„Das Land hinkt hinterher“

Markt / 19.01.2020 • 18:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
WKV-Präsident Hans Peter Metzler über die Wirtschaftskammer: „In manchen Bereichen denken wir wie eine Behörde. Da gibt es noch viel Spielraum.“VN/Steurer
WKV-Präsident Hans Peter Metzler über die Wirtschaftskammer: „In manchen Bereichen denken wir wie eine Behörde. Da gibt es noch viel Spielraum.“VN/Steurer

WKV-Präsident fordert mehr Tempo und Engagement des Landes bei Digitalisierung.

Feldkirch Die Zusammenarbeit mit Sozialpartner und dem Land Vorarlberg sei eine sehr gute, stellt Wirtschaftskammer-Vorarlberg-Präsident Hans Peter Metzler fest und zählt eine Reihe von gemeinsamen Intitiativen auf, auch solche im digitalen Bereich. doch bei diesem Thema geht er im Gespräch mit den VN gleich ans Eingemachte. „Unser Land hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Die Infrastruktur ist nicht optimal.“ Das sei man unter Zugzwang, wolle man die Zukunft des Standortes sichern. Da erwarte er sich vom Land schon mehr Aktivität, findet er klare Worte. „Da langt ein Herr Salcher nicht“, urgiert er mit Hinweis auf den Koordinator von V-digital, der sein Büro bei der WISTO in Dornbirn hat , mehr Engagement. Es gebe keine entsprechende Anlaufstelle im Landhaus.

Initiator und Treiber

Man habe zwar im vergangenen Jahr erste sehr gute Maßnahmen in diesem Bereich getroffen, doch damit sei es bei diesem für den Standort so wichtigen Thema nicht getan. Das sei eine Aufgabe, die man nicht abhaken kann, sondern uns weiterbegleiten werde. Die Wirtschaftskammer sieht er dabei als Initiator, als Treiber etwa beim Pionierprojekt Postgarage, das im vergangenen Jahr seinen Betrieb aufnahm und auch ein Leutturmprojekt für die Marke Vorarlberg sei, so Metzler, deren Vision „Vorarlberg soll 2035 der chancenreichste Lebensraum für Kinder sein“ Auftrag und Antrieb für die Wirtschaft sei.

In Sachen Zukunft verweist Metzler auf die Wirtschaftskammer-Initiative Dis.kurs Zukunft, deren Zweck es nicht ist, die künftigen Aufgaben der Kammer zu formulieren, – das auch -, sondern die Zukunft des Wirtschaftststandortes. Mehr als 2000 Unternehmerinnen und Unternehmer arbeiteten bei verschiedenen Veranstaltungen und in Fokusgruppen 2019 an Ideen und Parametern, ist er stolz auf diese Initiative, die natürlich auch die wichtigen Themen Raumplanung, Ansiedlung und Ressourcen nicht außen vor läßt.

Dauerthema Bildung

Neben der Digitalisierung ist für den Standort Bildung ein weiteres wichtiges Dauerhema. Man habe zusammen mit Land und Arbeiterkammer weitere Voraussetzungen geschaffen, um die Lehre speziell und die Ausbildung insgesamt zukunftsfähig zu gestalten. „Wir müssen dranbleiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“Dass mit Marco Tittler nun der ehemalige stellvertretende Wirtschaftskammer-Direktor das Ressort Wirtschaft in der Landesregierung inne habe, läßt ihn hoffen, dass die Themen der Wirtschaft auch entsprechend Gehör finden.

Kammerwahl im März

Der Dis.kurs werde weitergeführt, verspricht Metzler, der sich heuer mit der Wirtschaftskammer-Wahl, die am 2. und 5. März stattfindet, erstmals seit seinem Amtsantritt einem Mitgliedervotum stellt. Die Wahl ist keine Direktwahl, als Vertreter ihrer Branchen und Sparten stehen 970 Unternehmer, „darunter ganz viele junge Unternehmer“, zur Wahl, die die Interessen ihrer Kollegen vertreten. Dass inzwischen in zahlreichen Fachgruppen wieder eine politische Wahl stattfindet, ist nicht seiner Initiative geschuldet, er hätte eine sogenannte Friedenswahl vorgezogen. „Wir sind Interessenvertreter, keine Politiker.“ Auch er selbst sei kein Parteipolitiker, er habe bereits im Vorfeld allen Fraktionen die Hand gereicht, sie zur Zusammenarbeit eingeladen.

Die Wirtschaftskammer sei gut aufgestellt, wie aktuelle Zahlen und der Vergleich mit anderen Wirtschaftkammern zeigen. Doch auch die Kammer werde sich ändern, ihr Angebot weiter verbessern kündigt er an: „In manchen Bereichen der Kammer denken wir wie eine Behörde. Da gibt es noch viel Spielraum.“ VN-sca

Gute Noten für WKV

53 Prozent der Vorarlberger Unternehmer fühlen sich von ihrer Kammer beim Thema Digitalisierung gut unterstützt und informiert.

 

400 Vorarlberger Unternehmer wurden befragt, sie geben der WKV in Sachen Engagement und Schnelligkeit die Note eins.

 

50 Prozent der Mitglieder (11.700 Unternehmen) nahmen Services, Beratungen und Kundenbesuche im vergangenen Jahr in Anspruch.