Die Suche nach dem Kompromiss

Markt / 17.10.2019 • 22:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die gesamte Metallindustrie hat 195.000 Beschäftigte. In Vorarlberg zählen Doppelmayr und Blum zu den Größten der Branche. FMTI
Die gesamte Metallindustrie hat 195.000 Beschäftigte. In Vorarlberg zählen Doppelmayr und Blum zu den Größten der Branche. FMTI

Metaller-Verhandler ringen um Abschluss. Unterschiedlicher könnten Positionen nicht sein.

Schwarzach „Die Gewerkschaftsoberen und die Betriebsratskaiser lassen sich von ihren Dienstchauffeuren in Oberklasse-SUVs vor den Haupteingang fahren. Im Aufbau vergleichbar einer griechischen Tragödie hat die Gewerkschaft die Regie für die nächsten zwei Monate vorbereitet“, schreibt Arbeitgeber-Verhandler Johannes Collini in einem Gastkommentar in der Wirtschaftskammerzeitung über die KV-Verhandlungen für die Metalltechnische Industrie. Dabei kritisiert er vor allem deren medienwirksame Inszenierung.

Die Vertragsverhandlungen laufen jedes Jahr nach dem etwa gleichen Schema ab. Im Vorfeld positionieren sich die Arbeitnehmervertreter mit ihrer Lohn- und Gehaltsplus-Forderung. Dann wird intensiv verhandelt und wenn nötig auch gestreikt.

Zuletzt sieben Runden

Im vergangenen Jahr brauchte es sieben Runden, um sich letztlich auf ein Plus von durchschnittlich 3,46 Prozent für die 130.000 Mitarbeiter – davon rund 13.000 in Vorarlberg – zu einigen. Heuer hat man die bereits vierte Verhandlungsrunde hinter sich. Diese wurde am Mittwochabend ergebnislos abgebrochen. „Es war eine zähe Geschichte. Die Arbeitgeberseite hat nur 1,8 Prozent geboten. Das ist ein Hohn und darum haben wir die Verhandlungen nach elf Stunden abgebrochen. Wir erwarten uns ein kräftiges Plus“, sagt Wolfgang Fritz, Landesvorsitzender der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, der in Wien mit am Verhandlungstisch sitzt, im VN-Gespräch. Am Dienstag sei die Stimmung noch relativ gut gewesen, am Mittwoch, als es ums Geld ging, hätte die Gegenseite den Rückwärtsgang eingelegt.

Das Problem: Die Arbeitgeber bieten 1,8 Prozent. Die Gewerkschaft will 4,5 Prozent beziehungsweise mindestens 100 Euro mehr. Christian Knill, der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie und offizielles Sprachrohr der Arbeitgeberverhandler, sieht die 1,8 Prozent indes als faires Angebot. „Die Gewerkschaften haben sich heute keinen Millimeter bewegt, so geht das nicht“, kritisiert er und bezeichnet es als „Klientelpolitik auf Kosten der Betriebe und aller Mitarbeiter“. Man müsse „die Alarmzeichen der nachlassenden Konjunktur“ beachten. Denn die Wachstumsprognosen für 2019 wurden auf 1,5 Prozent reduziert, die Inflation lag im September mit 1,2 Prozent auf einem sehr niedrigen Stand und die internationale Konjunktur trübe sich rapide ein.

Auch aus Sicht von Arbeitsmarkt­ökonom Helmut Hofer vom Institut für Höhere Studien ist der Welthandel „sehr, sehr schwach“ und darunter leide die österreichische Metallindustrie. Ein stärkerer Lohnabschluss stärke zwar die Binnennachfrage, aber wenn dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gefährdet werde, dann habe keiner etwas davon.

Weltuntergangsstimmung

Auch das sieht die Gewerkschaft anders. „Im Herbst ist immer alles schlecht, fast so, als ob die Welt gleich untergehen würde. Aber auch wir schauen uns die Zahlen und Prognosen an“, sagt Fritz.

Christian Knill kritisiert nicht nur, dass die Gewerkschaften auf ihrer ursprünglichen Forderung beharren. „Zum Verhandeln braucht es immer zwei willige Partner. Es geht ihnen nicht um einen sachlichen und seriösen Abschluss im Sinne aller.“

Wie es nun weitergeht? Die fünfte Verhandlungsrunde ist für 28. Oktober angesetzt. Die Gewerkschaft will kommenden Dienstag bei einer Betriebsrätekonferenz in Bregenz über mögliche Kampfmaßnahmen beraten. „Wir wollen den Druck erhöhen“, sagt Fritz. Die Rückendeckung der Mitglieder habe man dafür. „Vor allem geht es uns beim Abschluss um die unteren Löhne. Denn diese sind von den hohen Miet- und Spritpreisen besonders betroffen.“

Wieso die Metaller-KV-Verhandlungen so ein großes Echo hervorrufen, ist vor allem darin begründet, dass der Abschluss als richtungsweisend für die Verhandlungen in anderen Branchen gilt. Inszenierungen und Rituale gehören traditionell dazu, bis am Ende – nach zähen Verhandlungen und all den Zwischenrufen – ein Ergebnis steht. Mit dem Kompromiss, der letztlich gefunden wird, konnten sich beide Seiten aber ebenfalls traditionell immer recht gut arrangieren. VN-reh

„Die Arbeitgebervertreter waren nicht bereit, ein faires Angebot auf den Tisch zu legen.“

„Die Gewerkschaften haben sich heute keinen Millimeter bewegt, so geht das nicht.“