„Für uns zählt nun jeder Tag“

Markt / 06.12.2019 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auf dem Tannenhof von Martin Wohlgenannt herrscht Hochbetrieb. VN/Stiplovsek
Auf dem Tannenhof von Martin Wohlgenannt herrscht Hochbetrieb. VN/Stiplovsek

Die Hochsaison für Vorarlbergs größten Christbaumhändler zählt gerade einmal 14 Tage.

Hohenems Reges Treiben herrscht in der Zentrale des Tannenhofs Wohlgenannt in Hohenems. Mitarbeiter von Geschäften und Hotels sichern sich bis zu sechs Meter hohe Christbäume, Privatkunden entscheiden sich zwischen Nordmanntanne oder Nobilistanne, die Zitrusduft verströmt.

Für Martin Wohlgenannt und sein Team ist derzeit Hochsaison. Zwischen 30.000 und 35.000 Christbäume verkauft er um die Zeit vor Weihnachten. Den einen Teil über die rund 20 Verkaufsstände in Vorarlberg und Tirol, den anderen Teil an Großhändler und andere Verkäufer. „Für uns zählt nun jeder Tag“, sagt er im VN-Gespräch. Denn wenn es an einem Stand hake, könne man das nicht mehr aufholen. „Wir haben nur 14 Verkaufstage.“

Tausende Neuanpflanzungen

Das Geschäft mit den Christbäumen haben seine Eltern bereits vor 50 Jahren begonnen. Sein Vater, ein gelernter Tischler, pflanzte im Dornbirner Firstgebiet die ersten Bäume und verkaufte sie an einem Stand vor seinem Haus in Mühlebach. „Obwohl viele skeptisch waren und gesagt haben, Nordmanntannen würden in Vorarlberg nicht wachsen“, erinnert sich Wohlgenannt. Ein Irrglaube, denn der Tannenhof pflanzt mittlerweile in Vorarlberg jährlich zwischen 2000 und 3000 Christbäume neu an.

Das Geschäft mit den Bäumen hat Martin Wohlgenannt von Anfang an interessiert. Als Kind wurde fleißig mitgeholfen. Als dann die Frage aufkam, wer den Betrieb weiterführt, waren Martin und seine Frau Carmen zur Stelle. Mittlerweile helfen auch ihre Kinder Selina und Hannes tatkräftig mit.

Flächen im Land fehlen

Die Wohlgenannts haben das Geschäft kontinuierlich erweitert und die Christbaumzucht vergrößert. Heute gibt es Flächen in Vorarlberg, im Burgenland und auch in Ungarn. Zudem wird mit Partnern in der Bodenseeregion zusammengearbeitet. „Wir würden gerne mehr Christbäume in Vorarlberg anpflanzen, aber die entsprechenden Flächen fehlen“, sagt Martin Wohlgenannt. „Wir haben über die Jahre intensiv versucht, Flächen zu bekommen, aber diese sind begrenzt. Entweder bewirtschaften sie die Landwirte selbst oder die Verpächter scheuen sich davor, sie für mindestens 15 bis 20 Jahre zu verpachten. Aber diesen Zeitraum benötigen wir, damit die Bäume wachsen können.“

Rund 100.000 Christbäume werden im Jahr in Vorarlberg verkauft. Rund 20 Prozent davon sind auch in Vorarlberg gewachsen. Der Tannenhof Wohlgenannt verfügt über Anbauflächen im Firstgebiet und am Fuße des Karrens sowie im Ried. Dort – zwischen Messepark und Senderbrücke – können Kunden ihren Christbaum auf Wunsch auch selbst schneiden. „Das ist eine gute Gelegenheit, um sicherzugehen, dass der Baum auch wirklich hier angepflanzt wurde“, sagt der Christbaumzüchter. An den Verkaufsstellen werden die Vorarlberger Christbäume mit einer speziellen roten Plakette gekennzeichnet.

Es sei unterstützenswert, dass Kunden auf heimische Christbäume zurückgreifen, sagt Wohlgenannt. Aber man müsse auch ganz klar sagen, dass es in Vorarlberg die jährlich benötigten 100.000 Christbäume nicht gebe, relativiert er die Möglichkeiten. Wichtig sei jedenfalls, dass Kunden überhaupt zu Naturbäumen greifen und nicht zu Kunstbäumen. Denn jeder Baum speichere Wasser und sei ein wichtiger Lebensraum für Tiere.

Hauptberufliche Tätigkeit

Wohlgenannt ist der einzige Züchter im Land, der das ganze Jahr über hauptberuflich tätig ist. Neben seiner Familie arbeiten zwölf bis 15 Mitarbeiter das ganze Jahr über in der Baumpflege und zucht mit. In der Hauptsaison vor Weihnachten sind es dann 40 bis 50 Mitarbeiter. Leicht zu finden sind diese Kräfte allerdings nicht. „Wir sind froh, dass 80 Prozent davon bereits über mehrere Jahre bei uns sind. Oftmals sind es Menschen, die nur im Winter Zeit haben. So wie Landwirte, Gärtner, Hausmeister, Bauarbeiter oder Studenten.

Martin Wohlgenannt liebt seine Tätigkeit. Was für ihn die Faszination Christbaum ausmacht? „Es ist meine Leidenschaft, weil ich gerne in und mit der Natur arbeite. Es ist ein wunderschöner Beruf.“ VN-reh