Hirschmann stärker als der Markt

Markt / 09.01.2020 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
38 Mill. Euro investiert Hirschmann allein in Rankweil. Wegen der Wirtschaftslage werden die Investitionen über einen längeren Zeitraum verteilt. FA/M. Mayer
38 Mill. Euro investiert Hirschmann allein in Rankweil. Wegen der Wirtschaftslage werden die Investitionen über einen längeren Zeitraum verteilt. FA/M. Mayer

Rankweiler Automotive-Zulieferer macht erstmals über 400 Millionen Euro Umsatz.

Rankweil Der Rankweiler Automobilzulieferer Hirschmann Automotive hat in den vergangenen Jahren regelmäßig Umsatzzuwächse im zweistelligen Prozentbereich eingefahren. Auch für 2019 ging man anfangs von einem Plus von 13,5 Prozent aus. Geworden sind es schlussendlich plus 5,4 Prozent auf ein Geschäftsvolumen von 405 Millionen Euro. Das erklärte CEO Volker Buth: „Wir haben erstmals die Marke von 400 Millionen Euro überschritten und sind stärker als der Markt gewachsen. Insofern sind wir trotz der angespannten Lage am Markt nicht unzufrieden mit 2019.“ Das gelte auch für die Ertragssituation.

Vorsichtige Prognose für 2020

Hirschmann Automotive kann sich den internationalen Entwicklungen nicht entziehen. Da ist zum einen die weltweite Verunsicherung in der Automobilbranche, wie schnell sich Elektrofahrzeuge tatsächlich durchsetzen werden. Und zum anderen gibt es die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, die auch Europa betreffen, den Brexit und die Krisenherde im Nahen Osten. „Wir sind für 2020 mit vielen Unsicherheiten konfrontiert und haben unsere Prognosen sehr vorsichtig angesetzt“, so Buth. Aktuell rechne man mit einem Umsatzplus von 3,8 Prozent auf 420 Millionen Euro. Dabei habe man auch noch bewusst konservativer gerechnet, als es die Planungen der Kfz-Hersteller erlauben würden.

Investitionen: 77,5 Millionen Euro

Nichtsdestotrotz halte das Unternehmen weiterhin an millionenschweren Investitionen an den Standorten fest. So seien für heuer insgesamt 77,5 Millionen Euro vorgesehen. Davon fließen 44 Millionen Euro in neue Werkzeuge und Maschinen, davon wiederum 21 Millionen Euro allein für Anlagen in Rankweil. Dazu kommen 16 Millionen Euro für Gebäude und Infrastruktur am Stammsitz. „Das sind Investitionen in eine nachhaltige Zukunft. Wir glauben auch weiterhin an den Erfolg des Automobils, egal welche Antriebstechnologie sich durchsetzen wird.“

Das zeige sich unter anderem darin, dass Hirschmann mit Teilen seines Produktsortiments in der Stromklasse Hochvolt bis 1.000 Volt/40 Ampere weltweit zu den volumenstärksten Anbietern gehöre. Diese Produkte kommen in Elektrofahrzeugen zum Einsatz. Bis 2022 soll der Umsatzanteil dieser Hochvolt-Produkte auf rund 23 Prozent steigen. „Wir decken mit unseren Produkten alle möglichen Antriebstechnologien ab.“

2021 statt 2020

Trotzdem zollt Hirschmann den vorsichtigen Prognosen für 2020 beim Zeitplan für die Investitionen Tribut. Ursprünglich wollte das Unternehmen ein neues Verwaltungsgebäude und ein neues, modernes Logistikzentrum mit automatisiertem Kleinteilelager in Rankweil bis Ende 2020 in Betrieb nehmen. Obwohl die Bauarbeiten dazu bereits begonnen haben, verschiebe sich die Inbetriebnahme des Verwaltungsgebäudes auf das erste Quartal 2021 und die Fertigstellung des Logistikkomplexes auf das erste Halbjahr 2021.

Zweites Werk in Tschechien

Hirschmann betreibt seit Jahren ein Produktionswerk in Vsetin in Tschechien. In diesen Wochen werde ein unmittelbar daneben errichtetes und 20 Millionen Euro teures zweites Werk in Betrieb gehen. Auf einer Produktionsfläche von 15.000 Quadratmetern sollen allein an diesem Standort in zwei Jahren bis zu 500 Mitarbeiter tätig sein. „Das Werk hat einen hohen Automatisierungsgrad. Es ist unter anderem mit einem computergesteuerten Intralogistik-Roboter-Transportsystem der Firma Heron ausgestattet.“ Das komme übrigens dann auch im neuen Logistikgebäude in Rankweil zum Einsatz.