Großes für Vorarlberg geleistet

Markt / 30.11.2020 • 22:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Rainer Reich, hier mit einem Vertreter der deutschen Stromabnehmer, handelte für Vorarlberg vorteilhafte Verträge aus. 
Rainer Reich, hier mit einem Vertreter der deutschen Stromabnehmer, handelte für Vorarlberg vorteilhafte Verträge aus. 

Illwerke-Direktor Rainer Reich prägte die Vorarlberger Energiewirtschaft.

Bregenz Am 28. November 2020 starb im Alter von 89 Jahren der langjährige Vorstandsdirektor der Vorarlberger Illwerke AG, Dipl.-Ing. Dr. techn. Rainer Reich. Zu seinen vielen großen Verdiensten, mit denen er die Energiewirtschaft des Landes prägte, gehörte auch sein weitblickender Einsatz für den Erwerb der Illwerke-Aktien von der Republik Österreich durch das Land Vorarlberg. Zudem trat er erfolgreich für die für das Land so bedeutsamen Heimfallsrechte ein. 

Auszeichnungen für Reich

Für diese standortpolitischen Großtaten wurde er auch im Jahr 1976 mit dem Dr.-Toni-Russ-Preis und später mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet. „Ich freue mich ganz besonders, weil es ein sehr langer und schwieriger Weg war, der dem Erfolg vorangegangen ist. Ich hoffe, dass sich damit die Gesellschaft ihren Zukunftsaufgaben auf einer neuen Grundlage widmen kann. Ohne Einsatz der Vorarlberger Nachrichten während mehr als zwei Jahrzehnten wäre dieses Ergebnis nicht möglich geworden“, so Rainer Reich im November 1995. „Der Heimfall der Anteile an Vorarlberg ist bis heute Grundlage der erfolgreichen Entwicklung des nunmehrigen Energiekonzerns illwerke VKW“, betonte der aktuelle illwerke-VKW-Vorstand Christof Germann. Von einem historischen Ereignis zu sprechen, wie es damals geschah, war nicht übertrieben.

Denn nach sieben Jahren zäher Verhandlungen und vielen Rückschlägen bedeutete der Verkauf der Illwerke durch den österreichischen Verbundkonzern an das Land einen „Freudentag für Vorarlberg“. So titelten damals die Vorarlberger Nachrichten. „Die Idee der Gründerväter, aus den Illwerken eines Tages wirkliche ,Vorarlberger‘ Illwerke werden zu lassen, geht nach über sieben Jahrzehnten in Erfüllung.“

Stolzes Lebenswerk

Gestern meinte der Vorstand der Illwerke VKW in einer Stellungnahme gegenüber den VN: „In verschiedenen Verhandlungen mit den Stromabnehmern der Illwerke, die im Vertragswerk 1988 mündeten, hat Dipl.-Ing. Dr. Rainer Reich eine Verbesserung der Ertragslage des Unternehmens durchgesetzt. Das zwischen 1980 und 1985 erbaute Walgauwerk leistet mit einer Erzeugung von 250 GWh pro Jahr zudem einen wichtigen Beitrag für die Stromversorgung in Vorarlberg. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für die Rechte des Landes Vorarlberg, insbesondere für das Heimfallsrecht des Landes an den Anlagen der Illwerke, dessen Bestand von einem Schiedsgericht 1994 bestätigt wurde, hat Dr. Reich maßgeblich dazu beigetragen, dass die Republik Österreich ihre Anteile an den Illwerken an das Land verkauft hat.“

Auch der Vorarlberger Landeshauptmann

Markus Wallner erinnerte an die jahrelangen Bemühungen von Rainer Reich im Zusammenhang mit der Auslegung der Illwerke-Verträge.

„Damit konnten Verhandlungen, die sich über sieben Jahre hingezogen haben, zu einem für das Land Vorarlberg immens wichtigen und zukunftsweisenden Abschluss gebracht werden. Ohne das tiefgehende Vertragswissen und das unermüdliche Schaffen von Rainer Reich wäre der Kauf der Vorarlberger Illwerke durch das Land Vorarlberg wohl niemals zustande gekommen.“

Rainer Reich trat am 1. April 1965 als Direktionsassistent in den Dienst der Vorarlberger Kraftwerke AG in Bregenz ein. Zwei Jahre später wechselte er zu den Vorarlberger Illwerken. Seine beruflichen Erfahrungen wusste Reich vortrefflich in die Illwerke einzubringen. Er wurde 1972 Handlungsbevollmächtigter und 1977 Vorstandsmitglied der VIW. Nach 26-jähriger erfolgreicher Arbeit für die Vorarlberger Illwerke ist Rainer Reich am 1. April 1993 aus dem Unternehmen ausgeschieden und in den dauernden Ruhestand getreten. Reich war anschließend eine Zeitlang als energiepolitischer Berater der Vorarlberger Landesregierung tätig.

Engagierter Vater

Privat war Rainer Reich seine Familie überaus wichtig. Er war ein sehr engagierter Vater und Großvater. Daneben war es sein größtes Anliegen, dass das Vorarlberger Wasser als Grundlage unseres Lebens nicht in fremde Hände gerät. Er hat stets die Interessen der Allgemeinheit über seine eigenen gestellt, und wenn er etwas als richtig befunden hat, dann hat er sich immer mit seiner ganzen Kraft dafür eingesetzt. VN-ee

Rainer Reich mit Tochter Susanne und Schwiegersohn Martin Sagmeister bei der Dr.-Toni- und -Rosa-Russ-Preisverleihung im Jahr 2017.VN/Steurer, VN-ARchiv
Rainer Reich mit Tochter Susanne und Schwiegersohn Martin Sagmeister bei der Dr.-Toni- und -Rosa-Russ-Preisverleihung im Jahr 2017.VN/Steurer, VN-ARchiv
VIW-Chef und Dr.-Toni-Russ-Preisträger Rainer Reich im Gespräch mit Prof. Robert Par, der für sein Engagement gegen Atomkraft den Toni-Russ-Preis bekommen hat. 
VIW-Chef und Dr.-Toni-Russ-Preisträger Rainer Reich im Gespräch mit Prof. Robert Par, der für sein Engagement gegen Atomkraft den Toni-Russ-Preis bekommen hat. 

Dipl.-ing. Dr. techn. Rainer Reich

Geboren 14. Juli 1931 in Landeck

Eltern Dr. Fritz Leo Reich, Bankfilialvorstand, Irma Reich

Ausbildung Volksschule und Bundesrealgymnasium in Landeck, 1949 bis 1955 Technische Hochschule in Graz, Elektrotechnik, 2. Staatsprüfung mit Auszeichnung bestanden, Diplomingenieur, Dissertation: „Untersuchungen über die wirtschaftlichste Betriebsführung eines Karbidofens“, 1963 Dr. techn.

Beruflicher Werdegang Sprecher und Schuh (Linz), Donau Chemie (Landeck), VKW Bregenz, Eintritt in die Illwerke Bregenz am 1. April 1967, mehr als 16 Jahre Vorstandsdirektor, 1. April 1993 Ruhestand, 1995 bis 2000 Stellv.-Aufsichtsratsvorsitzender der Illwerke

Familie verheiratet, drei Kinder, sechs Enkelkinder.

 

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