„Die Welt ist noch viel größer“

Markt / 22.11.2019 • 18:44 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Fulterer beliefert auch Industrieküchenhersteller.

Fulterer beliefert auch Industrieküchenhersteller.

Für Unternehmer Axel Fulterer gibt es noch viele Märkte mit Potenzial.

Lustenau Axel Fulterer ist Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, das auf Auszugsysteme im Schwerlastbereich fokussiert ist. Im Interview spricht er über die recht ungewöhnliche Firmengeschichte, über Innovation und über die Zukunftsinvestition am Standort Lustenau.

 

Ihr Unternehmen hat sich auf Auszugsysteme im Schwerlastbereich fokussiert. Worauf kommt es bei den Produkten im Speziellen an?

Fulterer Einfach gesagt bewegen wir Schubladen. Die Führungen kommen in der Industrie zum Einsatz und müssen viel aushalten. Nicht nur Gewicht, sondern auch extreme Hitze oder Kälte. Neben dem Werkstattbereich sind wir auch im Industrieküchensektor tätig. Die große Herausforderung ist es, in dem zur Verfügung stehenden Bauraum diese Traglasten zu generieren, weil oft auch noch Wünsche wie Einzugsmechaniken oder Sperrsysteme zusätzlich dazukommen.

 

Inwieweit kann man die Systeme vorab entsprechend testen, um deren Funktionalität sicherzustellen?

Fulterer Wir haben dafür einen Musterbau und eine Testanlage mit Robotern. Da gibt es auch Vorgaben, wie es in der Industrie zu funktionieren hat. Aber letztlich ist der Anspruch der Kunden an uns, dass es in der realen Umgebung funktioniert. Denn oft ist das, was man testet, weit von der Realität entfernt. Wenn ich einen Schrank mit sieben Schubladen habe und in jede jeweils 200 Kilo lade, muss es trotzdem funktionieren. Wir übernehmen also mit unseren Führungen teilweise auch statische Aufgaben.

 

Mit welchen Innovationen und Eigenschaften punktet Fulterer bei seinen Kunden? Wie kann man die Auszugssysteme noch besser machen?

Fulterer Die Trends im Haushalt oder bei Büromöbeln kommen in unseren Bereichen Werkstatt und Industrieküche oft erst viel später an. Wir beschäftigen uns viel mit Einzugsmechaniken, mit Touchpad-Bedienung, mit der Verbesserung des Laufverhaltens oder auch mit der Elektrifizierung von Sperrsystemen.

 

Wo sitzen Ihre Mitbewerber?

Fulterer Es gibt Hersteller in Europa, aber unsere Mitbewerber sind hauptsächlich in Asien. Das Thema Rollenführung ist aber insgesamt nicht so ein riesiger Markt, wo es um große Massen geht. Die größten Mitbewerber sind heute vielmehr jene Firmen, die für ihre Schränke selber die Führungen fertigen.

 

Produzieren Sie ebenfalls in China?

Fulterer In China haben wir nur einen reinen Vertriebsstandort. Wir produzieren ausschließlich in Lustenau und in St. Margrethen.

 

St. Margrethen und Vorarlberg sind im Vergleich zu China nicht gerade die günstigsten Standorte, um Waren zu produzieren.

Fulterer Natürlich muss man sich zur Decke strecken und schauen, wie man sein Produkt aufgliedert oder wo man die Kleinteile einkauft. Automatisierung ist ein großes Thema. Da stehen wir dem asiatischen Mitbewerb aber um nichts nach. Zudem machen wir Kleinstserien, die entsprechend bezahlt werden.

 

Ihre Firmengeschichte beginnt ungewöhnlich. Ihr Großvater sattelte in den 1950er-Jahren mit Rollenführungen von der Unterwäscheproduktion in eine komplett andere Branche um. Wie kam es dazu?

Fulterer Mein Großvater war Sticker und hat eines Tages Unternehmer Oskar Merz aus St. Margrethen beim Fischen getroffen. Dieser hat gemeint, er soll aufhören mit der Stickerei und stattdessen Kugellager einnieten. So ist eigentlich Fulterer entstanden. Der Markt schien damals unendlich. Mir hat man es so erzählt, dass damals die Produktionsmengen auf einzelne Kunden aufgeteilt wurden. Die beiden Firmen haben jahrelang zusammengearbeitet und 2007 haben wir dann Merz-Meyer übernommen.

 

Wie ergänzen sich die Betriebe?

Fulterer Wir haben die Entwicklung, den Werkzeugbau, das Büro und die Grundfertigung in Lustenau. In der Schweiz wird beschichtet, vernietet, verpackt und versendet. So kommen wir platzmäßig halbwegs über die Runden. Aber die Luft wird immer dünner, was den Platz anbelangt.

 

Apropos: Sie wollen acht Millionen in die Erweiterung von Produktion und Logistik investieren. Beunruhigt Sie die drohende Konjunkturdelle?

Fulterer Die Entscheidung für die Investition wurde vor über einem Jahr gefällt. Denn die Maschine hat eine Lieferzeit von eineinhalb Jahren. In diesem Zeitraum kann in einem Markt natürlich viel passieren, aber die Notwendigkeit für die Investition sehe ich trotzdem. Wir haben noch viele Länder in der Welt, in denen wir noch nicht präsent sind. Wir sind seit Kurzem in Mexiko mit einem eigenen Handelsstandort tätig, aber die Welt ist noch viel größer.

Ein Thema ist wahrscheinlich auch bei Ihnen der Facharbeitermangel. Bekommen Sie genug Fachkräfte, bilden Sie selbst aus?

Fulterer Insgesamt haben wir 250 Mitarbeiter. Tendenz steigend. Aber natürlich sind Fachkräfte schwer zu finden. Wir haben jetzt wieder mit der Lehrlingsausbildung angefangen und werden das weiterhin forcieren. Wir wollen junge Menschen begeistern. Natürlich gibt es viele große Firmen, die Lehrlinge suchen, aber es gibt auch Jugendliche, die explizit in ein kleineres Unternehmen wollen.

 

Sie führen das Unternehmen gemeinsam mit Ihrem Vater Manfred. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn?

Fulterer Die funktioniert gut. Auch wenn es natürlich Spannungsfelder zwischen Vater und Sohn gibt und wir teilweise unterschiedliche Herangehensweisen haben. Es ist aber interessant festzustellen, dass er schon oft recht hat.

„Unsere Führungen müssen viel aushalten. Neben Gewicht auch extreme Hitze oder Kälte.“

Axel Fulterer führt das Lustenauer Unternehmen in dritter Generation. Sein Großvater war ursprünglich in der Unterwäscheproduktion tätig, bevor er auf Auszugsysteme umsattelte. VN/Paulitsch
Axel Fulterer führt das Lustenauer Unternehmen in dritter Generation. Sein Großvater war ursprünglich in der Unterwäscheproduktion tätig, bevor er auf Auszugsysteme umsattelte. VN/Paulitsch

Kennzahlen

Gegründet 1956 (als Stahlverarbeiter)

Eigentümer, Geschäftsführer Axel Fulterer, Manfred Fulterer

Mitarbeiter 250

Marken Fulterer Auszugsysteme, MerzRoller AG

Produktionsstandorte Lustenau, St. Margrethen

Niederlassungen USA, Mexiko und China, Export in über 60 Länder

Privat

Axel Fulterer

Geschäftsführer Fulterer AG & Co KG

Geboren 13. August 1976

Ausbildung Lehre als Industriekaufmann, nach dem Abschluss der dualen Ausbildung Diplom-Wirtschaftsingenieur-Studium an der Fachhochschule Liechtenstein 

Laufbahn Firma Fulterer verschiedene Positionen, Geschäftsführer MerzRoller, Geschäftsführer Fulterer

Familie verheiratet, zwei Kinder

 

Axel Fulterer liebt die frische Luft und die Geschwindigkeit. Deshalb setzt er sich, wenn er aus dem Büro kommt, auf das Fahrrad und erobert die Berge und Pässe sowie die Strecken am Bodensee in der Schweiz, Vorarlberg und Deutschland. Das Radeln helfe dabei, nach stressigen Tagen in den Betrieben in Lustenau und St. Margrethen, wo er mittlerweile wohnt, den Kopf frei zu bekommen. Der Unternehmer, der auch viel auf Reisen ist, fährt engagiert, aber „ich riskiere nicht das Leben“, stellt er im Gespräch klar. Und natürlich verbringt der Lustenauer so viel Zeit wie möglich mit der Familie.