Nachhaltig öko-sozial

08.07.2019 • 16:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Motto auf dem Martinshof: Hühner raus ins Freie, Interessierte rein in den Betrieb.
Ein Motto auf dem Martinshof: Hühner raus ins Freie, Interessierte rein in den Betrieb.

„Wir arbeiten seit 25 Jahren an einer nachhaltig öko-sozialen Ausrichtung unseres Betriebs.“

BUCH „Wir starteten zum EU-Beitritt Österreichs, im Jahr 1995“, erinnern sich Claudia und Bertram Martin. „Freier Markt war für die Landwirtschaft etwas total Neues, verbunden mit Existenzängsten und der Vorstellung, ,von den Großen gefressen zu werden‘. Unsere Überlegung war ganz simpel: Wir machen es einfach anders, kleiner, feiner, besser und direkter als die ,Großen‘. Wir öffnen die Türen. Hühner raus ins Freie, Interessierte rein auf den Hof. Ganz bewusst haben wir uns vor zehn Jahren entschieden, noch mehr in die Tiefe zu gehen und alles zu hinterfragen. Daraus entstanden interessante Projekte. So haben wir zum Beispiel mit unseren Kunden gemeinsam eine Photovoltaikanlage verwirklicht. Statt Euros für Tilgung und Verzinsung erhalten sie unsere Produkte dafür. Das stiftet für alle Beteiligten und für die Umwelt einen Nutzen. Das gleiche Ziel verfolgen wir mit unseren bäuerlichen Kooperationspartnern. Wir fördern die Kompetenz auf dem Bauernhof und schließen die Lücke zwischen Bauern und Kunden. Gekoppelt mit klaren Anbaurichtlinien – im Getreidebereich bedeutet das: keine Mineraldünger und keine Spritzmittel – entsteht ein regionaler Kreislauf mit Mehrwert, der in Vorarlberg sichtbar wird.“

Aufgeschlossene Kinder

„Unsere offenen Hoftüren nützen viele Kindergärten und Schulen, und wir erleben hier wirklich sehr interessierte, aufgeschlossene Kinder“, freut sich Familie Martin. „Dabei beobachten wir zweierlei: einerseits wissen die Kinder immer weniger aus ihrem persönlichen Umfeld und ihrem Alltag über Naturkreisläufe und ökologische Zusammenhänge. Andererseits sehen wir bei Kindern und Jugendlichen ein starkes Interesse bezüglich Themen wie Bienensterben, Plastik in den Weltmeeren und Klimawandel. Hier liegt eine Riesenchance für Projekte, in denen mit den Kindern Zusammenhänge erlebt und Lösungen gefunden werden. Es gibt viele gute Initiativen, z.B. das Projekt ,Mi Kischta Gärtle‘ vom OGV, bei dem fast 2000 Kinder ihren eigenen Kistengarten gebaut und angepflanzt haben, da gibt es das Projekt ,Schule am Bauernhof‘, das Kindern einen Einblick in die Landwirtschaft vermittelt. Es gibt engagierte Mütter, die im Schulgarten Dinkel anbauen, mit den Kindern ernten und daraus Brot backen. Für uns ist klar: Nur wer die Zusammenhänge versteht, kennt den Wert eines Lebensmittels. Jede Idee, jedes weitere Projekt, das hierzu einen Beitrag leistet, ist wichtig und gut. Selbstverständlich fordert das auch von uns Erwachsenen, dass wir das, was wir bei den Kindern erreichen wollen, selber leben: Es braucht Ehrlichkeit. Und das heißt aber auch ganz konkret, dass wir unseren Kindern zum Beispiel in der Gemeinschaftsverpflegung wirklich hochwertiges, regionales Essen kochen und nicht der Preis das oberste Einkaufskriterium ist.“ VD