Wirtschaftskammerpräsident Mahrer fordert Fortsetzung der Reformpolitik

Markt / 21.05.2019 • 20:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer war mit der bisherigen Wirtschaftspolitik zufrieden und fordert die Fortsetzung des Reformkurses. VN/Hartinger
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer war mit der bisherigen Wirtschaftspolitik zufrieden und fordert die Fortsetzung des Reformkurses. VN/Hartinger

Zu Gast in der VN-Redaktion: Unternehmerchef will Schulterschluss der politischen Kräfte zu Bewältigung der Krise.

Schwarzach An Tagen wie diesen ist es für einen Politiker, und als solchen kann man den ehemaligen Wirtschaftsminister und jetztigen Wirtschaftskammer-Präsidenten Harald Mahrer schon aufgrund seines politischen Lebenslaufs bezeichnen, kein Fehler, wenn man sich nicht im Auge des Sturmsaufhält, wenn man weit weg ist, am besten in einem Bundesland, in dem es Positives zu kommentieren gibt. Und das konnte Mahrer in Vorarlberg: „Zuerst möchte ich Vorarlberg gratulieren als dem Bundesland, das in einem internationalen Bertelsmann Ranking von 283 europäischen Regionen, die am meisten vom EU-Markt profitieren, auf Platz eins steht“ , macht der Kammer-Präsident und ehemalige Wirtschaftsminister Stimmung. „Unabhängig von allen politischen Rahmenbedingungen, gebührt den Vorarlberger Unternehmen und ihren Mitarbeitern großer Dank dafür. Ich bin stolz auf Vorarlberg“.

Stabilität gewährleisten

Erst am Sonntag ist er aus Vietnam zurückgekehrt, wo eine weitere Aussenhandelsstelle eingerichtet wurde. Zurück in ein Land, das nach dem Ibiza-Video ein anderes ist. „Der bisherige Weg war ein guter, ich hoffe, dass der standortfreundliche Weg nach den Wahlen weitergeführt wird“, so Mahrer, der darauf pocht, dass die 500.000 Betriebe und der Mitarbeiter sich das erwarten dürfen. Den schon tobenden Schlammschlachten erteilt er staatstragend eine Absage und verweist darauf, dass er sich darauf auch mit Sozialpartner und ÖGB-Chef Wolfgang Kazian geeinigt habe. Es komme jetzt darauf an, dass alle politischen Kräfte Verantwortung zeigen für Österreich. Die Frage sei: „Wer bekennt sich wirklich zur Republik?“

„Die Gegner sagen, die Kassenreform sei schlecht, weil weniger Posten zu vergeben sind.“

Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich

Er verstehe zwar, dass die Sozialdemokraten nach der letzten Wahl verärgert waren, aber so sei es in der Demokratie: Jetzt müsse man wieder Brücken bauen, damit das Ansehen Österreichs nicht leide, denn das treffe auch die Wirtschaft, sagt er mit Blick auf die Exportwirtschaft und den Tourismus. Es gehe um Berechenbarkeit, Ruhe und Stabilität, die die Kunden und Geschäftspartner in aller Welt mit Österreich verbinden und die gewährleistet werden müsse. „Mit der Zusammenarbeit von Bundeskanzler und und Bundespräsident bin ich sehr zufrieden“, sie lenken, so Mahrers Wahrnehmung das Staatsschiff in der Krise mit ruhiger Hand. An deren Entscheidungen rüttelt der Wirtschaftskammer-Chef nicht: An Neuwahlen führt auch aus seiner Sicht kein Weg vorbei.

Einladung an AK-Präsident

Er hoffe nur, dass Reformvorhaben, die zwar auf den Weg gebracht, aber noch nicht finalisiert wurden, vom Nationalrat doch noch abgesegnet werden. Oder zumindest, dass der Reformweg von Kanzler Kurz eingeschlagen hat nach den Nationalratswahlen weitergegangen werden. Dem Vorwurf, dass diese Reformen vor allem der Wirtschaft genützt haben, wie Arbeitnehmervertreter argumentieren, entspricht er nur zum Teil. Denn er ist überzeugt, dass, was der Wirtschaft nützt, auch den Mitarbeitern nützt. Und richtet in diesem Zusammenhang eine Einladung an seinen Parteifreund und Sozialpartner AK-Präsident Hubert Hämmerle: „Ich lade Präsident Hämmerle zu einer Factfinding Mission nach Asien ein, damit er sich ein Bild davon machen kann, wohin und wie sich die Wirtschaft entwickelt.“ Überhaupt: Laut Mahrer nützen die unvollendet gebliebene Steuerreform und Familienbonus den Arbeitnehmern. Auch zur Krankenkassenreform hat er eine klare Meinung: „Die Gegner behaupten, die Reform sei schlecht, nur weil sie jetzt weniger Posten besetzen können.“ Nicht zuletzt vergisst er nicht, auf die EU-Wahl hinzuweisen. „Wir brauchen ein starkes Europa, aber ein Europa, das sich nicht zurücklehnt“, sondern überlegt, sondern sich den wirtschaftspolitischen Herauforderungen stelle und den Bürgern nütze.