Zwei Sonntage sollen Weihnachten retten

Handel ringt um Sonntagsverkauf als Ausgleich für Lockdown.
Feldkirch Zwei Tage mehr für Weihnachtseinkäufe, das wäre für den Vorarlberger Handel eine große Hilfe und eine Möglichkeit, Kundenströme zu entflechten. Das gibt der Geschäftsführer der Sparte Handel in der WKV, Michael Tagwerker in der aktuellen Diskussion um die Öffnung an den zwei verbliebenen Adventsonntagen zu bedenken. Auch der Vorarlberger Handel begrüße das und werde natürlich alle arbeitsrechtlichen Bestimmungen einhalten. „Wir glauben, dass viele unserer Mitarbeiter, die ja auch in Kurzarbeit sind, die Möglichkeit, das dadurch entstandene Minus beim Gehalt wieder aufzuholen, unterstützen.“
Pro und contra Sonntagsöffnung
Bekanntlich sehen das andere Organsiationen wie die „Allianz für freien Sonntag“ der u. a. katholische und evangelische Kirche, die Arbeiterkammern und der ÖGB angehören, ganz anders. Sie sind strikt auch heuer dagegen. Gesprächsbereit zeigt sich ÖGB-Chef Wolfgang Kazian, der will als Gegenleistung aber 15 Minuten bezahlte Pause alle zwei Stunden für Arbeitnehmer, die beruflich Maske tragen müssen, und 1000 Euro für all jene Personen, die in der Krise das Land am Laufen halten. Positive Signale kommen von Wirtschaftslandesrat Marco Tittler, für den der „Wunsch, dass verschobener Konsum und Einkäufe aus der Vorweihnachtszeit möglichst einfach nachgeholt werden kann, grundsätzlich absolut nachvollziehbar ist“.
Aber nicht nur die verkaufsoffenen Sonntage, wie sie in Tourismusgemeinden bereits erlaubt sind, sollen Konsumenten in die Geschäfte locken. Zuallererst sei es das breite Angebot des Vorarlberger Handels, das die Kunden überzeugen könne, so Tagwerker, der aber auch die positiven Effekte für Geschäfte und ihre Mitarbeiter betont. „Der Handel beschäftigt in Vorarlberg rund 15.000 Mitarbeiter, eine Insolvenzwelle würde viele dieser Arbeitsplätze vernichten“. Wer seine Waren regional beziehe, sei selbst ein wichtiger Teil der Wirtschaftskreisläufe vor Ort und sichere somit deren Erhaltung, sagt auch WKV-Präsident Hans Peter Metzler: „Mit der Initiative Einkaufen am liebsten in Vorarlberg bauen wir auf ganz entscheidende Leitgedanken: Solidarität, Zusammenhalt und Vertrauen“.
Wer partout nicht bis 7. Dezember warten wolle, so der Kammerpräsident, der soll die Onlinestores Vorarlberger Händler besuchen und „wird merken, dass sie sich mit ihrem breiten und auch preislich attraktiven Sortiment nicht vor Onlinegiganten verstecken brauchen“, auch seien die meisten Geschäfte trotz Lockdowns telefonisch erreichbar und können die Bestellungen ausliefern. Auf Solidarität setzt auch Tittler, der betont, dass „jeder Euro, der bei einem heimischen Händler ausgegeben oder in ein heimisches Produkt investiert wird, Arbeitsplätze sichert, hinter denen Familien und Existenzen stehen. Bewusster Einkauf kann ein weiterer wichtiger Beitrag zur Krisenbewältigung sein.“
Der Wirtschaftsbund fordert indes auch steuerfreie Weihnachtsgutscheine für Mitarbeiter anstelle von Weihnachtsfeiern in einer Höhe bis 1000 Euro. Die Gutscheine sollen, so die Forderung, nur im regionalen Handel gültig sein, sagt WB-Direktor Jürgen Kessler. Der Vorschlag soll voraussichtlich nächste Woche im Nationalrat auf der Tagesordnung stehen. VN-sca
„Wunsch, dass verschobene Einkäufe nachgeholt werden können, ist nachvollziehbar.“

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