit würden Frauen in Vorarlberg nur 54 Prozent des Arbeitszeitausmaßes von Männern erreichen. Hämmerle ruft die Unternehmen dazu auf, auf familienfreundlichere Arbeitszeiten zu setzen. „Das kostet die Betriebe nicht mehr und bedingt nur ein höheres Maß an jener Flexibilität, wie sie von den Arbeitnehmern eingefordert wird.“ Zudem – und hier kommt die Politik ins Spiel -–sei eine bessere Kinderbetreuung notwendig. Gerade im ländlichen Raum würden auf die Bedürfnisse berufstätiger Eltern abgestimmte Betreuungsangebote fehlen. Eva King, Leiterin der AK-Grundlagenarbeit, kritisiert dabei, dass nicht einmal jeder sechste Kindergarten den Kriterien für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entspreche, also mindestens 45 Stunden bzw. an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden lang offen hat und auf höchstens 25 Schließtage im Jahr kommt.

Gegensteuern

Dem müsse man gegensteuern. Denn die Kinderbetreuung sei der entscheidende Faktor, ob und in welchem Maß Frauen in die Arbeitswelt zurückkehren. „Angesichts des fehlenden Angebots an Fachkräften wäre es möglich, mittels einer Kombination familienfreundlicher Angebote am Arbeitsmarkt und flexiblerer Betreuungseinrichtungen das vorhandene, hochqualifizierte Potenzial an Frauen in existenzsichernde Beschäftigung zu bringen“, so King. VN-reh

„Nach den vielen schönen Worten der letzten Wochen müssen nun Taten folgen.“