Es war einmal

Markt / 08.01.2020 • 19:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Iran galt bis 2018 als großer Hoffnungsmarkt für Exporteure. Nachholbedarf bestand vor allem in der Infrastruktur. AP
Der Iran galt bis 2018 als großer Hoffnungsmarkt für Exporteure. Nachholbedarf bestand vor allem in der Infrastruktur. AP

Einst galt der Iran für Exporteure als großer wirtschaftlicher Hoffnungsmarkt.

Schwarzach Es war im November 2016, als eine Vorarlberger Delegation aus Unternehmern den Iran besuchte. Organisiert wurde die Reise von der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Damals sah man einen Millionenmarkt mit ebenso viel Potenzial wie Nachholbedarf. Es herrschte große Aufbruchsstimmung in dem Land mit seinen 80 Millionen Einwohnern, darunter viele junge, gut ausgebildete Menschen und eine kaufkräftige Mittelschicht. Bei Ankunft im Hotel wurde das noch einmal deutlich. Alle 500 Zimmer waren komplett belegt – großteils von Teilnehmern verschiedener Wirtschaftsdelegationen aus aller Welt.

Hemmnisse gab es dennoch. Denn das Hauptproblem in den Geschäftsbeziehungen mit dem Iran war damals das Finanzsystem. Transfers konnten nicht direkt durchgeführt werden. Somit konnte man als Ausländer auch nicht am Bankomat Geld abheben oder mit Kreditkarte bezahlen. Aber die Möglichkeiten für ausländische Unternehmen im Iran schienen dennoch enorm. Vor allem weil Infrastruktur und damit verbunden das Know-how rund um Bahntechnik, Wasserkraft, Energie, Automotive, Mobilität dringend benötigt wurde und der Eindruck erweckt wurde, wie dringend der Iran von der Dynamik, die in Form Hunderter Wirtschaftsdelegationen, die von Woche zu Woche in ihr Land reisen, profitieren wollte. Zudem wollte man sich als Urlaubsland öffnen und profilieren.

Projekte ad acta

Das war einmal. Diese Hoffnungen schwanden dahin. Spätestens seit den verschärften Wirtschaftssanktionen der USA gegen den Iran befanden sich mehrere österreichische Firmen in einer Art Warteposition. So auch der Wolfurter Seilbahnhersteller Doppelmayr. Ein beinahe fertiggestelltes Seilbahnprojekt in Teheran, das die Stadt mit dem Universitätscampus verbindet, lag seit Oktober vergangenen Jahres auf Eis. „Die Seilbahn ist zu 95 Prozent fertig, aber wir mussten aufgrund der Sanktionen im Oktober alle Arbeiten einstellen“, verwies Geschäftsführer Thomas Pichler damals.

Nun, mit der Eskalation zwischen den USA und dem Iran wurde noch einmal eine neue Dimension erreicht. Auch die Finanzmärkte zeigten sich ob der Lage zeitweise recht verunsichert. Vor allem an den asiatischen Börsen gab es Abschläge zu verzeichnen. Die Ölpreise stiegen erst sprunghaft an, kamen dann aber wieder etwas zurück. Indes setzte das als sicherer Hafen geltende Edelmetall Gold zu einem neuen Höhenflug an. In der Nacht auf Mittwoch stieg der Kurs für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) erstmals seit dem Jahr 2013 über die Marke von 1600 US-Dollar. Mittags fiel der Preis wieder etwas zurück auf 1580 Dollar. Das waren aber immer noch rund sechs Dollar mehr als am Vortag. VN-reh