Vorarlberg trifft die Welt

Markt / 17.01.2020 • 20:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Angelo Russo aus Lustenau und sein Sohn Lorenzo verkaufen Salami und Parmesan.
Angelo Russo aus Lustenau und sein Sohn Lorenzo verkaufen Salami und Parmesan.

Auf der „Grünen Woche“ in Berlin wird auch jede Menge Käse aus dem Bregenzerwald aufgetischt.

Berlin Moringa aus der Elfenbeinküste, Wodka aus der Mongolei, Kaffee aus Katar, Straußeneier von der Mecklenburgischen Seenplatte, Kamelfleisch, und mittendrinnen Käse und Senf aus Vorarlberg und ein Turiner aus Lustenau.

Am Freitagvormittag hat die „Internationale Grüne Woche“ (IGW) in Berlin ihre Pforten geöffnet. Bei der weltweit wichtigsten Agrar- und Verbrauchermesse präsentieren mehr als 1800 Aussteller aus 72 Ländern ihre Produkte. Bis 26. Jänner werden an die 400.000 Besucher erwartet. In der Halle 4.2, der Österreichhalle, haben Max Bereuter aus Sibratsgfäll und Reinhard Lechner aus Dornbirn ihre Zelte aufgeschlagen. Bereuter ist Obmann der Käsestraße, Lechner deren Mitbegründer. „Wir sind im Namen der Genussregionen Großes Walsertal, Kleinwalsertal und Käsestraße Bregenzerwald hier“, präzisiert Lechner. Am Vorarlberg-Stand dreht sich fast alles um Käse. Bergkäse, Schnittkäse, Ziegenkäse und Weichkäse. Insgesamt 600 Kilogramm wurden per Spedition nach Berlin geschickt. Dazu gibt es Äpfel und Birnen und Heusenf aus dem Kleinwalsertal. „Die Grüne Woche ist ein Multiplikator für unseren Namen. Wir sind das kulinarische Aushängeschild, aber wir animieren die Leute auch und sagen: Kommt doch mal zu uns“, erläutert der Mitbegründer der Käsestraße.

Einmal um die Welt

Auf der Grünen Woche können sich die Besucher einmal um die Welt essen und sich nebenbei über Gartentrends, Küchen- und Haushaltsgeräte oder Tiere informieren. Es ist Freitag, kurz nach 10 Uhr. In den Messehallen beginnt gerade der Sturm auf die internationalen Spezialitäten. Es wird gesungen, getanzt und präsentiert. Vor der Tür ist die Lage derweil weniger entspannt. Wie in anderen deutschen Städten gehen auch in Berlin gerade Tausende Landwirte gegen die strengeren Vorgaben beim Klima- und Tierschutz auf die Straße. Parallel dazu haben Aktivisten von Greenpeace eine metergroße Figur eines geschundenen Schweins auf den Messeeingang gestellt und fordern: „Schluss mit der Show“ und „Billigfleisch stoppen“. Die österreichischen Landwirtschaftsvertreter beschäftigt derzeit vor allem eines: Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). „Oberste Priorität für uns ist und bleibt, dass die Finanzmittel für die heimische Landwirtschaft nicht, wie derzeit von der EU geplant, gekürzt, die Anforderungen an die Landwirtschaft hingegen erhöht werden. Denn zusätzliche Leistungen für weniger Geld ist unmöglich. Es kann nur eine markt­orientierte Weiterentwicklung der Landwirtschaft in wichtigen Bereichen wie Tierwohl, umweltfreundliche Produktion oder Biolandbau geben“, betont Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger am Abend vor der Eröffnung auf einer Pressekonferenz mit Ministerin Elisabeth Köstinger und Bauernbundpräsident Georg Strasser.

Zurück auf die IGW: Für Moosbrugger ist sie ein guter Boden, um „Märkte zu finden, wo auch Wertschöpfung möglich ist“. „Hier werden genau diese Kontakte geknüpft, hier sind die Interessenten da, die das suchen“, sagt er. Angelo Russo ist mit zwei Tonnen Salami und 15 Parmesanlaiben angereist. Der Wahllustenauer bietet seine Produkte auf Märkten in Vorarlberg an, vier Mal im Jahr fährt er auf Messen. „Ein Jahr ist gut, das andere nicht. 2019 war sehr gut, mal schauen wie es diesmal wird“, meint er über die Grüne Woche mit ihrem „besonderen Publikum“. Russo schmunzelt: „In Norddeutschland wollen alle immer Angebote.“

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (Mitte) bei Max Bereuter (l.) und Reinhard Lechner am Vorarlberg-Stand. VN/ger
Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (Mitte) bei Max Bereuter (l.) und Reinhard Lechner am Vorarlberg-Stand. VN/ger

Grüne Woche

1800 Aussteller aus 72 Ländern stellen auf der IGW ihre Produkte aus.

400.000 Besucher essen sich bis 26. Jänner durch die Welt.

70 Landwirtschaftsminister sowie Spitzenvertreter der Land- und Ernährungswirtschaft haben sich angesagt.

600 Kilo Käse wollen die Vorarlberger Genussregionen verkaufen.